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Sportliche Kleinwagen
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Mini Cooper S und Renault Clio Gordini R.S. gegen Skoda Fabia RS 27 Bilder Zoom

Mini, Skoda Fabia und Renault Clio im Vergleichstest: Nachwuchssportler treten im Dreikampf an

Sportliche Kleinwagen liegen im Trend. Das Angebot ist inzwischen nicht nur weit gestreut, sondern auch vielfältig: Ob Zweiliter-Sauger im Renault Clio Gordini R. S., 1,6-Liter- Turbo im Mini Cooper S oder mittels Roots-Kompressor und Turbo gleich doppelt geladenem 1,4-Liter-Vierzylinder im Skoda Fabia RS - erlaubt ist, was schnell macht. Wir vergleichen die Sportwagen im Test auf der Rennstrecke.

S, RS oder R.S.: Wer ein solches Kürzel im Namen trägt und vier Räder, einen Motor sowie ein mit sportlichen Insignien versehenes Blechkleid sein Eigen nennt, weckt Erwartungen - wie klein er auch immer sein mag. Ob Spanier, Italiener, Tschechen, Franzosen oder Deutsch-Briten - kaum ein Autobauer verzichtet in seinen Einstiegs-Baureihen noch auf ein kraftstrotzendes Aushängeschild.

S-Versionen bei allen außer Audi A1

Einzig die Japaner legen diesbezüglich nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung an den Tag. Ach ja - und bei Audi ist man mit dem A1 bislang auch noch nicht über 122 PS hinausgekommen. Doch die Auflage eines Ingolstädter Kraftzwergs mit S-Kennung dürfte wohl eher eine Frage der Zeit, denn Ausdruck einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung sein. Schließlich mischt der Kleine mit dem großen Anspruch erst kurz im Geschehen mit.

Ein alter Hase und fraglos das Aushängeschild der Klasse ist der Mini Cooper S. Seit im Jahr 2001 die von der BMW Group entwickelte, aber nach wie vor in Großbritannien gebaute Neuauflage des auf eine über 40-jährige Geschichte mit wechselnden Herren zurückblickenden englischen Kult-Kleinwagens die automobile Bühne betrat, stellte sie auch und vor allem die Leistungsfähigkeit einer gelungenen Marketingstrategie unter Beweis.

Kleiner Brite trumpft mit Power auf

Obwohl der deutsch-britische Newcomer nur wenig mit seinem winzigen Vorgänger gemein hat, brachte der neue Mini Cooper die Heritage der alten Marke glaubhaft rüber - 17 statt zehn Zoll große Räder und knapp vier statt gut drei Meter Länge hin oder her.

Dem unverkennbaren Kulleraugen-Blick des zweitürigen Fronttrieblers konnten oder wollten die wenigsten widerstehen. Dabei hatte der Kleine mit dem S im Namen es von Beginn an faustdick hinter den gern kontrastfarben lackierten oder mit dem Union Jack versehenen Ohren: Von 170 PS beim ersten Mini Cooper S mit 1,6-Liter-Kompressor- Motor stieg die Leistung im Jahr 2006 auf 175 PS beim ersten Turbo-Triebwerk.

Mini Cooper S mit mehr PS

Im Rahmen des jüngsten Facelifts des Mini Cooper S im August wuchs die Nennleistung des 1,6-Liter-Twinscroll-Vierzylinders nun gar auf 184 bei 5.500 Kurbelwellenrotationen vollständig versammelte Pferdestärken. Wirklich spürbar ist die nominelle Mehrleistung von neun PS im Testwagen zwar nicht, aber der Papierform tut sie allemal gut. Schließlich tritt die frei saugende Konkurrenz aus dem Frankenreich gar mit der Kraft von 201 Gäulen an. Jene laufen konzeptbedingt allerdings erst deutlich später zu Höchstform auf.

Renault Clio R.S. braucht Anlauf

Der Zweiliter-Saugmotor des Renault Clio R. S., der primär optisch Anleihen an den in den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts berühmt gewordenen Sportmodellen des Italo-Franzosen Amédée Gordini nimmt, gibt seine maximale Leistung erst bei 7.100 Kurbelwellenrotationen ab. Damit unterscheidet sich das nahezu komplett ausgestattete, ausschließlich in royalem Blau und mit dem doppelten weißen, auf der Fahrerseite über das Auto verlaufenden Rennstreifen verzierte Sondermodell charakterlich nicht vom normalen Renault Clio R. S..

Gordini-Version mit blauen Details

Schwarz-lederne Sitzbezüge mit blauen Wangen, ein blau-weiß gehaltener Drehzahlmesser, die blaue Ledermanschette des Schaltstocks und silber-blaue 17-Zoll-Leichtmetallfelgen gehören zum serienmäßigen Ausstattungsumfang. Unter dem blauen Metallic- Kleid blieb beim Clio Gordini Renault Sport (R.S.) freilich alles beim Alten: Den Zweiliter-Saugmotor und das präzise agierende manuelle Sechsganggetriebe teilt der Gordini technisch mit dem Serien-Clio-R.S.. Einzig die Eingriffsparameter des in diesem Umfeld auf Wunsch komplett abschaltbaren ESP wurden etwas nach oben verschoben.

Skoda verspricht mehr als Fabia RS kann

Dritter im Bunde der illustre Vorbilder zitierenden Nachwuchssportler ist der Skoda Fabia. Auch er trägt die Sport implizierenden Lettern RS im Namen - wenngleich ohne trennende Punkte. Gleiches gilt für den Werbespruch im Anzeigenmotiv der Skoda-Marketing-Abteilung: Ein "Rallyewagen mit Straßenzulassung" ist der technisch mit dem VW Polo GTI (Test) identische Fronttriebler nämlich nicht.

Sowohl der Umstand, dass der viertürige Skoda Fabia RS als einziges Auto des Vergleichstest ausschließlich mit DSG zu haben ist, als auch das nicht abschaltbare ESP sprechen eine andere Sprache.

Komfort zu Lasten des Fahrspaßes

Optisch nimmt der Hersteller zwar gern Anleihen beim Renngerät: Grün ist auch bei den Werks-Fabia Super 2000 ein Thema. Ansonsten mochte er seinen Kunden jedoch keinen Komfortverzicht zumuten. Das Fahrwerk ist eher kommod denn sportlich straff abgestimmt und lässt viel Seitenneigung zu, die Sitzposition auf den serienmäßig mit Stoff bezogenen Fauteuils im Skoda Fabia RS erinnert ein wenig an Omas Küchenstuhl.

Und vom recht nachgiebig agierenden Bremspedal hätte man auch mehr Widerstand erwartet. Das Druckgefühl ist zu weich, die Bremse insgesamt nicht standfest. Nach der zehnten Vollbremsung aus Landstraßentempo packt das Aggregat mit 9,9 m/s² zu zögerlich zu. 39 Meter Bremsweg im Test sind für einen dem Namen nach sportlich orientierten, nicht einmal 1.300 Kilo schweren Skoda Fabia RS nicht akzeptabel.

Franzose ist Bester beim Bremstest

Am beeindruckendsten setzt sich in dieser Test-Disziplin der Renault Clio Gordini R.S. in Szene: Mit einer mittleren Verzögerung von 10,5 m/s² warm offenbart ausgerechnet das mit 1.278 Kilo Lebend-gewicht schwerste Auto des Vergleichs das zupackendste Temperament. Die Stopper des Mini Cooper S packen konstant, mit 10,3 m/s² aber gleichfalls nicht übermäßig beherzt zu.

Dafür kann der kulleräugige Deutsch-Brite die Handlingdisziplinen knapp für sich entscheiden. Sowohl die auf 18 Meter Abstand gesteckte Pylonengasse als auch den 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurs in Hockenheim lässt der 1.204-Kilo-Floh Mini Cooper S minimal schneller hinter sich als der mit 68,2 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit im Slalom und 1.20,4 Minuten auf der Rennstrecke gleichfalls recht flotte Franzose Clio Gordini R.S..

Mini und Clio hängen Fabia im Rennen ab

Da die vom Mini Cooper S in diesen Test-Diszplinen herausgefahrenen 68,6 km/h und 1.20,1 Minuten unterm Strich gemäß der Wertungstabelle nicht für Pluspunkte gut sind, geht der Renault Clio Gordini R.S. aufgrund seiner besseren Performance in der Bremsprüfung aus dem Gesamtklassement sogar als Sieger hervor.

Der elektronisch gefesselte Skoda Fabia RS bildet mit 64,0 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit im 180-Meter-Slalom und 1.22,6 Minuten auf dem Kleinen Kurs in den Handlingprüfungen ebenso das Schlusslicht im Test wie schon auf der Bremse und muss sich auf dem Hockenheimer Rund sogar der konzerninternen Konkurrenz geschlagen geben.

Fabia in sieben Sekunden auf Tempo 100

Die technisch identisch ausgelegten, 180 PS starken und mit dem Direktschaltgetriebe DSG bestückten VW Polo GTI und Seat Ibiza Cupra R pfeilten in den Tests mit 1.20,7 und 1.21,8 Minuten jeweils ein gutes Stück flotter über den Asphalt.

Die Kombination aus automatisiertem Schaltgetriebe und 1,4-Liter-Turbo-Kompressor- Motor ist lediglich bei der normalen Beschleunigungsmessung dazu angetan, die Konkurrenz das Fürchten zu lehren: Mit 7,0 Sekunden ist der Skoda Fabia RS exakt zwei Zehntelsekunden schneller auf 100 als der Mini Cooper S und der Renault Clio Gordini R. S., die jeweils 7,2 Sekunden für den munteren Aufgalopp benötigen.

Preislich sind alle im Rahmen

Prinzipiell hätte der grüne Skod Fabia RS aus Mladá Boleslav auch das Zeug dazu gehabt, die Kostenwertung für sich zu entscheiden. Mit 21.890 Euro Grundpreis gerät der Einstieg in den VW-Konzern-Spross nämlich deutlich günstiger als jener in den Mini Cooper S (23.650 Euro) oder den Renault Clio 2.0 R.S. im blau-weißen Gordini-Kleid (25.300 Euro).Erst der Blick auf den Testverbrauch verrät, dass der Sieger des Kostenkapitels möglicherweise doch nicht aus Tschechien stammt.

Wo sich der im vollen Testwagen-Ornat nebst zahlreicher Lederaccessoires kaum teurere und mit 201 zu 180 Pferdestärken zudem deutlich potentere Renault Clio Gordini R.S. mit 10,4 Liter Super auf 100 Kilometer begnügt, dürstet es das doppelt aufgeladene 1,4-Liter-Aggregat des Fabia im Mittel nach elf Liter auf 100 Kilometer.

Fabia Dauergast an der Tankstelle

Neben dem für die Wagenklasse recht ungebührlichen Verbrauch müssen Eigner des kleinen RS gleich noch eine zweite Kröte schlucken: Aufgrund des mit 45 Liter Volumen recht zierlichen Tanks fällt die Reichweite des Fabia RS nicht wirklich üppig aus. Im mit 9,8 Liter auf 100 Kilometer sehr sparsamen Mini Cooper S kommt man weiter - nicht nur was die Distanz angeht.

Autor

Foto

GARGOLOV

Datum

26. Juni 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 01/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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