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Vorschau GP England 2012: Kann Red Bull in Silverstone angreifen?

Nach drei Stadtkursen steht mit Silverstone am kommenden Wochenende wieder eine permanente Rennstrecke auf dem Formel 1-Programm. In unserer Vorschau sagen wir Ihnen, wer beim Grand Prix im "Home of British Motor Racing" die besten Chancen besitzt.

Drei Rennen stehen im Juli noch auf dem Kalender, bevor sich die Formel 1 in die Sommerpause verabschiedet. Drei Rennen, die über die Formel 1-WM entscheiden können. Nach dem Stadtkurs-Triple in Monaco, Montreal und Valencia dürfen sich die Piloten nun wieder auf reinrassigen Rennstrecken in Silverstone, Hockenheim und Budapest austoben.

Bis zu den Ferien bleibt nur noch wenig Zeit zur Entwicklung der Rennwagen. Große Updates stehen erst wieder nach der Pause auf dem Programm. Wer in England schnell ist, sollte auch noch in Deutschland und Ungarn gut aussehen. Deshalb blicken alle Ingenieure gespannt auf das Gastspiel im Heimatland der Formel 1 - immerhin acht der zwölf Rennställe haben ihren Sitz in England.

Wie aussagekräftig der Silverstone-Ausflug wird, ist allerdings noch unklar. Der britische Sommer scheint sich wieder mal von seiner feuchten Seite zu zeigen. Von Freitag bis Sonntag sind durchgängig regelmäßige Schauer vorhergesagt. Das Thermometer soll kaum einmal über die 20°C-Marke klettern.

Die Strecke:

In Silverstone fand 1950 der erste Formel 1-Lauf überhaupt statt. Mit dem alten Layout hat der mehrfach umgebaute Kurs auf einem ehemaligen Militär-Flugplatz aber nicht mehr viel gemeinsam. Obwohl über die Jahre immer mehr Kurven eingefügt wurden, gehört Silverstone nach wie vor zu den schnellsten Rennstrecken des Formel 1-Kalenders. Im Rundenschnitt sind die Piloten mit 215 km/h unterwegs.

Vor allem die vielen schnellen Kurven machen Silverstone zu etwas Besonderem im Kalender. Die Kombination Copse, Maggotts und Becketts, die mit deutlich über 250 km/h absolviert wird, verlangt von den Piloten Mut und ein gut abgestimmtes Auto. Auch für die Reifen sind die hohen Kurvengeschwindigkeiten gepaart mit dem sehr rauen Asphalt eine Herausforderung. Pirelli bringt deshalb mit "soft" und "hard" eine relativ haltbare Gummi-Kombination.

Fast Facts:

Höchste Querbeschleunigung: 3,5 g
Längste Vollgaspassage: 13 Sekunden
Anteil der Bremsphasen an der Rundenzeit: 11 Prozent
Anteil der Geraden an einer Runde: 46 Prozent
Anzahl der Gangwechsel pro Runde: 46
Vollgasanteil auf einer Runde: 66,4 Prozent
Geringste Geschwindigkeit: 85 km/h (Kurve 4)
Höchste Kurvengeschwindigkeit: 300 km/h (Kurve 10)
Distanz von der Startlinie bis zur ersten Kurve: 420 Meter
Top-Speed: 308
Spritverbrauch: 2,34 Liter/Runde
Zeitverlust pro 10 Kilo Zusatzgewicht: 0,39 Sekunden
Reifenverschleiß: 3/5
Bremsbelastung: 1/5

Das Setup:

Nach den drei Stadtkursen können die Ingenieure beim Abtriebslevel wieder etwas nach unten gehen. Ganz flach werden die Flügel aber nicht gestellt. In Silverstone kommt es vor allem auf die aerodynamische Effizienz an. Die Formel lautet: möglichst viel Abtrieb bei möglichst wenig Luftwiderstand. Ein stabiles Auto bringt in den schnellen Kurven Rundenzeit. Vor allem die Vorderachse muss auf dem Asphalt kleben. Untersteuern können die Piloten beim Richtungswechsel in den Highspeed-Passagen überhaupt nicht gebrauchen.

Um die aerodynamische Stabilität zu verbessern, wählen die Ingenieure meist ein straffes und tiefes Fahrwerk. Traktion oder das Überfahren von Kerbs sind dagegen eher unwichtig. Interessant wird es beim Thema KERS: Mangels harter Bremsmanöver auf dem runden Kurs, ist es nicht einfach die Batterien immer auf den optimalen Ladezustand zu bringen. Die kühlen Temperaturen machen es für die Piloten zudem schwierig, die Bremsen auf Temperatur zu halten.

Die Updates für den GP England:

Wie bereits erwähnt, wird für Silverstone die letzte große Technikoffensive vor der Sommerpause erwartet. McLaren, Force India, Sauber, Williams, Caterham und Marussia haben Ausbaustufen angekündigt. Ferrari bringt die Teile ans Auto, die am Freitag in Valencia getestet wurden. Also den neuen Frontflügel und die Änderungen am Auspuff. Lotus setzt die Politik der kleinen Schritte fort. Es könnte also im dicht gestaffelten Feld durchaus zu Verschiebungen kommen. Red Bull hat sein großes Paket bereits in Valencia ausgepackt.

Die Favoriten:

Vom Papier her heißen die Favoriten McLaren und Ferrari. Beide Autos haben ihre Stärken in schnellen Kurven. Ferrari sollte vor allem im Regen stark aussehen. Die große Frage lautet allerdings, wie gut der Red Bull in Silverstone zurechtkommt. "Das war sehr beeindruckend, was Sebastian Vettel in Valencia gezeigt hat", zeigte sich Mercedes-Teamchef Ross Brawn besorgt. "Alle Teams werden genau schauen, was sie in Silverstone machen."

Dem Silberpfeil schmecken schnelle Kurven eigentlich nicht. Dass in Silverstone die Vorderreifen mehr beansprucht werden kommt dem Auto allerdings entgegen. Auch die tieferen Temperaturen sprechen für Mercedes. Bei Lotus sieht das etwas anders aus. Der schwarz-goldene Renner zeigte seine beste Pace und seine Qualitäten in puncto Reifenschonen vor allem bei Hitzerennen. Die Rolle der starken Außenseiter spielen wieder Williams und Sauber. Hier kommt es vor allem darauf an, dass die Updates einschlagen.

Expertenmeinung: Giampaolo Dall’Ara (Leitender Renningenieur Sauber)

"Die Strecke in Silverstone unterscheidet sich deutlich von den beiden, auf denen wir zuletzt fuhren. Sie verfügt über anspruchsvolle Hochgeschwindigkeitskurven und erfordert eine Abstimmung, die optimalen Abtrieb sowie schnelle Richtungswechsel erlaubt. Silverstone hat den Charme älterer Strecken. Der Belag ist nicht perfekt, es gibt einige Bodenwellen. Der Kurs verlangt den Piloten einiges ab. Die Geraden sind nicht allzu lang, entsprechend kann man hohen Abtrieb fahren.

Die DRS-Zone ist wieder in jenem Streckenteil, der vor zwei Jahren neu gebaut wurde. Er ist nicht lang, zu überholen ist nicht einfach. Wir werden die weichen und die harten Reifen zur Verfügung haben, die eigentlich gut zu dieser Strecke passen müssten. Auch das Aufwärmen sollte kein Problem sein. Ein wichtiger Faktor in Silverstone ist natürlich immer das Wetter. Diesen Aspekt berücksichtigen wir bereits bei der Vorbereitung des Rennwochenendes."

So lief das Rennen im Vorjahr (GP England 2011):

2011 sah es zunächst ganz nach dem siebten Vettel-Sieg im neunten Rennen aus. Doch ein verpatzter zweiter Boxenstopp vermasselte dem späteren Weltmeister die Tour. Fernando Alonso ließ sich nicht lange bitten und fuhr mit 16 Sekunden Vorsprung zum Sieg. Es sollte allerdings der einzige Ferrari-Erfolg bleiben. Nach dem Rennen gab es etwas Stress bei Red Bull. Mark Webber wurde in den Schlussrunden per Funk angehalten, einen Angriff auf seinen Teamkollegen zu unterlassen. Doch der Australier hielt sich nicht daran.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Silverstone-Bilder aus dem Vorjahr.

Tobias Grüner
Von am 4. Juli 2012
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