BMW 550i im Kurztest

Wie sportlich ist der Dicke aus Bayern?

BMW 550i, Frontansicht, Stra§e

Mit 407 PS zählt der BMW 550i mit V8-Biturbo zu den stattlich motorisierten Limousinen der oberen Mittelklasse, wiegt aber über zwei Tonnen. Kommt der sportliche Aspekt bei dem Schwergewicht zu kurz?

2001, 2009, 2020. Was sich wie ein nicht ganz chronologischer Blick in die nähere Vergangenheit und Zukunft liest, beschreibt tatsächlich die Fahrzeuggewichte der zwischen Mai 2010 und März 2011 in die Redaktion gerollten BMW 550i. Womit ein für alle Mal geklärt wäre, dass in Bayern unter zwei Tonnen Gewicht in der mit acht Zylindern und zwei Turboladern antretenden gehobenen Mittelklasse nichts mehr geht. Aufmerksame Leser könnte die genannte Zahlenfolge jedoch noch aus anderem Grund irritieren

BMW-Testergebnisse waren wenig spektakulär

Der Fünfer BMW bei sport auto? War da was? Die Antwort heißt nein. Es war nichts. Oder besser: nicht offiziell. Zwar haben sowohl die 535i als auch die erste 550i Limousine sehr wohl das komplette Messprozedere durchlaufen. Weil die Ergebnisse jedoch nicht so beeindruckend waren, dass dringend darüber gesprochen oder gar geschrieben werden musste, haben wir sie zum überwiegenden Teil schlicht für uns behalten.

Einzig im Test des Alpina B5 Biturbo (siehe Ausgabe 3/2011) wird einer der von der BMW-Werks-Basis erzielten Werte im Nebensatz als Referenz genannt. Dass wir nun doch darüber reden, hat ursächlich mit dem 650i Cabriolet zu tun. Wie - so die mehr als legitime Frage - kann es sein, dass das identisch motorisierte, größere und schwerere Auto auf einmal so viel schneller war? Vier Sekunden. Auf 2,6 Kilometer gerechnet ist das eine Welt.

Die Reifen machen den Rundenzeit-Unterschied

Hat das Messgerät gesponnen oder wir? Und wie waren die ersten BMW 550i im Vergleich zum Sechser Cabrio konfiguriert? Vielleicht ließen sich die widersprüchlichen Testergebnisse ja auf diesem Weg erklären.Und tatsächlich: Bei näherer Betrachtung der beiden zuvor bei sport auto befindlichen 407-PS-Limousinen fiel auf, dass sie im Gegensatz zum 650i nicht mischbereift, sondern mit 245/45 R 18 rundum messenden Pneus an den Start gegangen waren.

BMW 550i versprüht wenig sportliches Flair

Also musste zum Knacken der bislang düster im Raum stehenden 550i-Rundenzeit von 1.19,6 Minuten eine ebenso konfigurierte Limousine her. Wäre doch gelacht, wenn das nicht schneller ginge. In der Tat ist bei der Testcrew bereits wenige Tage später Aufatmen angesagt: Na also - geht doch. Okay, bei der im BMW 650i Cabrio herausgefahrenen Zeit von 1.15,6 Minuten muss irgendwer gezaubert haben. Ganz so schnell pfeilt die nunmehr nahezu identisch konfigurierte und mit 2020 Kilogramm immerhin exakt 86 Kilo leichtere BMW 550i Limousine nicht um den Kleinen Kurs. Aber mit ihrer bei frühlingshaften 20 Grad Lufttemperatur erzielten Rundenzeit von 1.17,7 Minuten kann die edel gewandete Bayerin nun wenigstens ansatzweise sportliches Flair versprühen.

Cabriolet erstmals mit Integral-Aktivlenkung

Auch die Reifenspezifikation an sich war eine andere. Die ersten Fünfer trugen Dunlop Sport Maxx GT, der Sechser Michelin Primacy HP im ungleich üppigeren Format 245/40 R 19 vorn und 275/35 R 19 hinten. Ebenso war die brandneue Integral-Aktivlenkung nebst leicht mitlenkender Hinterachse beim Cabriolet erstmals mit an Bord.

So gerüstet ist der viertürige Hecktriebler mit dem vorbildlich am Gas hängenden Biturbo-Triebwerk weit stärker der Neutralität verpflichtet. Ein gewisses Schieben über die Vorderräder ist aufgrund der stattlichen Masse zwar immer noch zu verzeichnen, wer mag und will kann jedoch auch jederzeit den lustvollen Ausfallschritt mit dem Heck zelebrieren. Genug Leistung hat er ja, der Dicke. Stimme und jeden erdenklichen Komfort selbstredend auch. Im Falle des edel ausgestatteten Testwagens von BMW sogar zusätzliche in die Rückenlehnen der Vordersitze integrierte Multifunktionsdisplays.

Komfortable Limousine für lange Fahrten

Womit denn auch der hauptsächliche Einsatzzweck des 550i hinlänglich beschrieben wäre. Für lange Reiseetappen ist die Münchener Limousine nämlich perfekt geeignet.Ob Ansprechverhalten des V8-Turbomotors, die Geräuschentwicklung im Innenraum, Sitz- und Abrollkomfort, Bedienung, Ergonomie und verbaute Materialien: Wer sich den Luxus gönnt, auf den mit 70.800 Euro angegebenen Einstiegspreis noch einmal rund 30.000 Euro draufzupacken, wird bei BMW wahrlich fürstlich bedient - eine weitere Verschlechterung in der Gewichtsbilanz inklusive. Sei’s drum.

Diejenigen, die mit ihrem BMW 550i regelmäßig Sport treiben wollen, dürften ohnehin an den Fingern einer Hand abzuzählen sein. Interessant wird vielmehr sein, welche Kniffe die Kollegen der M GmbH bemühen wollen, um den M5 ohne Speckpolster antreten zu lassen. Schließlich lässt sich Übergewicht mit Leistung allein nur in Maßen kaschieren.

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