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Nissan GT-R von Brömmler & Importracing: Japanische PS-Junkies im Testduell

Die Nissan GT-R von Brömmler und Importracing können mit insgesamt 1.175 PS zu den Hashiriya gehören. So heißen auf Japanisch die Straßenracer aus Tokio, Yokohama und Co. Doch die beiden PS-Junkies lehren der Sportwagen-Welt hier zu Lande das Fürchten.

Die beiden Nissan GT-R von Brömmler Motorsport sowie Importracing könnten glatt als Hauptdarsteller des Tuning-Streifens "The Fast and the Furious: Tokyo Drift" durchgehen, obwohl ihre Tuner aus Altenberge im Münsterland und dem württembergischen Beilstein stammen. Diesmal lassen die Nippon-Sportler ihre Gummis auch nicht in der japanischen Hauptstadt qualmen. Zur Geisterstunde fauchen die beiden Biturbo-Allradler über die Straßen in und um Stuttgart.

Zwei Nissan GT-R bringen es nach Tunginmaßnahmen auf 1175 PS

Lader-pfeifend und Wastegate-Zwitschernd rücken die Tuner-Nissan GT-R in der Dämmerung aus. Mit wilden Lackierungen wie Samurai-Kämpfer geschminkt krönen sie sich zu den Königen der Nacht. Sie blasen ihre Schallwellen durch Häuserschluchten und Tunnelröhren, jonglieren Schwindel erregende PS-Zahlen und verwandeln die Stadtautobahnen der japanischen Metropolen im Eiltempo in Hochgeschwindigkeitskurse. Längst haben die Tuning-Helden nicht nur im Land der aufgehenden Sonne, sondern auch in Europa Kultstatuts erreicht.

Zuerst spannt der knallgelbe Brömmler GT-R seine Muskeln an. Ein von SKN umprogrammiertes Steuergerät sowie eine neue Edelstahl-Abgasanlage züchten den 3,8-Liter-V6 von 485 auf 585 PS hoch. Also schnell den feuerroten Startknopf auf der Mittelkonsole in Karbon-Optik pressen. Nach kurzem Anlasserrasseln bollert der Sechszylinder mit leicht unrundem Leerlauf wie ein Offshore-Rennboot. Doch der GT-R kann mehr, als mit Gebrüll und rapsgelber Karosseriefolie (Aufpreis 2.500 Euro) samt Sponsorenaufklebern und einem Monster-Heckflügel im WRC-Format die Show-and-Shine-Jury beeindrucken. Sein Biturbo-Hammer schlägt brachial zu. Statt der serienmäßigen 588 prügeln nun 719 Newtonmeter das Nissan-Schlachtschiff vorwärts.

Brömmler Motorsport-Nissan GT-R fährt von 0 auf 100 in 3,4 Sekunden

Obwohl zahlreiche Karbonteile (Frontlippe, Heckklappe, Flügel, Kühlerabdeckung) sowie ein leichteres Gewindefahrwerk von Moton, die Brömmler-Edelstahlabgasanlage und Recaro-Vollschalensitze das Gesamtgewicht um über 70 Kilogramm drücken, sind insgesamt 1.736 Kilogramm zu bewegen. Das gelingt im Vergleich zum Serienmodell noch überzeugender. 3,4 Sekunden und 10,9 Sekunden (Serie: 4,1/13,1 Sekunden) - nackte Zahlen einer Beschleunigungsexplosion, die eine innerstädtische Ordnungswidrigkeit blitzschnell zur Straftat mutieren lassen.

Also flink wieder runter vom Gas. Doch auch das treibt dem Brömmler-Pilot ein breites Grinsen ins Gesicht. Wie ein aufgeregtes Rennpferd schnaubt der GT-R dank HKS-Blow-off-Ventil (1.090 Euro) überschüssigen Ladedruck durch seine Nüstern. Bei so viel Show lässt auch eine Polizei-Streife nicht lange auf sich warten. "Den GT-R sieht man extrem selten", stellen die Ordnungshüter lächelnd fest, während sie interessiert ins Brömmler-Cockpit mit Karbon-Optikteilen reinschnuppern. Selbst bei Nacht sorgen die beiden automobilen Paradiesvögel für so viel Aufsehen, als wenn Michael Schumacher tagsüber im Kaufhaus zu einer Autogrammstunde antreten würde. Fotohandys und Digitalkamera arbeiten auf Hochtouren.

Nissan GT-R von Importracing sprintet in 3,3 Sekunden auf 100 km/h

Jetzt will auch der zweite Japan-Legionär seine Längsdynamikwerte in den Asphalt stanzen. Zischend zieht der GT-R von Importracing vorbei. Seine Akrapovic-Auspuffanlage aus Titan brummelt sonor, aber deutlich zurückhaltender durch die vier 125er-Endrohre als beim wilden Brömmler-Yellowbird. Dafür wiegt sie 17 Kilogramm weniger als die Serienanlage und soll einen Leistungsschub von 17 PS und 56 Newtonmeter Drehmoment bringen. Doch allein das wäre zu wenig, um im Konzert der Tuning-Wölfe mitheulen zu können. Neben Abgasanlage und Austauschluftfiltern klettert die Leistung beim Importracing-GT-R ebenfalls per Bits und Bytes. Mit angeblichen 590 PS, aber gefühlten über 600 Biturbo-Pferden sprintet er in 3,3 Sekunden auf 100 km/h. Nach 10,2 Sekunden dreht die Tachonadel über die 200 km/h-Skalierung. Importracing überzeugt dabei mit einer gleichmäßigeren Leistungsentfaltung und einem breiteren Drehzahlband als Brömmler Motorsport. Grau schlägt Gelb - vor allem bei der Elastizitätsmessung hat Importracing mit den besseren Durchzugswerten die GT-R-Nase vorn.

Auch mit 1.784 Kilogramm schwerere Novidem-Nissan GTRS kann im Test mit 585 PS  mit dem aktuellsten GT-R-Duo zumindest bei der Längsdynamik nicht mithalten (0 - 100 km/h: 3,9 s und 0 - 200 km/h: 11,3 s). Doch in Hockenheim hat der Novidem-GT-RS die Messlatte mit einer Zeit von 1.09,5 Minuten bereits sehr hochgelegt. Im Morgengrauen hechelt das neue Nippon-Doppel gen Rennstrecke und hinterlässt dabei schon mal auf der Autobahn seine Schmauchspuren. 317 km/h jubiliert das GPS im Brömmler, der Importracing packt sogar noch einmal sechs km/h Höchstgeschwindigkeit obendrauf.

Schnell die Sandtler-Hosenträgergurte festziehen, dann donnert der knallgelbe Nissan als Erster auf den Kleinen Kurs. Trotz des Leistungsplus von 100 PS gegenüber dem Serienfahrzeug kommt der Brömmler-GT-R nur mit einer Rundenzeit von 1.10,2 Minuten (Serie: 1.10,7 min) zurück in die Box. Mit dem um zehn Millimeter abgesenkten und einstellbaren Moton-Gewindefahrwerk punktet der getunte Allrader mit sicherem Fahrverhalten und einem noch angenehmen Maß an Federungskomfort im Straßenverkehr. Auf der Rennstrecke schiebt er, ob am Kurveneingang oder unter Last, deutlich untersteuernd über die Vorderräder. Agiles Eigenlenkverhalten der Heckpartie? Fehlanzeige, die Brömmler-Hinterachse bleibt wie festzementiert auf ihrer Linie. "Wir arbeiten derzeit noch an einem besseren Gesamtpaket, was sowohl auf der Straße als auf der Rennstrecke perfekt funktioniert", erklärt Firmenchef Markus Brömmler nach dem Vergleichstest.

Importracing-GT-R lenkt spürbar zackiger ein als der Brömmler-Nissan

Der R35 von Importracing koketiert schon auf dem Datenblatt selbstbewusst mit seinen Rennsport-Genen. Neben einer Bremsanlage mit Bremsscheiben von AP Racing sowie Bremsbelägen von Carbonetic kommen an der Vorderachse Luftleitbleche aus Karbon zur Bremsenkühlung zum Einsatz (Gesamtpreis für Bremsenumrüstung: 3.000 Euro). Ein Getriebezusatzkühler soll die Getriebetemperatur im Renntrimm ebenfalls um zehn Grad Celsius senken. Am Hinterachsdifferenzial begrenzt ein Differenzialkühler (1.200 Euro) die Spitzenwerte von ungefähr 150 Grad auf rund 110 Grad. Das zweifach verstellbare Clubsport-Fahrwerk mit einstellbarem Hinterachs-Stabi stimmte Fahrwerksspezialist KW für den Rennstreckenbesuch ab. Während das vorn um 25 mm und hinten um 20 mm abgesenkte Fahrwerk im Stadtverkehr durch leichte Poltergeräusche auffällt, glänzt es in Hockenheim mit seiner präzisen Rückmeldung. Der Importracing-GT-R lenkt spürbar zackiger ein als der Brömmler-Nissan. Sowohl am Kurveneingang als auch ab dem Scheitelpunkt unter Last gehört Untersteuern nicht zur Kurvenklaviatur.

Nissan GT-R Rundenzeit auf Corvette ZR1 und Lamborghini-Niveau

Mit kontrolliertem Gaseinsatz lässt sich hier das Heck perfekt ins leichte Übersteuern dirigieren. So kann der Allrad-Sportler bereits ab dem Scheitelpunkt früh wieder aus der Kurve herausbeschleunigen. Lohn der agilen Abstimmung ist eine Rundenzeit von 1.09,4 Minuten. Noch Fragen? Der getunte Exil-Japaner aus Beilstein rangiert mit Corvette ZR1 (1.09,7 min) und Lamborghini Murciélago LP 670-4 Super Veloce (1.09,5 min) auf Augenhöhe. Die Performance des 1.732 Kilogramm gewichtigen GT-R grenzt an ein kleines Fahrdynamik-Wunder. Oder, wie ein japanisches Sprichwort sagt: "Erst das Schleifen verleiht dem Edelstein den Glanz."

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

13. Dezember 2011
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 04/2010.
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