BMW 135i Cabrio vs. Mini John Cooper Works Cabriolet

Ungleiche Konzern-Brüder im Cabrio-Test

BMW 135i Cabriolet

Im brüderlichen Vergleichstest trifft das 211 PS starke Mini JCW Cabrio auf den offenen BMW 135i mit 306 PS. Die beiden Fahrzeuge gehören zu den letzten Softtop-Cabrios in der BMW Group. Denn wer ein weiches Mützchen über dem Kopf bevorzugt, wird in München nurmehr bei den kleinen Baureihen fündig.

Dass kleinere Geschwister sich an den größeren messen wollen, liegt in der Natur der Dinge. Insbesondere bei Jungs gehört wiederholtes Kräftemessen ebenso unabänderlich zum Erwachsenwerden wie der erste zarte Flaum auf der Oberlippe. Bei Autotests gilt derlei nicht. Hier hält sich die Journaille meist strikt an das, was die Erbauer vorgeben und was gemäß der jeweiligen Einordnung opportun erscheint. Was die Paarung bei Vergleichstests angeht, gilt zumeist strikt die althergebrachte Klassengesellschaft.

Zwei ungleiche Brüder im direkten Vergleich

Dabei hält der Blick über den Tellerrand durchaus verlockende Alternativen parat. Warum - so die ketzerische Frage - sollte man nicht einmal zwei ungleiche Brüder des gleichen Konzerns einander gegenüberstellen? Frontgetrieben, 3,71 Meter klein und 211 PS stark der eine, hinterradgetrieben, mit 4,36 Meter ein gutes Stück länger und mit der Kraft von 306 Rössern gesegnet der andere. Und offen. Bei Bedarf geben die sauber gearbeiteten Bedachungen beider Autos hier wie da auf Knopfdruck den Blick in den hoffentlich ungetrübten Himmel frei.

Die Rede ist vom Mini John Cooper Works und vom BMW 135i Cabriolet. Zwei Brüder, die vieles trennt, die aber auch einiges gemeinsam haben. So zum Beispiel den Platz für Vier oder das blinde Vertrauen auf die Vorteile der Zwangsbeatmung. Beim Kraftei von Mini bläst ein Abgasturbolader zum Angriff, dem BMW 135i Cabrio hauchen deren zwei zusätzliches Leben ein. Charakterlich sind - wie bei Geschwistern gemeinhin üblich - dennoch Unterschiede zu verzeichnen. Während der Arbeitseinsatz des Laders beim JCW Mini durchaus spürbar vonstatten geht, erinnert die Leistungsentfaltung des Biturbo-Reihensechsers im 135i in ihrer Gleichmäßigkeit eher an einen potenten Saugmotor als an ein aufgeladenes Triebwerk. Das passt zum Gesamteindruck der beiden Softtop-Cabriolets.
 
Der kulleräugige Mini zielt auf die jüngere Lifestyle-Klientel
 
Wo der kulleräugige Mini quirlig-pfiffig auf die jüngere Lifestyle-Klientel abzielt, lockt der 135i mit seiner silbrig schillernden Mütze eher die saturierte Kundschaft. Der Deutsch-Brite kommt offen wie geschlossen stuffig-kompakt daher, bei dem Bajuwaren vollzieht sich mit dem elektrischen Öffnen des Verdecks eine wundersame Wandlung: Die eben noch stämmig-muskulöse Anmutung verschwindet mit dem Käppchen gleichsam in der Versenkung. Zurück bleibt ein ranker und schlanker Begleiter für fast alle Lebenslagen. Einzig lange Urlaubsreisen mit vier Personen dürften denn doch am auch im Einser nicht wirklich üppig geratenen Kofferraumvolumen scheitern.
 
Davon abgesehen steht das 135i Cabriolet dem seit Neuestem mit einem Hardtop versehenen 335i Cabrio an Wertigkeit und Komfortangebot kaum nach. Die Sitze sind bequem und gut konturiert, das Verdeck hervorragend verarbeitet und das Geräuschniveau im Innenraum trotz des Softtops und selbst bei schnellerer Fahrt mit geschlossenem Dach angenehm moderat. Gleichzeitig beaufschlagt das weiche Mützchen die Gewichtsbilanz des Einsers nur mit rund 100 statt wie beim Dreier-Cabriolet mit knapp 200 Kilogramm. Ergo tritt der BMW 135i auch offen mit vergleichsweise austrainierten 5,5 Kilogramm pro PS an. Ein Wert, den das mit 1.280 Kilo Lebendgewicht fast 400 Kilogramm leichtere Mini JCW Cabrio nicht toppen kann.
 
Der kleine Turbo-Sportler muss mit jeder seiner 211 zu Gebote stehenden Pferdestärken 6,1 Kilogramm in Bewegung setzen. Dies und das nicht gänzlich still haltende ESP verhindern denn auch Bestwerte in der Beschleunigungsmessung. Mit 7,1 Sekunden blieb der offene Mini zwei Zehntelsekunden hinter der Werksangabe zurück. An Temperament fehlt es dem Fronttriebler mit dem serienmäßigen elektronischen Sperrdifferenzial deshalb freilich nicht.
 
Mehr Kraft braucht im Alltag kaum ein Mensch
 
Wer sie dennoch hat, sollte - wie das 135i Cabrio - über eine perfekte Gewichtsbalance und ebensolche Traktion verfügen. Dann geht es trotz nahezu identischem Durchzugsvermögen des Triebwerks aus dem Stand deutlicher flotter voran, wie die Sprintprüfung zeigt. Die vier Zehntelsekunden, die der frontgetriebene Mini bis zum Erreichen der 40 km/h auf den BMW mit Hinterradantrieb verliert, schleppt der kleine Bruder mit. Jenseits 160 km/h wird die Luft für das kleinvolumige Turbo-Triebwerk dann ohnehin dünner, sodass der Vorsprung des großen auf das kleine Cabriolet bis 180 km/h auf 5,2 Sekunden anwächst.
 
Beim Vergleich der pro Pferdestärke aufzuwendenden finanziellen Mittel ist der Unterschied zwischen dem großen und dem kleinen BMW-Spross hingegen ebenso marginal wie im Slalomparcours, den beide Autos mit über 67 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit durcheilen. Bei der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h kommt der mit 1.674 Kilo deutlich gewichtigere 135i rund einen halben Meter eher zum Stehen als das 1.280-Kilo-Cabrio britischer Abstammung, was den Mini einen weiteren Punkt in der sport auto-Wertung kostet.
 
Bei der abschließenden Zeitenhatz auf dem 2,6 Kilometer langen kleinen Kurs in Hockenheim liegen die beiden Kontrahenten hingegen nicht nur punktemäßig gleichauf. Auch in ihrer grundsätzlich der Neutralität verpflichteten Gangart blitzen geschwisterliche Gemeinsamkeiten auf. Dass das Mini John Cooper Works Cabriolet insgesamt einen Tick hibbeliger rüberkommt als der stoisch, ja fast schon ein wenig langweilig seiner Bahn ziehende offene Einser, ist dem deutlich kürzeren Radstand geschuldet. Obwohl der Cooper vorn und hinten auf nennenswerte Karosserieüberstände verzichtet, trennen die Räder der Vorder- und Hinterachse gerade einmal 2,47 Meter. Beim 135i Cabrio liegen immerhin 2,66 Meter dazwischen, was der Ruhe und dem Platzangebot auf den hinteren Rängen gleichermaßen zuträglich ist.
 
Rund 19.000 Euro Preisunterschied zwischen den Testwagen
 
Ein längeres Fahrgestell des Piloten vorausgesetzt mutiert das Mini Cabrio nämlich schnell zum Dreisitzer, weil der Fahrersitz in diesem Fall eine intime Nähe zur Rücksitzbank pflegt. Wer primär allein oder zu zweit unterwegs ist und sich an dem kragengleich auf dem Heck ruhenden Verdeck und der damit einhergehenden rückwärtigen Blickfeldeinschränkung bei Offenfahrt nicht stört, könnte beim Mini JCW Cabrio dennoch an der richtigen Adresse sein - weil das kleinere der beiden BMW Group Cabriolets im vollen Testwagenornat rund 19.000 Euro billiger zu haben ist, mit 12,5 Liter Super Plus pro 100 Kilometer 1,3 Liter weniger verbraucht und insgesamt ein deutlich lebhafteres Temperament besitzt. Größe, Kraft und eine stattliche Statur sorgen zwar für objektive Überlegenheit. Die Herzen erobern jedoch oft die kleinen Smarten - bei den Menschen wie den Autos.

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