Audi R8 GT Spyder im Fahrbericht: Das V10-Open-Air-Konzert

Audi R8 GT Spyder, Frontansicht

Der Audi R8 GT Spyder entfacht Sturm selbst bei Windstille. Mit 560 PS rauscht der Mittelmotor-Zweisitzer bis auf 317 km/h. Es gibt nur einen Haken an der Geschichte - die auf 333 Exemplare limitierte Version ist wie das Coupé bereits ausverkauft. Rückblick auf ein V10-Open-Air-Konzert.

Ein Cabrio mit offenem Verdeck in einem Tunnel ist so wie ein Open-Air-Rockfestival in einer Halle. Erst eine Zugabe, dann eine zweite und eine dritte, die Menge tobt. Halt, stopp, Ruhe - hören wir da etwa ein ganz leichtes Rieseln? Hat der V10-Frontmann mit seiner jähzornigen, bis 8.500 Touren schreienden Stimme etwa den Putz von den Wänden gekitzelt? Besser schnell weg, bevor die Ordnungsmacht das nicht angemeldete Konzert unterbricht. So Gänsehaut-verdächtig wie im Audi R8 GT Spyder ist die Hörprobe im längsten Stuttgarter Tunnel selten ausgefallen.

Audi R8 GT Spyder ist ausverkauft

Sie wollen bei dem Konzert auch einmal dabei sein? Zu spät, die 333 Karten für den Exklusiv-Gig sind ausverkauft. Nachdem das ebenfalls auf 333 Exemplare limitierte Audi R8 GT-Coupé so schnell ausverkauft war wie eine Tour der Rolling Stones in den 70er Jahren, ist auch der Spyder nur noch vereinzelt in Händler-Showräumen zu finden.

Ein unscheinbarer Schalter krempelt innerhalb von 19 Sekunden das elektrohydraulisch betätigte Stoffverdeck bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h auf. Stadttempo ist eigentlich nichts für den kernigen Burschen - dort kann er zwar flanieren, dafür wurde er aber nicht gebaut. Mit Laptimer, Schalensitzen und Sportlenkrad will der Audi R8 GT Spyder dem Fahrer am liebsten auf der Rennstrecke eine neue Frisur verpassen.
 
Ob mit oder ohne Windschott, die Zeichen im Cockpit stehen bei steigendem Tempo mit Windgeräuschen und Verwirbelungen schnell auf Sturm - ein laues Lüftchen, wohlmöglich dank Wellness-Paket mit Nackenfön und Sitzheizung, ist nicht sein Ding.

V10-Cabrio mit 560 PS erreicht 317 km/h

Wie das Coupé schöpft auch der Audi R8 GT Spyder seine 560 PS aus dem 90-Grad-V10 mit 5,2 Liter Hubraum. Das kleinste Zucken im rechten Fuß, und der Allrad-Sauger fällt mit direkter Gasannahme über alle vier Räder her. In 3,8 Sekunden sollen aus dem Stand Tempo 100 drin sein (Audi R8 GT-Coupé im Supertest: 0 - 100 km/h: 3,9 s). Windstärke 12 erreicht der Orkan im Cockpit bei einem Topspeed von 317 km/h (GT: 320 km/h). Zehntel hin oder her - subjektiv legt auch der Audi R8 GT Spyder mit massiver Traktion los, als wolle er den Asphalt von der Straße kratzen.

Offenes GT-Modell hat abgespeckt

Damit der GT wie sein geschlossener Bruder auch querdynamisch mehr auf die Reihe bringt als die nicht limitierten V8- und V10-Varianten ohne die Begehrlichkeit schürende Nummerierung auf dem Gangwählhebel aus CFK und Aluminium, haben sie auch den Audi R8 GT Spyder im Leichtbau-Zentrum in Neckarsulm einer Diät unterzogen. Im Vergleich zum normalen V10 Spyder (1.758 kg im sport auto-Test Audi R8 Spyder 5.2 FSI) soll die Waage rund 85 Kilogramm weniger anzeigen.
 
Unterschiedliche CFK-Karosserieteile wie der Heckflügel reduzieren das Gewicht im Audi R8 GT Spyder um 5,5 Kilo. Weitere Pfunde sparen unter anderem weniger Dämmmaterial im Motorraum (minus 11,2 kg), ein leichterer Bodenteppich im Interieur (minus 7,9 kg) sowie besonders die um 31,5 Kilo leichteren Schalensitze mit einer GFK-Sitzwanne. Optional gibt‘s CFK-Schalen.

Audi R8 GT ist auf Sport getrimmt

Auch der offenen Allradler trägt ein Sportfahrwerk, das den Fahrzeugschwerpunkt um 10 Millimeter senkt und laut Audi eine „rundstreckenoptimierte Abstimmung“ mit auf den Weg bekommen hat. So erinnert das Fahrverhalten des Frischluft-Audianers an das Audi R8 GT-Coupé. Neutrales Eigenlenkverhalten, eine Lenkung mit direkter Rückmeldung und gute Traktion dank mechanischem Sperrdifferenzial und Pirelli P Zero Corsa-Cupreifen zeichnen auch den GT Spyder aus.
 
Gewiss: Mit einer hecklastigen Kraftverteilung von 15:85 Prozent im normalen Fahrbetrieb, die bei zu viel Schlupf an der Hinterachse maximal weitere 15 Prozent an die vordere Antriebsachse leitet, lässt sich der Mittelmotor-Roadster unbewusst von wenig sensiblen Vollgastretern oder bewusst von Freunden des Drifts in die Quere leiten.
 
Trotz einer Gage von 207.800 Euro produziert der V10-Sänger auch schiefe Töne - nicht hör-, aber spürbar. Das in beiden Audi R8 GT-Varianten installierte automatisierte Sechsganggetriebe R tronic nervt mit seinen unharmonischen langen Schaltzeiten auch im Spyder. Erst ab Ende 2012 dürften die Köpfe der Passgiere dann nicht mehr bei Gangwechseln, sondern nur noch im V10-Beat mitwippen - dann startet nämlich die neue Audi R8-Generation, und zwar mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

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