Winterreifentest der Größe 225/45-17: Geheimtipp unter den namhaften Reifenmarken

BMW im Schnee

Bevor der Winter hereinbricht und eine unangepasste Bereifung für Rutschpartien und Ärger sorgt, sollte man rechtzeitig nach ordentlichen Gummis Ausschau halten - nach namhaften Reifenmarken oder nach Geheimtipps, wie der Winterreifentest 2011 im Format 225/45 R17 auf einem BMW 3er zeigt.

Vor nicht allzu langer Zeit noch opulentes Breitreifenformat, jetzt schon fast lapidare Standardgröße. Die Rede ist von 225/45-17 - eine Reifendimension, die auf VW Golf und Co. eine ebenso gute Figur abgibt wie auf Mittelklasse-Limousinen. Wie der Dreier-BMW zum Beispiel eine ist - mit dem Antrieb am rechten Fleck, und damit genau das richtige Gefährt, um den Premium-Reifen minutiös auf die Lamellen gucken zu können. Denn - so viel vorweg - die Unterschiede zwischen den Winterreifen sind sehr gering. Mit Dunlop Winter Sport 4D, Goodyear Ultra Grip Performance 2, Michelin Alpin A4, Nokian WR D3 und Pirelli Sottozero Serie II stehen ausschließlich hochrangige Produkte im Fokus. Der Continental Winter-Contact TS 830 P gehört ebenfallls dazu - eigentlich, doch Conti zieht zurück.

Nokian überzeugt auf trockener Strecke

Bleiben also noch fünf Aspiranten, die sich im Test um die Krone des Winterkönigs balgen. Und die zunächst das Standardprozedere bei Trockenheit über sich ergehen lassen. Wobei sich zeigt, dass die Handlingqualitäten der Winterreifen extrem dicht beieinander liegen, wenngleich mit leichten Vorteilen für den Michelin Alpin A4. Der Franzose vermittelt ein sehr präzises Lenkgefühl, gibt sich sportlich ausgewogen, mit einer sachten Tendenz zum Untersteuern. Im Trockenen wird er nur vom Nokian getoppt, der die bessere Bremsleistung bietet. Goodyear und Dunlop, beide aus dem gleichen Konzern stammend, geben sich ebenfalls zufriedenstellend und ausgewogen in ihren Leistungen. Nur der Pirelli hinkt etwas hinterher. Primär begründet durch die Verzögerung aus 100 km/h, die über zwei Meter schlechter ausfällt als die des Nokian WR D3.

Michelin ist der sportlichste auf Nässe

Begeben wir uns auf die Nässe, wo ein Winterreifen in unseren Breitengraden wohl am häufigsten sein Können unter Beweis zu stellen hat. Dort wendet sich zunächst das Blatt, und zwar zu Ungunsten des Nokian. Der Finne treibt das Feld nicht nur bei der Rundenzeit im Handlingparcours vor sich her. Er zeigt auch das instabilste Fahrverhalten, wechselt im Grenzbereich relativ abrupt zwischen Unter- und Übersteuern hin und her, erfordert viel Lenkarbeit, um auf Kurs zu bleiben. Aquaplaning-und Bremsverhalten lassen ebenfalls noch Raum für Verbesserung. Auf Nässe schieben sich der Pirelli und der Michelin in Front - der Franzose mit dem noch etwas exakteren, sportlicheren Genen. Der Italiener baut mehr auf Sicherheit, auf Untersteuern. Ganz ähnlich ausgerichtet gibt sich der Dunlop, der den Anschluss an die Test-Spitze nur deswegen verliert, weil er bei den Bremstests etwas abfällt. Am besten bremst der Goodyear, der sich bei Nässe sehr harmonisch, brav und sicher aus der Affäre zieht.

Gleiches gilt auch für das Fahrverhalten des Ultra Grip Performance 2 auf Schnee. Mit sachten und ruhigen Reaktionen meistert er den Handingkurs im Winterreifentest. Was die Traktion betrifft, sticht er seinen Konzernbruder aus. Andererseits kontert der Dunlop in der Bremswertung, die der Goodyear ähnlich durchschnittlich meistert wie der Pirelli auch. Sogar der Michelin bremst aus Tempo 50 besser. Dann ist es mit den Künsten des Franzosen aber auch vorbei. Die Traktion ist Mittelmaß, die Handlingeigenschaften liegen sogar noch darunter. Über fünf Sekunden fehlen dem Alpin A4 auf den schnellsten im Bunde. Ums Eck biegt der Michelin nur mit hohen Schräglaufwinkeln, schiebt also stark über die Vorderachse, wirkt nicht besonders spurstabil. An der V-Kennung (Geschwindigkeitsindex bis 240 km/h) allein kann es nicht liegen, denn der Goodyear zeigt, dass es auch besser geht. Dennoch haben die beiden Vertreter mit H-Kennung (bis 210 km/h) auf Schnee die Nase vorn. Subjektiv betrachtet allen voran der Dunlop Winter Sport 4D, der mit einem sehr gepflegten, ruhigen Fahrverhalten glänzt.

Nokian-Winterreifen ist Schnee-König

Objektiv schiebt sich in winterlichen Gefilden jedoch der Nokian WR D3 an die Spitze. Gegen die hervorragenden Gripeigenschaften des Finnen ist kein Kraut gewachsen. Er bremst auf Schnee bestechend, hat auch die packendste Traktion zu bieten. Und beim Handling stellt er die griffigste Seitenführung zur Verfügung, was sich letztlich nachhaltig auf die Rundenzeit auswirkt. Somit geht der Nokian als Geheimtipp aus diesem Vergleich hervor. Einer, der im Verhältnis zu den namhaften Größen zwar ein wenig die Nässe scheut. Aber auch einer, der mit seinem Preis schon fast als Schnäppchen durchgehen darf.

Winterreifentest im Format 225/45 R17 H/V
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Jochen  Übler

Autor:

SPORT AUTO, Heft 11 / 2011

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