Dauertestbilanz BMW Alpina D3 Biturbo Coupé : 50.000 Kilometer mit Rennzeichen D

BMW Alpina D3 Biturbo Coupé

Laut Tacho geht er 270 Sachen, macht echte 244 km/h. Im BMW Alpina D3 Biturbo Coupé reist man nicht nur schnell und komfortabel, sondern dank eines Durchschnittsverbrauchs von 8,6 Liter Diesel mit Dauertiefpreisgarantie. Testbilanz nach über 50.000 Kilometern.

Der Trend war wieder einmal unübersehbar. Alltagsautos und Sportwagen rollten ins Blitzlichtgewitter, und über nahezu jeder Neuvorstellung oder Studie kreisten immer wieder nur drei Buchstaben - Öko. Alternative Antriebskonzepte standen auf der vor rund einem Monat stattfindenden IAA wie schon auf den vorangegangenen Messe-Höhepunkten der letzten Jahre im Fokus. Einer, der trotz herkömmlichen Verbrennungssystems den Nerv des Eco-Trends trifft, hat dem sport auto-Dauertestfuhrpark nun Servus gesagt: Das BMW Alpina D3 Biturbo Coupé zeigt im Langzeittest über 50.000 Kilometer, dass verbrauchsarmes und sportliches Autofahren miteinander harmonieren können.

Spritsparwunder BMW Alpina D3 Biturbo Coupé

Ein Durchschnittsverbrauch von 8,6 Liter sowie ein Minimalkonsum von 6,6 Liter, das passt zu einer Sportwagenfachzeitschrift eigentlich so gut wie Birkenstocksandalen in eine Szene-Diskothek. Doch diese platte Vermutung täuscht. Hohe Testverbräuche liegen weniger an einer möglichen Vollgas-Mentalität des Testteams, vielmehr am Einsatzfahrzeug selbst.
Datum, Kilometerstand, Zeit, Ort, Fahrer, Tank, Öl, Verbrauch, Bemerkungen - die klar strukturierten Fahrtenbücher der Testwagen bringen die Wahrheit über nächtliche Vollgasausfahrten, rasante Bergtouren oder innerstädtisches Stop-and-Go-Schleichen ungefiltert ans Tageslicht. Und hier muss sich das Dieseltriebwerk des BMW Alpina D3 Biturbo Coupé nicht schämen. Im Gegenteil, der Maximalverbrauch klingt alles andere als bedrohlich spektakulär. Auf 333 Vollgas-Kilometern an einem Sonntagmorgen im April 2009 schlabberte der Edel-Dreier aus Buchloe genau 48 Liter Diesel aus seinen 61-Liter-Tank. Egal, ob bei langen Autobahnpassagen unter Volllast oder zügigen Rennstreckenrunden - mehr als 14,5 Liter Diesel-Kraftstoff auf 100 Kilometern presste der BMW Alpina D3 Biturbo Coupé nie durch seine Brennräume.

„Guter Reisewagen und viel Drehmoment“, schrieben gleich mehrere Kollegen ins Alpina-Fahrtenbuch. Stimmt, auf der Langstrecke kam andauerndes Zurückschalten so oft vor wie eine baustellenfreie Fahrt auf der A7. Wer einmal den sechsten Gang auf der Autobahn eingelegt hatte, surfte auf der ab 2.000 Touren anliegenden Drehmomentwelle von 450 Newtonmeter fast endlos lange. Wer die Geschichte der Motorenherkunft nicht kennt, ist erst einmal überrascht, dass der Motor mit dem 1.575 Kilogramm schweren BMW Alpina D3 Biturbo Coupé so prächtig harmoniert. Das kleine Aggregat ist die Downsizing-Antwort aus dem bayerischen Buchloe. Der Zweiliter-Reihenvierzylinder mit Alu-Kurbelgehäuse stammt aus dem Einser-BMW, genauer: aus dem 123d. Dank modifizierter Motorelektronik von Bosch, um 0,2 auf 1,2 bar erhöhtem Ladedruck und einer Abgasanlage mit geringerem Gegendruck stieg die maximale Leistung von 204 PS im 123d auf 214 PS im BMW Alpina D3 Biturbo Coupé.

Diesel-Alpina in 6,8 Sekunden auf 100

Die typische Turbocharakteristik mit einem Leistungsloch im unteren Drehzahlbereich und einem plötzlich einsetzenden Nackenschlag fehlt diesem Alpina-Herz fast völlig. Dank Doppelaufladung marschiert das BMW Alpina D3 Biturbo Coupé ohne ein nennenswertes Turboloch oder Anfahrschwäche vom Start weg energisch los und dreht weiter als die meisten konventionellen Dieselmodelle. Erst bei 5.200 Touren ist das Drehzahlband zu Ende. Ein größerer Ladeluftkühler fächelt dem nachgewürzten Einser-Aggregat im Alpina-Auftrag jederzeit ausreichend Frischluft zu. Damit der Drehmomentzuwachs von 50 Newtonmeter gegenüber dem Basismotor auch dauerhaft sicher und standfest an die Hinterachse weitergeleitet werden kann, setzt Alpina verstärkte Antriebswellen aus dem BMW 330d ein. Mit 6,8 Sekunden für den Sprint auf Landstraßentempo unterbot der D3 die Alpina-Werksangabe sowohl bei der Einstands- als auch bei der Abschlussmessung je um eine Zehntelsekunde.
 
Beim Kaltstart und im unteren Drehzahlbereich machte das BMW Alpina D3 Biturbo Coupé zwar leicht nagelnd auf sein Verbrennungsprinzip aufmerksam, dafür unterscheidet sich sein Klang bei höheren Touren kaum von einem Ottomotor. Zwei Ausgleichswellen sorgen für eine angenehme Laufkultur mit nur geringen Vibrationen. Apropos Kaltstart und niedrige Außentemperaturen: Die Start-Stopp-Automatik funktioniert erst nach der Warmlaufphase. Probleme bereitete das Spritsparsystem fast keine - nur einmal schwieg der Motor trotz getretener Kupplung weiter und musste neu gestartet werden. „Die Ampel wurde grün, und es tat sich nichts. Erst bei der nächsten Rotphase lief der Motor nach einem kompletten Neustart wieder“, notierte der Pechvogel den Aussetzer, der sich allerdings als Einzelfall entpuppte.
 
Nicht nur das sparsame Diesel-Triebwerk überzeugt, auch die angenehme Sitzposition verdient im Alpina D3 Biturbo Coupé Lob. Aber erst, wenn man diese einmal gefunden hat: „Sitzeinstellung sehr umständlich“. Die Sportsitze für insgesamt 620 Euro Aufpreis bieten zwar guten Seitenhalt und langstreckentaugliche Polsterung, der nicht stufenlose Verstellmechanismus hat aber definitiv genervt.

Nerven brauchten auch Gäste in der zweiten Reihe. Wer hier Platz nehmen will, muss sich fast wie ein Schlangenmensch zwischen der Sitzlehne und B-Säule hindurchzwängen. Allenfalls für Grundschüler taugt dieser Coupé-Einstieg, für Erwachsene ist der Zugang deutlich unbequemer. Erfreulich in puncto Sitze: Auch nach 50.000 Kilometern zeigten die anthrazitfarbenen Sitze mit Stoff-Leder-Bezug so gut wie keine Abnutzungsspuren. Die sehr gute Verarbeitungsqualität des exklusiven Dreiers konnte auch ansonsten fast in jeder Hinsicht überzeugen. Der billig wirkende Schaltschema-Aufkleber auf der Mittelkonsole erinnert jedoch nicht an einen hochwertigen Kleinserienhersteller, vielmehr aber an vergangene D&W-Zeiten. Bei hohen Außentemperaturen schlug der Aufkleber auch schon mal unschöne Blasen.

Alltagsauto mit Sportwagenpotenzial

„Trotz komfortabler Abstimmung hat der Wagen sportliches Potenzial”, lauten die nächsten Lobeszeilen. Mit präziser Lenkung und neutralem Handling zeigt das BMW Alpina D3 Biturbo Coupé auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim, dass bei der Fahrwerksentwicklung nicht nur Wert auf Komfort gelegt wurde. Mit nur leichter Seitenneigung bringt der D3 fahrdynamisch respektable Leistungen. Seine Rundenzeit von 1.18,9 ist deutlich schneller als die seines leichteren 123d-Motorenspenders (1.21.3 min.) und nur rund eine Sekunde langsamer als der deutlich stärkere Serien-335i mit 306 PS (1.17,8 min.) Lastwechselreaktionen müssen allenfalls bei nassen Fahrbahnbedingungen erwartet werden.
 
Mit seiner guten Gewichtsverteilung von 50,1 zu 49,9 Prozent und der eher konservativen Abstimmung ist das BMW Alpina D3 Biturbo Coupé ein gutmütiger Begleiter. „Ohne Runflat-Reifen super Komfort“, lautet die nächste Botschaft im Fahrtenbuch zum Thema Räder und Fahrwerk. Dank weicherer Reifenseitenwände ohne Runflat-Notlaufeigenschaften bieten die 19-Zoll-Räder mit Michelin-Bereifung angenehmen Abrollkomfort. Doch Alpina meinte es mit dem Thema Komfort ein bisschen zu gut: „Extremes Fahrwerkspumpen bei hohem Tempo auf Bodenwellen. Traktionskontrolle regelt bei Tacho 250 km/h“, verrät der nächste Eintrag. Eine Spur straffer hätte das Fahrwerk schon ausfallen dürfen – vor allem auf schnell überquerten Fahrbahnversätzen wippt das BMW Alpina D3 Biturbo Coupé mit spürbaren Vertikalbewegungen nach.

„Steinschlag Frontscheibe, Fahrzeugpflege innen und außen“. Man muss im Bemerkungsfeld der Fahrtenbücher schon lange forschen, um abseits von alltäglichen Einträgen auf Ausnahmefälle und mögliche Unzuverlässigkeiten zu stoßen. Bei Kilometerstand 12.218 streikte das Radio- und Navigationsdisplay aus unbekannten Gründen. Auf Garantie wechselten die BMW-Mechaniker in der Stuttgarter Niederlassung daraufhin die Radio-Einheit aus. Nach 39.319 Kilometern konsumierte der D3 plötzlich Kühlwasser im Übermaß. Nach dem Auffüllen dümpelte der Wasserstand kaum 100 Kilometer erneut an der Untergrenze. Klarheit brachte ein Werkstattaufenthalt: Hier trainierte ein Marder seine Nagerqualitäten – der durstige Kühlwasserkonsum des Reihenvierzylinders konnte mit neuen Kühlwasserschläuchen abgestellt werden.

Schriftzüge entlarven den Alpina

Die Mängelliste blieb ansonsten so unscheinbar wie das Gewand des BMW Alpina D3 Biturbo Coupés in Black Sapphire metallic. Nur die Schriftzüge auf dem Frontspoiler und am Heck des Bayern verrieten den treuen Dauertest-Redaktionsgast. Bevor Traditionalisten jetzt Alarm schlagen, ein Alpina ohne Streifen auf den Flanken, ohne die Sitze im Alpina-Stil und ohne Edelholz auf dem Instrumententräger sei kein echter Alpina, denen sei gesagt: Auch ohne markentypisches Design und leistungsstarken Biturbo-Benziner gehört dieser Alpina zu den Schnellsten im Lande.

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