Alles über Mercedes A-Klasse
BMW 125i, Mercedes A 250 Sport, Frontansicht 31 Bilder Zoom

Test BMW 125i gegen Mercedes A 250 Sport: Wie sportlich ist die Premium-Kompaktklasse?

"Nur Streber wollen 1er", provoziert die neue Mercedes A-Klasse den Einser-BMW. Das lässt der BMW 125i nicht lange auf sich sitzen und bittet den Mercedes A 250 Sport zum Kurventanz. Ob Stern oder Niere im sportlichen Kompaktduell vorne ist, klärt der Vergleichstest auf der Rennstrecke.

Wer hätte am 21. Oktober 1997 wohl darauf gewettet, dass es überhaupt eine dritte Generation der Mercedes A-Klasse geben wird. Die Geschichte ist bekannt. Anno 97 kippte das Ur-Modell in Schweden aufs Dach, der Elchtest schrieb Geschichte, und kurz nach Markteinführung folgte der Verkaufsstopp zwecks ESP-Nachrüstung - der fahrende Hochsitz mit der guten Rundumsicht mauserte sich dennoch zum Verkaufshit. 15 Jahre später sagt Konzernboss Dieter Zetsche: "A steht für Angriff." Nach den beiden Vorgängerbaureihen 168 und 169 rollt nun die dritte Generation W 176 mit einem Paukenschlag auf die Bühne.

Rennstrecken-Duell Mercedes A 250 versus BMW 125i

A steht heute für anders. Die neue Mercedes A-Klasse duckt sich mit dynamischer Linienführung 16 Zentimeter tiefer als die Vorgänger über die Straße. In der TV-Werbung präsentieren langbeinige Schönheiten auf Highheels den neuen Benz-Buben und wollen die Generation Facebook locken. Weg mit dem 60-Plus-Rentner-Image, A soll fortan sexy und sportlich sein. "So fährt man Siege heim" oder "Nur Streber wollen 1er" provoziert die Werbe-Kampagne selbstbewusst die Kompaktkonkurrenz aus München. Also, Ring frei zum Rennstrecken-Duell beim Test Mercedes A 250 Sport versus BMW 125i.

Der Einser bleibt cool und setzt auch angesichts des neuen Kontrahenten auf typische BMW-Werte: Heckantrieb, manuelles Sechsganggetriebe und, nein kein emotionaler Reihensechszylinder-Sauger, sondern ein dem Downsizing verpflichteter Zweiliter-Vierzylinder mit Twin-Scroll-Turbolader und 218 PS. Klingt so aufregend wie eine Nähmaschine, geht aber gut. Das Motorenkonzept im Mercedes A 250 Sport mit turboaufgeladenem Zweiliter-Reihenvierzylinder mit 211 PS ähnelt dem BMW, doch in puncto Kraftübertragung vertraut Mercedes auf Vorderradantrieb und im aktuellen Topmodell ausschließlich auf das Doppelkupplungsgetriebe 7G-DCT mit sieben Gängen. Während der Gangwechsel im manuellen Modus per Wippenschaltung am Lenkrad problemlos gelingt, schaltet das Doppelkupplungsgetriebe im E-Modus extrem früh hoch oder nimmt im Automatikmodus das Gas teilweise erst nach einer Gedenksekunde an.

Hockenheim, Startschuss zum sport auto-Test. Traditionell eröffnen die Rundenzeiten auf dem 2,605 Kilometer langen Kleinen Kurs den Testwettbewerb. Als Erster stürmt der Neuling auf die Piste. Der mit Conti Sport Contact 5P bereifte Mercedes A 250 Sport lenkt so besessen ein, als wolle er den letzten hämischen Elch-Gedanken aus seinem Lenker vertreiben.

AMG-Technik sorgt für Sportlichkeit

Die elektromechanische Servolenkung agiert nicht progressiv-synthetisch, sondern nahezu linear und präzise. Einen Pluspunkt gibt’s auch für das selbstbewusst als "Hochleistungsfahrwerk engineerd by AMG" bezeichnete und für die Rennstrecke ideal abgestimmte Fahrwerk mit AMG-Vorderachse, die später in ähnlicher Form im Topmodell Mercedes A 45 AMG zum Einsatz kommen soll. Das Eigenlenkverhalten mit auf Lastwechsel feinfühlig reagierendem Heck ist ein positives A-Klasse-Novum.

Der Kompakt-Daimler profitiert nicht nur von seinem gegenüber dem Vorgänger um 24 mm gesenkten Schwerpunkt, sondern auch von einer neu entwickelten Vierlenker-Hinterachse (drei Quer- und ein Längslenker pro Rad nehmen die Kräfte auf). Seitenneigung? Nicht nennenswert. Werden die Sidesteps zu groß, regelt das nicht vollständig abschaltbare ESP sanft. Auch ohne mechanisches Sperrdifferenzial bringt der Fronttriebler seine Kraft sauber auf den Asphalt. Spürbares Untersteuern am Kurveneingang oder Traktionsprobleme unter Last? Fehlanzeige.

Bremsanlage ist der Mercedes-Schwachpunkt

Für Stirnrunzeln auf dem Kleinen Kurs sorgt hingegen die Einkolben-Schwimmsattel-Bremsanlage rundum. Nach zwei gezeiteten Runden mit jeweils einer anschließenden Abkühlrunde rollt der Mercedes A 250 Sport mit länger werdendem Bremspedal, Geräuschentwicklung und leichter Qualmentwicklung an der Bremse zurück in die Box. Während einer langen Abkühlphase darf er sich jedoch über eine sehr gute Rundenzeit von 1.18,3 Minuten freuen. Stuttgart legt vor, jetzt wollen die Bayern den Anschlusstreffer landen. Für den Rennstreckenausflug scheint der BMW 125i mit M Sportpaket nicht nur optisch dank Aerodynamikkit bestens aufgepäppelt zu sein. Neben markanten Schürzen und Schwellern startet er außerdem mit adaptivem M Fahrwerk samt zehn Millimeter Tieferlegung, optionaler M Festsattel-Sportbremse mit vier Kolben vorn und zwei Kolben hinten sowie variabler Sportlenkung.

Die Rückmeldung der Lenkung fällt hier noch einen Hauch direkter und ehrlicher aus als beim Mercedes A 250 Sport - die BMW-Entwickler sollten sich jedoch nicht entspannt zurücklehnen. Schnell zeigt sich, dass man sich bei der Reifenwahl zumindest unter sportlichen Wettbewerbsgedanken verzockt hat. Den Bridgestone Potenza S001-Runflatreifen fehlt es im Vergleich an Präzision und Gripniveau. Leichtes Untersteuern am Kurveneingang oder beim Anbremsen ist die Folge. Außerdem fällt das adaptive Einser-Fahrwerk selbst im Sport Plus-Modus mit gestraffter Dämpferkennlinie durch Seitenneigung auf. Für die Rennstrecke ergibt vermutlich das ebenfalls im M Sportpaket erhältliche M Sportfahrwerk mit strafferer Feder-/Dämpferabstimmung sowie härteren Stabilisatoren mehr Sinn. Umgekehrt punktet der Einser mit Adaptivfahrwerk durch die sanftere Abstimmung mit sportlichem, aber sehr alltagstauglichem Federungskomfort, während der Mercedes A 250 Sport mit seinen harten Feder-Dämpferkennlinien speziell auf Autobahnquerfugen die Bandscheiben quält.

Zurück zur Jagd um Zehntelsekunden auf der Rennstrecke. Auch wenn schon die ersten Kurven erahnen lassen, dass die Pole Position beim Test auf der Piste heute nicht an BMW geht, kämpft man im Einser gern. Emotional fliegt der Schaltstock flink durch die Gassen des knackigen Sechsganggetriebes mit kurzen und präzisen Schaltwegen. Auf Lastwechsel reagiert der 125i leicht mitlenkend. Bei spontanem Lasteinsatz aus engen Ecken schmiert er gar mit seinem Hintern ganz sachte gen Kurvenausgang. An sattes Leistungsübersteuern ist in dieser PS-Klasse freilich nicht zu denken.

BMW 125i ist sportlich aktiver

Auch wenn der BMW 125i das Rennstrecken-Duell mit 1,8 Sekunden Rückstand gegen den Mercedes A 250 Sport eindeutig verliert, schmückt sich der Einser nicht zu Unrecht mit insgesamt neun M-Logos. Anpendeln - und mit etwas Motivation driftet der kompakte Hecktriebler freudig ums Eck. Bauartbedingt ist das im vorderradangetriebenen A 250 nicht möglich, zumal ab einem gewissen Gierwinkel die Elektronik alles wegregelt. Im BMW regelt bei abgeschaltetem DSC hingegen nichts spürbar. Zwischenfazit: Sportlich aktiver fühlt man sich im Einser, sportlich effektiver ist die A-Klasse.

600 Euro Aufpreis für die M Sportbremse sind für rennstreckenaffine BMW-Sportfahrer gut angelegtes Geld. Anders als beim Mercedes A 250 Sport bleibt der Druckpunkt der optionalen Einser-Bremse auch nach den zwei gezeiteten Runden mit jeweils einer anschließenden Abkühlrunde hervorragend. Hier knistert und qualmt nichts. Mercedes bietet hingegen keine aufpreispflichtige Sportbremsanlage an.

Apropos Kosten: Die Preisleistungswertung im Test gewinnt der BMW 125i klar (Grundpreis: 31.000 Euro). Mit einem Grundpreis von über 36.000 Euro liegt der Mercedes A 250 Sport teilweise über wesentlich stärkeren Kompaktsportlern wie dem Renault Mégane RS (27.990 Euro) oder dem VW Scirocco R (35.425 Euro). Zum BMW M135i mit 320 PS fehlen 3.000 Euro.

Mercedes A 250 fährt dem BMW 125i davon

Zurück zum sport auto-Testkampf: Auch den 18-Meter-Slalom entscheidet der Mercedes A 250 Sport vor dem BMW 125i. Wie auf der Rennstreckenrunde stützt sich der Mercedes beim Pylonenwedeln durch sein strafferes Fahrwerk und den höheren Reifengrip seitlich besser ab. Nach einer längeren Abkühlphase geht’s für beide Kontrahenten auf die Messgerade. Elastizitätsmessung, Beschleunigung und Bremsmessung stehen nun auf dem Programm. Die Geschichte der beiden erstgenannten Testkriterien ist schnell erzählt. Bei der Elastizitätsmessung zeigt der A 250 Sport dem BMW 125i dank der kürzeren Übersetzung des Siebengang-Getriebes schnell seine LED-Rückleuchten. Auch bei der Beschleunigung von null auf 100 km/h stürmt der Sternenkrieger mit 6,7 Sekunden deutlich vor den 125i (7,1 s). Während der Mercedes seine Werksangabe dabei nur knapp um eine Zehntelsekunde verfehlt, liegt der BMW mit sieben Zehntelsekunden daneben.
 
Endphase im Kompaktkampf: Eigentlich hilft dem 125i jetzt nur noch ein Lucky-Punch, denn nach dem bisherigen Testverlauf liegt der Mercedes A 250 Sport vor der abschließenden Bremsmessung vorn. Mit optionaler Sportbremsanlage punktete der Einser-BMW auch bei warmen Betriebszustand mit gleichbleibenden Verzögerungswerten und nicht nachlassendem Druckpunkt (100 - 0 km/h warm: 36,4 m, 10,6 m/s²).
 
Das Gegenteil zeigt der Mercedes A 250 Sport. Beim standardisierten Warmbremsprozedere mit zehn Folgebremsungen aus 100 km/h auf null fiel der Daimler-Kompaktsportler mit starkem Fading der Bremsanlage auf. Außerdem züngelten an der überhitzenden Vorderachsbremsanlage anschließend kleine Flammen zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe. Die Messauswertung ergab ungenügende Verzögerungswerte von 39,4 Meter (9,8 m/s²) aus 100 km/h bis zum Stillstand. Zu diesem Zeitpunkt hätte die A-Klasse mit einem Punkt gegen den BMW 125i verloren.

Mercedes musste nachbessern

Wegen der überraschend schlechten Bremswerte informierte sport auto jedoch die Mercedes-Verantwortlichen und gab der A-Klasse eine zweite Chance. Mercedes reagierte umgehend: Der Testwagen verließ die Redaktion gen Daimler und trat nach einem Check sechs Tage später zum Nachsitzen an - inklusive einer speziellen Luftführung an der Vorderachse mittels Leitschaufeln an den Querlenkern sowie eines optimierten Bremsabdeckblechs (laut Hersteller inzwischen Serie). Anschließend durchlief S-AC 7053 das identische Testprozedere nochmals, gewertet wurde jedoch nur die Bremsleistung. Mit 37,3 Meter im warmen Betriebszustand bremste der Mercedes A 250 Sport zwar aus 100 km/h immer noch nicht so gut wie der BMW, stand aber mit gleichbleibender Verzögerung bei der Nachmessung zwei Meter früher als beim ersten Testdurchlauf. Fazit: Erst im zweiten Anlauf

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

13. März 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 11/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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