Speedart und Sportec im Vergleichs-Test: Getunte Porsche Panamera Turbo

Speedart PS9-560, Sportec SP575

Dass der Porsche Panamera Turbo im Test trotz seiner gewichtigen Statur auch fahrdynamisch glänzen kann, hat das Serienmodell bereits bewiesen. Im Doppeltest zeigen jetzt die Tuning-Versionen der viertürigen Sportlimousine von Speedart und Sportec, was sie drauf haben.

Viertausendeinhundertvierundvierzig, genau 4.144 Kilogramm. Nein, das ist nicht etwa das Gesamtgewicht aller Rennfahrzeuge eines Caterham-Markenpokals oder einer Gruppe Lotus Elise-Fahrer beim Wochenendausflug. Die vier Tonnen verteilen sich in diesem Test auf nur zwei Protagonisten: Die Porsche Panamera Turbo von den Tunern Speedart und Sportec lassen Nackenhärchen nicht nur mit V8-Reizen zittern - angesichts des Gewichts zuckt auch das Leichtbau liebende Sportfahrerherz erst einmal erschrocken zusammen.

Mit dem Panamera ist Porsche prinzipiell ein besonderer Spagat gelungen. Hier treffen limousinenähnliche Platzverhältnisse auf fahrdynamisches Talent. Lässt sich das Serienauto noch weiter verbessern? Mit dem Speedart PS9-560 und dem Sportec SP575 liefern zwei Veredler jetzt erste Antworten im Vergleichstest.

Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden

Ohne nennenswerte Gegenwehr der Auspuffanlagen machen sich die Achtzylinder sündig-lustvoll an die Arbeit. Die Stimmgewalt der beiden getunten Gran Turismo im Test gleicht einem Offshore-Rennboot. In der Wertung "Wie wecke ich meine Nachbarn beim Kaltstart am schnellsten?" liegt der Sportec-Porsche Panamera Turbo mit seiner Edelstahl-Sportabgasanlage ab Kat leicht vor der Speedart-Variante. Hingegen versöhnen sich PS9-560-Fahrer wohl schneller mit der gestressten Nachbarschaft - auf Knopfdruck unter dem Lenkrad verstummt der Speedart-Bass aus den vier Endrohren im Ofenrohr-Format, und die Klappen-Endschalldämpfer säuseln in der Tonlage des Serienauspuffs. Doch Leisetreter sind beim Deutsch-Schweizer-Duell nicht gefragt. Beide sind für ein wildes Abenteuer im Reich der leistungsstarken Gran Turismo bereit.

Bei Sportec nippt der 4,8-Liter-Biturbo mit ursprünglich 500 PS noch einen Tick länger am Leistungscocktail. Das Ergebnis sind, dank neu programmierter Motorelektronik und Abgasanlage mit weniger Gegendruck, kräftige 575 PS. 15 PS weniger stemmt der 90-Grad-V8 auf die Kurbelwelle des Porsche Panamera-Modells aus dem Hause Speedart.

Ein Zusatzsteuergerät und eine modifizierte Abgasanlage sowie ein Sportluftfilter sorgen hier für den Leistungsschub. Trotz des minimalen Leistungsunterschieds stürmen beide Allradler im Test mit prächtiger Traktion aus dem Stand in 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Damit unterbietet die Tuning-Fraktion das bereits getestete Serienfahrzeug (hier kommen Sie zum Test Porsche Panamera Turbo) um zwei Zehntel. Der eidgenössische Porsche Panamera Turbo hat dabei im unteren Drehzahlbereich subjektiv mehr Dampf.

Zwei kampfeslustige Wale auf der Rennstrecke

Im Speedart boxt das Leistungsplus den Fahrer erst ab knapp 3.000/min in die adaptiven Sportsitze mit den roten Ziernähten. Über die 200 km/h-Marke rennt das Porsche-Duo im Test binnen 13,6 Sekunden ebenfalls im Gleichschritt (Serie: 14,5 s). Nicht nur vom Gefühl her bietet der Sportec SP575 aber den besseren Durchzug - die Elastizitätsmessung untermauert die Vermutung des Popometers. "Ihr quält ja wohl alles auf die Piste?", fragt der Sicherheitsposten an der Einfahrt zum Fahrerlager in Hockenheim. Ein Porsche Panamera Turbo wird hier auf der Rennstrecke wohl so oft gesichtet wie ein Wal in freier Wildbahn. Zwei kampfeslustige Panamera auf dem Kleinen Kurs - Vorhang auf für eine Neuinszenierung.

Mit kaum spürbarer Seitenneigung rennt der Sportec über die 2,6 Kilometer lange sport auto-Referenzpiste. Dabei schiebt er - ob unter Last oder im Rollzustand - kurz nach dem Einlenken über alle Viere. Auch mit erzwungenen Lastwechseln lässt sich der Schweizer kaum vom Untersteuern ins Übersteuern bewegen. Wegen der straffen Dämpferabstimmung, minimalen Eigenlenkverhalten und des hohen Gewichts kapitulieren die Reifen schnell mit nachlassendem Gripniveau. Fahrdynamisch betrachtet verhindert die ausgeprägte, aber sicherheitsbewusste Tendenz zum Untersteuern eine bessere Rundenzeit als 1.14,8 Minuten.

Speedart und Sportec setzen auf wuchtige 22-Zoll-Räder

Mit spürbar mehr Seitenneigung wirft sich der PS9-560 in die Kurven. Wie Sportec vertraut auch Speedart auf den automatischen Wankausgleich PDCC und die adaptive Luftfederung. Zur besseren Test-Vergleichbarkeit wurden beide Autos im straffsten PASM-Modus gefahren. Die stärkeren Karosseriebewegungen und die sich weicher anfühlende Dämpferkennlinie verhelfen dem Speedart PS9-560 zu einem neutraleren Fahrverhalten. Lenkbefehlen folgt der mit Frontspoilerlippe, Seitenschwellern, angedeutetem Diffusor und zusätzlichem Heckflügel deutlich abgewandelte Porsche Panamera Turbo mit weniger Untersteuern und direkterem Einlenkverhalten. Das F1-Sportlenkrad von Speedart vermittelt dabei einen sportlicheren Charakter als das Serienvolant. Mit einem Durchmesser von 365 mm liegt das etwas kleinere Lenkrad mit Alu-Leder-Besatz besser in den Händen als die Porsche-Serienversion. Zudem werden die Gänge des PDK hier nicht über die nervigen Porsche-Schiebetasten, sondern klassisch, nach dem Motto "Rechts hoch, links runter" mit richtigen Schaltwippen gewählt. Nicht nur das Lenkrad versprüht im Speedart mehr Sportlichkeit.

Trotz des nicht vollständig abschaltbaren Porsche-ESP PSM lässt sich das V8-Schlachtschiff mit energischem Gasfuß sogar zu bedächtigen Heckschwenks drängen. Der deutsche Tuning-Porsche Panamera Turbo kurvt in der Folge genau eine Sekunde schneller um den Kleinen Kurs als sein Konkurrent aus der Schweiz. Mit einer Hockenheim-Rundenzeit im Test von 1.13,8 Minuten ist aber auch der Speedart PS9-560 eine Zehntelsekunde langsamer als das leistungsschwächere Serienauto. Angesichts des mächtigen Schuhwerks und der gewählten Bereifung der Tuning-Modelle ist das wenig verwunderlich. Speedart und Sportec setzen jeweils auf wuchtige 22-Zoll-Räder mit den einzig für diese Größen lieferbaren Conti Sport Contact 3.

Ein Reifen, der in Sachen Grip nicht gerade als Meister seines Fachs gilt. Das Serienfahrzeug mit 20-Zoll-Radsatz und Michelin Pilot Sport-Pneus sieht zwar längst nicht so extrovertiert aus, auf der Rennstrecke funktioniert diese Rad-Reifen-Kombination aber wesentlich besser. So können die beiden gestärkten Gran Turismo ihr Leistungsplus im Vergleich zum Serien-Panamera auf der Rennstrecke in Hockenheim nicht umsetzen. Doch wer quetscht mit einem Porsche Panamera Turbo überhaupt das letzte Zehntel auf der Rennstrecke raus? "Wir haben schon vereinzelte Hardcore-Kunden, die mit dem Panamera auf die Nordschleife gehen, aber die meisten nutzen den Wagen als sportive Reiselimousine", verrät Speedart-Geschäftsführer Björn Striening. Und schneller kann man kaum reisen: Anders als beim Rennstreckenausflug ziehen die beiden Kandidaten auf der Autobahn mit 315 km/h Höchstgeschwindigkeit am 303 km/h schnellen Serienmodell vorbei.

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