Mini JCW Coupé, Peugeot RCZ 1.6 200 THP 26 Bilder Zoom

Mini JCW Coupé gegen Peugeot RCZ 1.6 200 THP: Zwei Ring-Kämpfer im Vergleichstest

Ihre Bewährungsprobe haben beide Autos im Rahmen des 24h-Rennens am Nürburgring bereits bestanden - der Peugeot RCZ als Diesel, das Mini JCW Coupé mit einer leistungsgesteigerten Variante des 1,6-Liter-Turbo-Benziners. Nun geht es im sport auto-Test um Sieg und Ehre.

Vergleichen lässt sich vieles - im Einzelfall auch mal Äpfeln mit Birnen, sofern das Ergebnis aussagekräftig oder zumindest unterhaltsam ist. Wenn die wesentlichen Zutaten zweier Gerichte allerdings so ähnlich, um nicht zu sagen identisch sind wie im Falle des Peugeot RCZ und des Mini JCW Coupé, das schmackhafte Ganze dann aber durchaus länderspezifisch zubereitet wurde, drängt sich eine intensive Verkostung geradezu auf.

Turbo-Vierzylinder mit rund 200 PS

Eh voilà - wo mundet das gemeinsam entwickelte, aufgeladene und an ein manuelles Sechsganggetriebe nebst Frontantrieb gekoppelte 1,6-Liter-Vierzylinder-Motörchen nun besser? Auf die französische Art angerichtet oder im à la Jamie Oliver jung-dynamisch aufbereiteten deutsch-britischen Menü, das - obwohl es sehr viel kräftiger anmutet -, unterm Strich doch sehr viel leichter ist.

Mit 1.230 Kilo Lebendgewicht geht der leicht knubbelige, weil bei 1,38 Meter Höhe und 1,68 Meter Breite nur 3,73 Meter kurze Works-Mini im direkten Vergleichstest fast schon als „Lean Cuisine“ durch. Kein Wunder - haben die Franzosen das sportliche Ganze doch ein wenig angereichert. Statt zwei Sitzen wie beim Mini JCW Coupé gibt‘s im Peugeot RCZ im Fond noch ein Doppelpack durchaus kindertauglichen Fauteuils dazu. Allzu groß sollte der Nachwuchs allerdings nicht geraten sein. Ab 1,65 Meter Stockmaß wird‘s eng fürs Köpfchen.

Sportliche Zweisitzer mit gleichen Gummis

Zudem darf der Peugeot RCZ auf deutlich größerem Fuß leben: Wo Mini es bei 7x17 Zoll bewenden lässt, spendiert Peugeot sportaffinen Coupé-Jüngern auf Wunsch und gegen Aufpreis 8 x 19 Zoll große Alu-Räder mit rundum 235 Millimeter breiten Conti SportContact 3-Sohlen. Bezüglich der Spezifikation des präferierten schwarzen Goldes waren sich die Entwicklungspartner sogar einig. Das Mini JCW Coupé kommt auf identischen Conti-Schlappen daher, die mit einer Laufflächenbreite von 205 Millimeter allerdings deutlich schmaler ausfallen. Angesichts der nominell um 11 PS höheren Motorleistung des Zweisitzers eine zumindest interessante Wahl.

Wobei die beengten Platzverhältnisse in den aufgrund der recht schmal ausgefallenen Karosserie des Mini Coupés wenig ausgestellten Radhäusern den Entwicklern und Testfahrern unterm Strich wohl wenig Wahl gelassen haben dürften. Was nicht geht, geht halt nicht. Trotzdem ist durch diesen Umstand und die Tatsache, dass die Spurweite vorn und hinten beim Mini mit 1.453 respektive 1.461 Millimeter deutlich moderater ausfällt als beim Peugeot (1.580/1.593 mm vorn/hinten) die Ausgangsposition des Franzosen in Sachen bestmöglicher Traktion schon mal wesentlich besser.

Mini und Peugeot ohne Sperrdifferenzial

Ein den Vortrieb förderndes, mechanisches Sperrdifferenzial hielten nämlich beide Hersteller der Testwagen für entbehrlich. Da können drei Zentimeter mehr Aufstandfläche pro Reifen und ein um 13 Zentimeter größerer Abstand zwischen den angetriebenen Vorderrädern durchaus einen Unterschied machen. Dies gilt sowohl bei aktiviertem als auch bei deaktiviertem ESP. Jenes simuliert - so es denn eingeschaltet ist - die Sperrwirkung, indem es das entlastete kurveninnere Rad am Durchdrehen hindert. Wird das elektronische Fahrstabilitätsprogramm - wie bei der sport auto-Zeitenhatz üblich - per Knopfdruck am Eingreifen gehindert, zählt allein die Geometrie des Unterbaus. Und hier hat der Franzose nicht nur der Theorie nach alle Trümpfe in der Hand. Auch das subjektive Empfinden im Test auf der durch enge Biegungen gekennzeichneten Strecke im Badischen unterstreicht diese Annahme.

Während das Mini JCW Coupé in fast jeder Ecke vergeblich um Vortrieb ringt und ein Gutteil der die vergleichsweise schmalen Vorderräder attackierenden 280 Newtonmeter Drehmoment ungenutzt verpufft, zieht der mit 200 PS und maximal 275 Newtonmeter Drehmoment antretende 2+2-Sitzer Peugeot RCZ vergleichsweise ungerührt seiner Bahn. In der Folge fühlen sich Mini-Piloten unterm Strich langsamer, als sie tatsächlich sind, während RCZ-Fahrer geneigt sind, dem Messgerät einen Anzeigefehler zu unterstellen. Warum leuchtet schlussendlich im Display nur eine 1.19,8 Minuten auf?

Hockenheim-Rundenzeiten unter 1.20 Minuten

Kann doch nicht sein, dass man bei dem Gescharre im Mini JCW Coupé tatsächlich sieben Zehntelsekunden schneller unterwegs war. Ist dann aber doch so - wohl auch, weil die enger gestufte Getriebeübersetzung besser zur Charakteristik des Kleinen Kurses in Hockenheim passt. Und 138 Kilo Mindergewicht hinterlassen auf diesem Geläuf ebenfalls ihre Spuren. Muss der Peugeot RCZ mit jeder seiner Pferdestärken doch 6,8 Kilogramm in Bewegung setzen, wohingegen beim Kraftzwerg aus Oxford nur 5,8 Gewichtseinheiten pro PS anfallen.

Die für den Rückstand des Franzosen im Hockenheimer Rund ausgemachten Gründe zeichnen auch für das deutlich verhaltenere Temperament des mit Double-Bubble-Dach versehenen Peugeot RCZ bei der Sprintprüfung verantwortlich. Während das Mini JCW Coupé im Test binnen 6,8 Sekunden auf 100 ist, lässt der Peugeot sich für die gleiche Übung 7,6 Sekunden Zeit. Bis zum Erreichen der 200 km/h-Marke wächst der Vorsprung des kulleräugigen Sprosses der BMW Group gar auf knapp drei Sekunden an. Dass das Mini-Getriebe dabei einen merklich knackigeren Eindruck im Test hinterlässt, sei dabei nur am Rande vermerkt.

Beispielhaft einig sind sich die beiden Kontrahenten in Bezug auf die zu erbringende, artgerechte Verzögerungsleistung: Beide Autos packen im Vergleichstest mit mittleren 10,5 bis 10,7 m/s² kalt wie warm beherzt zu. Aus 200 km/h steigen die Werte gar auf 11,1 (Peugeot RCZ) respektive 11,2 m/s² (Mini JCW Coupé). Das kann sich in dieser Wagenklasse wahrlich sehen lassen. Dass der Franzose dabei eine etwas größere Bremsanlage bemüht, ist konsequent, weil dem höheren Gewicht geschuldet und zeigt, dass der PSA-Konzern es mit der sportlichen Positionierung seines Coupés absolut ernst meint.

Rennversionen im Einsatz am Nürburgring

Alles andere wäre ja auch verwunderlich gewesen, wo der Peugeot doch über die letzte VLN-Saison hinweg als Diesel-Renner ein gern gesehener Gast in der Eifel war und der Hersteller in Le Mans sein neues Peugeot RCZ Kundensport-Modell vorgestellt hat. Jenes vertraut wie schon das Mini Coupé beim diesjährigen 24h-Rennen am Nürburgring auf eine 250 PS starke Ausbaustufe des zierlichen 1,6-Liter-Turbo-Motörchens und ist für rund 55.000 Euro netto zu haben.

Die sportliche Mini-Zukunft ist aktuell indes ungewisser denn je. Die Münchener hatten reichlich spät im Jahr ihren Ausstieg aus der herstellergestützten Markenpokal-Szene erklärt. Eine Mini Challenge, in der sich insbesondere im vergangenen Jahr exzellent austrainierte Hatchback-Zwerge tummelten, wurde erst Anfang 2012 als Mini Trophy wiederbelebt. Möglich, dass dieser erste Rückzug dem DTM-Engagement der Bajuwaren geschuldet war. Möglich aber auch, dass damit der Weg für ein anderes, kleines Kundensportmodell geebnet werden soll. Ob dieses dann mit dem Mini-Flügel oder nicht vielleicht doch eher mit dem weißblauen Propeller antritt, bleibt abzuwarten. Dass der Mini und der BMW Einser sich in nicht allzu ferner Zukunft die Plattform teilen sollen, ist dem Vernehmen nach ohnehin beschlossene Sache.

Alltagstauglichkeit contra Coolness

Doch zurück zum Straßen-Sport und damit zu den Vergleichstest-Kandidaten: Preiswerter zu haben und einen Tick alltagstauglicher, weil im Notfall mit Platz für Vier gesegnet, ist der Peugeot RCZ 1.6 200 THP. Er fungiert gemäß seiner ellenlangen Typenbezeichnung im Gegensatz zum Mini mit 4,29 Meter Länge fraglos als erwachsenes Sportcoupé. Beim Mini JCW Coupé ist Letzteres nicht ganz so gewiss: Ausgewachsene Männer - allen voran unser Chefredakteur - fühlen sich in dem Deutsch-Briten dem eigenen Bekunden nach durchaus schon mal ein wenig deplatziert. Ganz so klassen-und alterslos wie Hatchback, Cabrio und Clubman ist die jüngste Mini-Kreation demnach nicht. Die flippig-junge Klientel, die die Baseball-Cap selbst lieber falsch als richtig herum aufsetzt, könnte den Zweisitzer mit Kofferraum aber eben dafür lieben.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

27. Dezember 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 01/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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