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Techart GTStreet RS „Ting & Tiger one of one“: Blaues Unikat auf 911 GT2 RS-Basis

Fünf Wochen lackieren, nähen und individualisieren: In Handarbeit verwandelte Porsche-Veredler Techart einen 911 GT2 RS zum Einzelstück GTStreet RS „Ting & Tiger one of one“. Ein exklusives Treffen mit dem blauen 720-PS-Farbklecks vor der Abreise in seine künftige Heimatstadt Shanghai.

Der US-Amerikaner Jeff Zwart prügelte seinen Porsche 911 GT2 RS beim internationalen Pikes Peak-Bergrennen 2011 in Rekordzeit zum Gipfel hoch, einige GT2 RS pfeifen bei den Touristenfahrten über die Nordschleife, während andere Exemplare mit Kilometertiefstständen in Sammlergaragen oder als Wertanlage abseits der quer- und längsdynamischen Bildfläche vegetieren. Die Ansicht, wie ein auf 500 Stück limitierter Über-Porsche 911 behandelt werden sollte, geht in die verschiedensten Richtungen.

Unikat auf Porsche 911 GT2 RS-Basis

„Wir bauen dir ein Einzelstück“, versprach Techart-Geschäftsführer Thomas Behringer. Just in dem Moment, als diese Zeilen entstehen, rollt der Einzigartige unter den einzigartigen Porsche 911 GT2 RS wahrscheinlich gerade aus dem Schlund einer Cargo-Maschine auf dem Shanghai Pudong International Airport. Aus einem GT2 RS erschuf der Porsche-Veredler aus Leonberg bei Stuttgart das Einzelstück GTStreet RS „Ting & Tiger one of one“.

Maßgeschneiderte Karosserie und Innenraum

Ortswechsel, Daimler-Testgelände Malmsheim vor den Toren Stuttgarts, drei Wochen zuvor: Der schillernde PS-Farbklecks, der dort zum exklusiven sport auto-Termin auf die Piste rollt, fällt in der ländlichen Umgebung so auf wie ein Flamingo inmitten einer Horde Landhühner. „Die komplette Karosserie und der Innenraum sind maßgeschneidert“, fast Behringer den Komplettumbau im Wert von 212.500 Euro zusammen.

Feinkostladen statt Discountsupermarkt: Wie bei einem Großserienhersteller per Konfigurator im Schnelldurchgang mal eben irgendwelche Extras ankreuzen, ist ein Tabu in der individualisierten Techart-Welt. „Entweder fliegen unsere Berater zu den Kunden oder die Interessenten besuchen uns vorab“, erzählt der Techart-Chef weiter. Diesmal ging es für einen Autoliebhaber aus der 25-Millionen-Metropole Shanghai zur Techart-Manufaktur ins 45.000-Seelen-Städtchen Leonberg nahe Stuttgart. Die Techart-Mannschaft war besonders gefordert, schließlich warten in der Garage des chinesischen Kunden bereits 30 Automobil-Highlights. Wie bei einem Sterne-Koch - wenn sich Staatsgäste zu Speis und Trank angesagt haben -, kredenzte der Porsche-Veredler ein besonders aufwendiges Highend-Tuning-Menü.

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Erst filetieren, dann neu aufbauen

25 Personen werkelten fünf Wochen lang für die Verwandlung vom Porsche 911 GT2 RS in den GTStreet RS „Ting & Tiger one of one“. Zunächst filetierte die Crew den Elfer bis auf die Rohkarosse, um anschließend dem RS ein umfangreiches Karosseriekit im Wert von 71.000 Euro zu verpassen. Danach tanzte die Spritzpistole mit einem Farbcocktail namens „skyblue“ übers Blech und Alu - matt, nicht glänzend. Für eingefleischte Porsche-Sammler, die auf einen lückenlosen Originalzustand achten, ist das wahrscheinlich so, wie wenn man einen Picasso mit einem Filzstift übermalt. Doch Geschmäcker sind verschieden.

Die Techart-Sattler nahmen anschließend 14 Tage lang im Interieur Maß. Zweifarbiges Alcantara mit hellblauen Ziernähten bekleidet hier fast alles. Lediglich Überrollkäfig, Kombiinstrument, Innenspiegel, Blinker- und Wischerwählhebel sowie ein winziger Teil der Mittelkonsole rund ums Audiosystem blieben frei von dem hochwertigen Mikrofaserstoff. „Sogar die Kohlefaser-Fronthaube haben wir innen mit Alcantara bezogen und mit Ziernähten bestickt - das ist Leidenschaft, jedem anderen wäre der Kofferraum egal“, erzählt Techart-Chef Behringer. Instrumenten-Zifferblätter in Wagenfarbe, beleuchtete Einstiegsleisten und ein individualisiertes Dreispeichen-Lenkrad sowie die Aluminium-Pedalerie runden den extrovertierten Innenausbau im Wert eines VW Golf R-Neuwagens ab.

Spannungsbogen von der Idee zum Produkt

Personalisierung hoch zehn: Was sich hinter „Ting & Tiger“ versteckt, hat der Kunde bis zuletzt wie ein Geheimnis behütet. Sieben Mal findet sich der Schriftzug im GTStreet RS one of one wieder. Kurz vor dem Abholen musste das Team die Typografie des Schriftzugs noch einmal ändern. „Es hat sich auch schon mal der Name der Freundin kurzfristig geändert und wir mussten die Bestickung schnell erneuern“, erinnert sich der Techart-Geschäftsführer und fügt lächelnd hinzu: „Für solche Zwischenfälle sollte man am besten 24 Stunden pro Tag erreichbar sein.“ Rund 60 Anrufe führte Behringer während des fünfmonatigen Umbaus mit dem Kunden des „Ting & Tiger one of one“. „Wir informieren immer wieder über den Baustand - und man muss ja auch den Spannungsbogen bis zur Übergabe aufrechterhalten“, sagt der Techart-Chef.

Stichwort Spannung: Es kribbelt in den Fingerspitzen. Selten durften wir so viel gucken und nur so wenig fahren. Endlich rein in die Alcantara-Koje. Neben der ausgefallenen Optik feilten die Techniker auch am 3,6-Liter-Boxerkraftwerk. Eine 100-PS-Schippe gab’s auf die ohnehin nicht bescheidenen 620 PS des 3,6-Liter-Aggregats noch oben drauf. Während der Pilot frischen Alcantara-Duft inhaliert, atmet der Biturbo unter Volllast kräftig zischend aus und zeigt der Ladedruckanzeige ihre Grenzen auf: Schalten, Zissssssssschhh, Schalten, Zissssssssschhh, Schalten, Zissssssssschhh, Schalten, 237 km/h, Ende des Testplatzes in Malmsheim.

Mit 720 PS in 9,5 Sekunden auf 200 km/h

Der Beschleunigungs-Appetithappen ist in Sekunden verspeist. Die Techart-Rückenmassage machen 9,5 Sekunden bis Tempo 200 durchaus glaubhaft (Serie 0 - 200 km/h: 9,8 s). Nach 14,2 Kilometern Fotofahrt und zwei Mal Hochbeschleunigen steht der Exot wieder auf dem Hänger und ist startklar für seine neue Heimat. Es sei dem 452.500 Euro teuren Einzelstück gegönnt, dass es auch nächtens in Shanghai etwas zügigeren Auslauf bekommt. Nur als PS-Denkmal zum Angucken ist ein Porsche 911 GT2 RS einfach nicht gebaut worden - egal ob getunt oder im Serienzustand.

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargplov

Datum

8. Mai 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 02/2012.
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