Hohenester-Audi TT RS Ausbaustufe I im Tuning-Test

Fünfzylinder-Coupé für die Rennstrecke

sport auto 03/2010 Heftinhalt

Wie stimmt man einen Audi TT RS für die Rennstrecke ab? Das Hohenester-Coupé mit 420 PS starkem Fünfzylinder und 560 Newtonmeter zeigt es. Test der ersten Ausbaustufe vom Tuner auf dem Hockenheimring - mit einem beachtlichem Resultat.

"Bei uns sind 70 Zentimeter Neuschnee gefallen, aber morgen bekommt ihr den Wagen um punkt acht Uhr, versprochen." Gesagt, getan. Um 7:59 Uhr schnüffelt der tief über der geschlossenen Schneedecke hockende Hohenester-Audi TT RS am nächsten Morgen zur sport auto-Tiefgarage.

Hohenester sammelt seine Erfahrung im Motorsport

Alfons Hohenester ist ein Mann der Tat. Was er und sein Team von Hohenester Sport anpacken, funktioniert in der Regel - ob im Motorsport oder beim Tuner Grand Prix von sport auto, Hohenester-Fahrzeuge sind bekannt für ihr fahrdynamisches Talent.

Eine kurze Begründung, warum der Tester der Mannschaft aus Gaimersheim auch bei miesem Winterwetter das jungfräulichste Projekt direkt von der Hebebühne weggebettelt hat. Aufgeregt blubbernd versprüht der RS-Fünfzylinder Urquattro-Romantik und will nur eines: die mitgebrachten Dunlop-Cupreifen anschnallen und lasziv in Hockenheim um die Kurven tanzen. Aber dann das: Beim täglichen Blick auf die Webcam erinnert die Formel 1-Piste eher an ein verschneites Biathlon-Stadion als eine Rennstrecke.

Hohenester-Audi TT RS ähnelt einem VLN-Rennwagen

Mit Sponsoren-Aufklebern an den Seitenschwellern und tief in den Radläufen versunkenen 18-Zoll-ATS-Rädern ähnelt der weiße TT einem VLN-Rennwagen beim Rollout. Ein H&R-Clubsport-Fahrwerk senkt die Karosserie vorn um 35 Millimeter und an der Hinterachse um 30 Millimeter ab. Dank seines Leistungs-Dopings müsste sich der Hohenester auch in der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring nicht verstecken. Nach Software-Änderungen am Steuergerät und einer Erhöhung des maximalen Ladedrucks um 0,3 auf 1,5 bar schnaubt er statt mit 340 nun mit bissigen 420 PS. Das maximale Drehmoment klettert von 450 auf 560 Newtonmeter, und die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 304 km/h. Für die richtige Verzögerung nehmen Pagid-Bremsbeläge die Serien-Bremsscheiben in die Zange.

Das Hohenester-Datenblatt lässt das Wasser im Mund des Kurvengierigen zusammenlaufen. Eine Woche vor Redaktionsschluss reisst Petrus endlich die Himmelspforte auf - die milde Wintersonne gibt Hockenheim für den ersten Messtag in diesem Jahr frei. Zum Weideauftrieb der Testsaison jagt der Bayer ambitioniert auf die Messgerade. Aus dem Stand faucht er in vier Sekunden auf Tempo 100 und unterbietet das Serienmodell um sechs Zehntelsekunden (siehe Audi TT RS im Supertest). Dabei glänzt der cupbereifte Hohenester trotz niedrigen Temperaturen, aber dank hervorragend arbeitendem Haldex-Allrad mit beeindruckender Traktion. Im 18-Meter-Slalom umkurvt er die Pylonen durch das sehr straff abgestimmte Fahrwerk mit kaum spürbarer Seitenneigung und 70,4 km/h. Damit ist er nur 0,4 km/h schneller als der normale RS. Grund: Bei minus 2 Grad Celsius kommen die Pneus an der Hinterachse nur schwer auf die richtige Arbeitstemperatur und verhindern hier ein noch besseres Ergebnis.

Hockenheim-Rundenzeit von 1.12,1 Minuten

Dann geht‘s zum Hockenheim-Highlight - die Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs. Vorsicht! Mit kalten Cupreifen keilt das Hohenester-Heck wie beim Rodeo aus. Erst nach fünf Runden sind die Reifen perfekt temperiert. Jetzt lässt sich der TT präzise dirigieren. Mit direktem Einlenkverhalten folgt er Kurvenbefehlen. Dabei bleibt er äußerst neutral. Die mit kalten Reifen noch tänzelnde Hinterachse hält nun absolut sicher die Spur. Lohn des guten Gesamtpakets ist eine Rundenzeit von 1.12,1 Minuten. So ist der Hohenester-TT RS 2,9 Sekunden schneller als der Werkswagen aus Neckarsulm.

Eine zweite Audi TT RS-Ausbaustufe mit 500 PS ist geplant

Beim Tankstopp vor der Rückfahrt aus Hockenheim entdeckt der Tester im Handschuhfach noch eine kurze Notiz von Alfons Hohenester: „Lieber Herr Gebhardt, bei dieser kurzfristigen Vorbereitungsphase und ‚halbfertigen‘ Aktion habe ich ein schlechtes Gefühl.“ Dass Hohenester kein schlechtes Gewissen haben muss, hat der Test eindrucksvoll bewiesen. Doch was heißt „halbfertig“? Ist dieser 1.12er-Kandiat etwa noch nicht richtig vollendet? Stimmt, die Ausbaustufe II für den Hohenester-TT RS ist schon in Planung. Mechanische Sperren an Vorder- und Hinterachse, ein aus dem Cockpit verstellbares Haldex-System mit zusätzlichem Ölkühler, einstellbare Stabis und eine verbesserte Aerodynamik sowie der Einsatz eines größeren Turbos mit bis zu 500 PS stehen dann auf dem Menüplan. Wir sind schon auf das zweite Fahrdynamik-Festessen aus dem Hause Hohenester gespannt.

Hier kommen Sie zum Test des Hohenester-Audi TT RS in der Ausbaustufe 2.

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