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Eibach-Audi S5, Frontansicht 17 Bilder Zoom

Fahrwerkstest mit dem Eibach-Audi S5: Welche Tuning-Tricks schneller machen

Wie kitzelt man aus seinem Fahrzeug noch mehr querdynamisches Potenzial raus? sport auto testete verschiedene Fahrwerksmodifikationen von Eibach zum Nachrüsten. Welche Tuningtricks wirklich schneller machen, verrät der Fahrwerkstest mit dem Eibach-Audi S5.

Was ist Tuning? Über den Asphalt schabende Frontschürzen, die auch als Schneeschieber durchgehen oder Unterbodenbeleuchtungen, die so manche Rotlicht-Kneipe in den Schatten stellen? Nein, auch wenn optische Individualisierung bei manchen Kultstatus genießt, für uns bei sport auto zählt nur die Frage: „Was macht sportlicher und schneller?“ Was mit wenigen Modifikationen möglich ist, zeigt sport auto zusammen mit Fahrwerkshersteller Eibach am Beispiel des Projektfahrzeugs Audi S5.

Stufenweise Modifikation des Fahrwerks

Der Versuchsaufbau ist einfach: Während die Motorleistung des V6-Kompressor mit 333 PS im Audi S5 auf Serienstand bleibt, werden in mehreren Stufen unterschiedliche Fahrwerkskomponenten ausgetauscht. Nach jedem Umbau folgt der Performance-Check auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Nicht nur am Fahrwerk schrauben die Ingenieure, sondern jede Stufe wird auch mit zwei unterschiedlichen Reifentypen getestet. Neben dem Toyo Proxes T1 Sport im Format 255/35 R 19 rundum kommt außerdem der Toyo-Semislick R888 in der Größe 245/40 ZR 18 zum Einsatz.

Serienfahrwerk macht den Anfang

Rundenzeiten-Messgerät einbauen, ESP off - jetzt muss der Audi S5 zeigen, was er kann. Zunächst faucht das 1.743 Kilo schwere Coupé jungfräulich mit Serienfahrwerk und mit alltagstauglicher Straßenbereifung auf die Piste. Mit tendenziell eher indirektem Einlenkverhalten und leicht untersteuernd dreht der Allradler seine Runden. Narrensicherer kann eine Fahrwerksabstimmung kaum ausgelegt werden. Auch bei bewusst provozierten Lastwechseln zuckt der Bayern-Bomber so viel wie ein Polizeipferd, neben dem ein Kanonenschlag gezündet wird. Fazit: Gutmutig, sicher, aber für Sportfahrer etwas zu fade. Rundenzeit: 1.16,9 Minuten.

Boxenstopp: Die Eibach-Techniker tauschen die Toyo Proxes T1 Sport gegen die Semislicks R888. Das Ergebnis des Reifenwechsels macht sich sowohl im Fahrverhalten als auf der Stoppuhr positiv bemerkbar. Dank besserem Gripniveau punktet der Audi S5 nun mit höheren Kurvengeschwindigkeiten und höheren Verzögerungswerten beim Anbremsen. Mit 1.16,1 min umrundet das Eibach-Projektfahrzeug die sport auto-Referenzpiste sieben Zehntelsekunden schneller. Dass die Toyo-Semislicks vor allem auf nicht allzu leichten Fahrzeugen, wie dem Audi S5, nicht die allererste Wahl sind und auch in puncto Handling, Fahrverhalten und Lenkpräzision hinter Kontrahenten von Pirelli, Conti, Michelin und Dunlop liegen, hat der Sportreifentest von sport auto gezeigt, soll hier aber eine untergeordnete Rolle spielen: Die Konzentration gilt dem Fahrwerk.

Audi S5 wird tiefergelegt

Rein in die Box, rauf auf die Hebebühne - Schlagschrauber rattern, das Fahrwerksfeintuning beginnt. "Einfederweg ist durch nichts zu ersetzen. Wenn nicht genug Reserven da sind, springt das Auto einfach weg. Daher sind wir auch nicht der Vorreiter in Sachen Tieferlegung", erklärt Stephan Stöcker, Fahrwerksentwickler von Eibach, der für den Umbau zuständig ist. Zunächst geht der Audi S5 dank Pro-Kit-Federn um rund 25 Millimeter rundum in die Knie. "Bei einer Tieferlegung ausschließlich mittels Federn muss natürlich besonders darauf geachtet werden, dass die Seriendämpfer in einem einwandfreien Zustand sind", erklärt der Fahrwerksexperte weiter.

Lange Rede, doch bringt die moderate Tieferlegung wirklich sportliche Fortschritte? Optisch duckt sich der Audi S5 etwas aggressiver. Zunächst rauscht der Audi S5 wieder mit den Proxes T1 auf die Rennstrecke. Die etwas straffere Fahrwerksabstimmung liefert nun eine bessere Rückmeldung ohne dabei den Fahrer an den Rand eines Bandscheibenvorfalls zu bringen. Auch der Federungskomfort für den Alltag bleibt auf einem angenehmen Maß.

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Pro-Kit-Fahrwerksfedern und Semislicks drücken die Zeit

Der Audi S5 knickt nun im Grenzbereich bei Lastwechseln ganz leicht ein, bleibt aber in seinem gesamten Fahrverhalten nahezu neutral. Die Rundenzeit stoppt bei 1.16,3 min. Mit den Pro-Kit-Federn fühlt sich der Audi S5 nicht nur sportlicher an, sondern wedelt auch sechs Zehntel flinker um den Kleinen Kurs als mit Serienfahrwerk.

Der nächste Boxenstopp, kurzer Reifenwechsel auf die Semislicks - weiter geht es. Die Kombination aus Pro Kit-Fahrwerksfedern und Sportreifen R888 drückt die Audi S5-Rundenzeit nochmals auf 1.15,6 min.

Die zu schwache Bremsanlage versagt

Eine Qualmentwicklung aus den vorderen Radkästen, die mehr an ein Barbecue als einen Fahrwerkstest erinnert, kündigt dann einen ungewollten Boxenstopp an. Die Bremsanlage des werksneuen Audi S5 quittiert nach acht gezeiteten Runden auf der 2,6 Kilometer langen sport auto-Referenzpiste trotz Abkühlpausen mit starkem Fading ihren Dienst. Wer öfter mit seinem Audi S5 auf Rennstrecken unterwegs ist, muss zwingend über die Nachrüstung einer stärken Bremse nachdenken.

Für die letzte Ausbaustufe des Fahrwerkstests ordern die Eibach-Techniker beim Audi-Händler neue Bremsbeläge. Neben der Wiederherstellung der Bremskraft gibt's nun eine tief greifende Fahrwerkskur. Dazu gehört das Komplettfahrwerk B12 Pro-Kit mit Fahrwerksfedern und Bilstein-Gasdruckdämpfern in Upside-Down-Bauweise, neue Stabilisatoren sowie Spurverbreiterungen um 30 mm an der Vorderachse und 40 mm hinten. "Beim Audi S5 können die Stabis relativ einfach gewechselt werden. Man sieht bei einem Stabi von außen zwar nichts wie bei einer Tieferlegung, aber er macht das Fahrzeug agiler", erklärt Fahrwerksmann Stephan Stöcker.

Komplettumbau mit deutlicher Modifikation an der Hinterachse

Dank der größeren Steifigkeit minimieren die Eibach-Stabis mit 28 Millimeter Durchmesser an der Vorderachse sowie 23 Millimeter an der Hinterachse (Serie: 26 mm vorn, 20 mm hinten) die Rollneigung des Chassis spürbar. Außerdem denkt der Eibach-Audi S5 nun knackiger ein und zeigt ein noch agileres Eigenlenkverhalten.

Während Spur- und Sturzwerte an der Vorderachse im Vergleich zum Serienfahrwerk fast unverändert blieben, nahm die Eibach-Mannschaft beim Komplettumbau deutliche Modifikationen an der Hinterachse vor. Das Rezept für einen lässigeren Hüftschwung im Detail: Weniger Sturz und eine offene Spur (Nachspur) an der Hinterachse (Seriensturz hinten: -1°29‘ links, -1°43‘ rechts; B12 Pro-Kit Sturz hinten: -1°17‘ links, -1°14‘ rechts / Serie Gesamtspur hinten: 0°22‘; Gesamtspur hinten B12 Pro-Kit: -0°20‘). Tipp: Mehr Luftdruck an der Hinterachse als vorn unterstützt das gewünschte Ergebnis zusätzlich (Kaltluftdrücke Proxes T1: VA 2,0 bar, HA 2,6 bar; R888: VA 1,8 bar, HA 2,4 bar).

Tuning führt zu mehr Agilität und gestiegenem Fahrspaß

Das Audi S5-Heck schwingt nun bei Lastwechseln, beim zackigen Anbremsen oder unter Last am Kurvenausgang freudig, aber gut beherrschbar mit. Die im Serienzustand vorhandene Tendenz zum Untersteuern gehört größtenteils der Vergangenheit an. Agilität, die sich auch in der Rundenzeit sowohl mit Semislicks (1.15,1 min) als auch mit alltagstauglichen Reifen (1.16,1 min) nochmals positiv bemerkbar macht.

Fazit: Mit cleverem Fahrwerkstuning legt der zu Beginn des Tests etwas brav-neutral herumtrabende Audi S5 doch noch einen knackigen Schuhplattler aufs Parkett, der nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch im Alltag für Gaudi sorgt.

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

7. Januar 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 09/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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