Ferrari 458 Italia, Porsche 911 GT3 RS 4.0, Heck 28 Bilder Zoom

Ferrari 458 Italia gegen Porsche 911 GT3 RS 4.0: Rundenzeiten-Duell auf dem Sachsenring

Der über die Jahre gereifte Porsche 911 vom Typ 997 trifft in seiner letzten und schärfsten Fassung als GT3 RS 4.0 mit Unibal-Fahrwerk und 500 PS starkem Vierliter-Boxer im Heck auf den vergleichsweise jungen, zum Modelljahr 2012 überarbeiteten Ferrari 458 Italia mit V8-Mittelmotor und 570 PS. Schauplatz des Rennstreckenduells: der Sachsenring in Oberlungwitz.

„Sagt mal, Ihr kennt Euch da doch aus: Ist der Ferrari 458 Italia tatsächlich eine Alternative zum Porsche 911 GT3? Stilistisch gefällt mir das Auto ja ungemein gut. Aber ich bin wirklich viel auf der Rennstrecke unterwegs und fand, dass die GT-Modelle von Porsche da einfach nicht zu toppen sind. Doch nach allem, was man so liest, scheint der Ferrari ja eine echte Nummer zu sein. Stimmt das?“

Direkter Vergleich Head to Head

Der dies fragt, ist ein Mehrfachtäter und als solcher zum wiederholten Mal beim sport auto-Perfektionstraining auf der Nürburgring Nordschleife dabei. Mit einem Porsche 911 GT3 RS 3.8 - versteht sich. Nun hätten die Angesprochenen - ihres Zeichens Chefredakteur und Ressortleiterin Test und Technik bei sport auto - einfach auf die Ergebnisse des mit beiden Autos bereits absolvierten Supertests (Ferrari 458 Italia im Supertest und Supertest Porsche 911 GT3 RS 4.0) verweisen und die Frage grundsätzlich bejahen können. Tatsächlich ist jetzt aber der persönliche Ehrgeiz geweckt: ein direkter Vergleich Head to Head auf gleichfalls höchst spannendem, aber für die Redaktion nicht alltäglichem Terrain - das wär doch was. 

Gesagt, getan. Schließlich macht eine solche Gegenüberstellung auch deshalb Sinn, weil die Italiener ihr flügelloses Sportcoupé überarbeitet haben. Feintuning bei der Abstimmung des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes und ein modifiziertes Fahrwerks-Setup sollen dem mit 570-Saugmotor-V8-PS antretenden Sportwagen aus Maranello fahrdynamisch noch mehr auf die Sprünge helfen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und vermutet, dass die in beeindruckender Manier stärker gewordene Konkurrenz und Newcomer vom Schlage eines McLaren MP4-12C daran nicht ganz unschuldig sind.

In Hockenheim rückt die Konkurrenz auf die Pelle

Schließlich spielt der Ferrari 458 Italia, der den Kleinen Kurs in Hockenheim anlässlich des Supertests 2010 binnen 1.10,5 Minuten umrundete, in den Rundenzeiten-Statistiken längst nicht mehr die erste Geige. Der dem Italiener weder stilistisch noch der Formel 1-Herkunft nach nicht unähnliche McLaren MP4-12C umrundete im Supertest den 2,6 Kilometer langen Kurs im Badischen mit 1.08,7 Minuten nämlich fast zwei Sekunden flotter. Der Porsche 911 GT3 RS 4.0 distanziert den Ferrari 458 Italia um immerhin eine Sekunde. Das tut weh und schreit nach Abhilfe. Wenngleich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben soll, dass sowohl der Porsche als auch der McLaren im Gegensatz zum Ferrari auf straßenzugelassenen Sportreifen der Spezifikation Michelin Pilot Sport Cup (GT3 RS) respektive Pirelli P Zero Corsa (MP4-12C) unterwegs waren, die für sich genommen auf dem Kleinen Kurs bereits für eine um ein bis eineinhalb Sekunden bessere Rundenzeit gut sind.

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Rundenzeitenduell auf dem Sachsenring

Aber zurück zum Sachsenring. Jener ist als quasi ideale Kombination aus dem hohen Anspruch der Berg- und Talbahn Nordschleife und den engen, topfebenen Kehren der verkürzten GP-Strecke in Hockenheim der Austragungsort des interkulturellen Sportwagen-Treffens. 3,67 Kilometer Länge, eine markante Topographie, 180-Grad-Kehren, eine schnelle Start-/Ziel-Gerade und ein Hochgeschwindigkeitsstück mit einem schnellen Rechtsknick bei Anfahrt auf die Sachsenkurve machen den Kurs im sächsischen Oberlungwitz interessant. Darüber hinaus respräsentiert der Sachsenring neutralen Boden.
 
Doch bevor die Sportcoupés sich in ihrem ureigenen Element bewegen dürfen, ist eine intensive statische Kontaktaufnahme in der Boxengasse angesagt. Schließlich sind die beiden Hecktriebler ihrer ähnlich guten sportlichen Konditionierung zum Trotz prinzipiell doch aus gänzlich unterschiedlichem Holz, Verzeihung: Stahl und Alu, geschnitzt. Während sich der Italiener bewusst und aus freien Stücken primär als kompromisslos rennstreckentauglicher GT empfehlen will, hat Porsche seine bei allen Modellen mit Ausnahme der großen Viertürer fast schon sprichwörtliche Rennstreckennähe mit dem 911 GT3 RS 4.0 gleichsam auf die Spitze getrieben.

Porsche 911 GT3 RS 4.0 ist ein Vollblut-Sportler

Schon der Blick in den Innenraum beweist, dass es hier nicht um mehr oder minder komfortables Reisen, sondern um grenzbereichsorientiertes Rasen geht. Ein Radio ist der Vollständigkeit halber zwar an Bord, erfüllt jedoch eher eine Alibi-Funktion. Zu dominant ist die Stimmgewalt des zugunsten eines bestmöglichen Leistungsgewicht konsequent entdämmten, mit Klappenauspuff versehenen Vollblut-Sportlers. Navi und Klima sucht man in diesem Umfeld vergebens. Da passen die Sitzschalen mit feststehender Rücksitzlehne ebenso trefflich ins Bild wie der rückwärtige Überrollkäfig oder die unübersehbar dem Rennsport entlehnten Aerodynamikteile. Sowohl der wuchtige Heckflügel als auch die seitlichen Flaps an der Frontschürze haben in dieser Form im Straßenbild Seltenheitswert.
 
Geschaltet wird in diesem puristischen Umfeld selbstredend manuell. Die Schaltvorgänge selbst gehen präzise, aber nicht wirklich geschmeidig von der Hand. Eine gewisse, durch die Schaltwegverkürzung bedingte Kernigkeit ist dem Sechsganggetriebe nicht abzusprechen. Auch die Kupplung übertrifft mit dem beim Treten erforderlichen Kraftaufwand das ansonsten bei Straßensportlern Übliche. Davon abgesehen birgt das Elfer-Cockpit keinerlei Überraschungen: Alles ist genau da, wo es hingehört, kein überflüssiger Schnickschnack stört die Konzentration aufs Wesentliche. Eine puristische Fahrmaschine reinsten Wassers eben.

Ferrari 458 Italia wurde nachgeschärft

Ganz anders der Ferrari 458 Italia. Hier stand bei der Cockpit-Gestaltung fraglos innovativer Feingeist Pate. Von den ergonomisch perfekten, gleichsam skelettierten Leder/Alcantara-Sitzen über die Instrumenteneinheit mit dem bei „den Roten“ traditionell gelb hinterlegten Drehzahlmesser bis hin zum alle bislang an Lenkstockhebeln hinterlegten Funktionen umfassenden Multifunktions-Lenkrad ist hier vieles neu und aufregend anders. Die Wahl des jeweils gewünschten Fahrprogrammes und damit auch der Toleranzschwelle des ESP erfolgt über das gleichfalls am Volant befindliche Manettino.
 
Dass der Ferrari 458 Italia auf Fahrerwunsch auch gänzlich ungezügelt toben darf, versteht sich in diesem zwar innovativ-eleganten, aber die wesentlichen Dinge des Sportfahrer-Daseins keineswegs aus den Augen verlierenden Umfeld ohnehin von selbst. Aber nun genug geschaut und geredet. Nun gilt es zu spüren und zu erfahren, wie und mit welch sportlicher Haltung es in diesen Straßensportwagen vorwärts geht.
 
Den Anfang macht mit dem Porsche 911 GT3 RS 4.0 der Ur-Sportler überhaupt in seiner frischesten und erfrischendsten Form. Der Schwabe brüllt, schiebt und beißt, dass es eine wahre Freude ist. Was auf dem Beifahrersitz oft nervt und bei allzu forsch vorgetragenen Autobahnüberflügen zuweilen selbst hart gesottene Co-Piloten zu vehement vorgetragenen Unmutsäußerungen verführt - die dem RS-Modell eigene, durch nichts gefilterte Unmittelbarkeit, die aus jeder Langstreckenpassage ein gefühltes 24h-Rennen macht -, bedingt auf dem Sachsenring mit seiner scheinbar endlosen Aneinanderreihung von Kurven weit nach oben gebogene, unterhalb der Wangenknochen gleichsam festgetackerte Mundwinkel.
 
Die bei der Anreise im Starkregen des vergangenen Tages noch innig verfluchten Cup-Reifen kleben erbarmungslos auf dem Asphalt, die Keramikbremse läuft zu Höchstform auf, und das Messgerät notiert eine Rundenzeit von 1.33,8 Minuten. Da wird sich der straßenbereifte Italiener wohl warm anziehen müssen - denkt der begeisterte Pilot. Doch weit gefehlt. Der mit 570 PS etwas besser im Futter stehende und auch subjektiv potenter anmutende Ferrari 458 Italia schreit seine Hochdrehzahl-Fanfare nicht minder imposant heraus, steht dank serienmäßiger Keramik-Stopper gleichfalls wie eine Eins und geht beim Einlenken ebenso präzise und direkt zu Werke. Die Gangwechsel gehen aufgrund der zu Gebote stehenden Schaltwippen am Lenkrad quasi en passant von der Hand.

Ferrari nur ganz knapp hinter Porsche

Wäre da nicht das nach wie vor zu registrierende und selbst in schnellen Ecken spürbare Untersteuern - die eingangs von unserem Porsche-Piloten gestellte Frage hätte sich uneingeschränkt bejahen lassen. So aber lässt der Italiener dem Deutschen mit einem Respektabstand von fünf Zehntelsekunden und einer Rundenzeit von 1.34,3 Minuten noch etwas Luft. Wenn wir aber dem Umstand, dass der Südeuropäer auf regulär profilierten, wenn auch speziell für und mit Ferrari entwickelten Straßenreifen unterwegs war, Rechnung tragen und die durch die schmalen Vorderreifen bedingte Untersteuerneigung als fürsorgliche Maßnahme werten, dann ist das potente Mittelmotor-Coupé dem fahrdynamisch exzellent konditionierten Heckmotor-Sportwagen in der Tat dicht auf den Fersen.

Die detaillierten Rundenzeiten mit Kurvengeschwindigkeiten, Querbeschleunigung und der Bremsverzögerung auf dem Sachsenring stehen in der Fotoshow.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

31. Dezember 2012
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