Alles über Bentley Continental
Bentley Continental Supersports, Ferrari FF, Heck, Rückansicht 38 Bilder Zoom

Bentley Continental und Ferrari FF: Der Kampf der Luxusgiganten

Theoretisch sind sowohl der neue Ferrari FF als auch der Bentley Continental Supersports, der in der stärksten Ausbaustufe noch das alte Karosseriekleid trägt, durchaus familien- und dank Allradantrieb auch rundum alltagstauglich. Praktisch dürften die stattlichen Einstiegspreise jedoch einem solchen Einsatzzweck entgegenstehen.

Als Ferrari Anfang des Jahres am Kronplatz in Südtirol den FF präsentierte, beschritt der Sportwagenbauer gänzlich neue Wege. Hinterradgetriebene Supersportler mit hoch drehenden V8-Motoren oder laut schreiende Formel 1-Boliden - das kennt man von den Italienern. Aber ein allradgetriebener GT mit großem, sehr variablen Kofferraum und Platz für Vier? Als der Marketing-Chef bei der Präsentation von ausreichend Platz für Golfbags sprach, schien die Welt für einen Moment still zu stehen. Mainstream aus Maranello? Selbstredend nicht.

Luca di Montezemolo, seines Zeichens dienstältester Lenker der internationalen Automobilindustrie, wischt derlei Ansinnen kopfschüttelnd vom Tisch. Vergleichbar würde Ferrari sich mit dem FF auf keinen Fall machen. Den Porsche Panamera Turbo oder den Mercedes CLS 63 AMG lässt der charismatische Ferrari- Präsident als Konkurrenz nicht gelten. Schon weil jenen der Zwölfzylindermotor fehlt. Im Luxus-Segment - so Montezemolo selbstbewusst - gäbe es nur ein Auto, das eine veritable Alternative zum Ferrari FF darstelle: den Bentley Continental Supersports.

Alle anderen könnten in Sachen Luxus und Leistung schlicht nicht mithalten, seien sicher tolle Autos, aber eben doch eher ein Fall für Jedermann. Nun ja - diese Ansicht kann man teilen oder nicht, insbesondere, was die Definition des Begriffes "Jedermann" angeht. Richtig ist: So edel, prestigeträchtig und letztlich auch teuer wie der Bentley Continental Supersports (ab 230.027 Euro) und der Ferrari FF (ab 258.200 Euro) sind viersitzige Gran Turismos in der Tat höchst selten.

Emotionen statt Leistung?

Selbst das in der S-Version mit der Kraft von 550 Pferden antretende Porsche-Flaggschiff mit Achtzylinder-Turbomotor, das den beiden Zwölfzylinder-Luxuslinern von der Papierform her kein Stück unterlegen ist, geht angesichts dieser Kostenkalkulation mit einem Grundpreis von gerade einmal 167 291 Euro fast schon als Schnäppchen durch. Es kommt eben immer auf den Blickwinkel an. Doch wie dem auch sei: Wir haben die Aussage des Ferrari-Lenkers einfach mal als Steilvorlage betrachtet und mit Ferrari FF und Bentley Continental Supersports eine Ausfahrt auf die Schwäbische Alb unternommen. Was nach purer Sinnesfreude aussieht, dient tatsächlich einem hehren Zweck.

Jener heißt: Sich ungeachtet des bei sport auto ansonsten üblichen Abgleichs von Messwerten und Rundenzeiten, Zahlen und Fakten, einmal ganz in Ruhe und von der sinnlich-emotionalen Seite her dem wahren Ich zweier in den Grundfesten nicht unähnlichen, vom Charakter her jedoch gänzlich verschiedenen Typen anzunähern. Wobei der Begriff "Ruhe" in diesem Zusammenhang durchaus differenziert zu betrachten ist. Denn Ruhe herrscht in Gesellschaft dieser beiden Vollblut-GTs allenfalls im Stand.

Sowie die Kurbelwellen der voluminösen V12-Triebwerke zu rotieren beginnen, rückt der Fokus nämlich nur allzu schnell auf die bei Ferrari FF und Bentley Continental Supersports vorn befindlichen Herzstücke des edlen, schnellen Gesamtpakets. Üben wir also Enthaltsamkeit (so lange diese noch möglich ist) und rühren die nachhaltig lockenden Startknöpfe vorerst nicht an. Das erlaubt eine bewusst behutsame Annäherung an den hier wie da im Übermaß gebotenen Luxus.

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630 Bentley-PS gegen 660 Ferrari-PS

Wer in den überraschend straff, fast minimalistisch gepolsterten, dafür aber exzellent konturierten Sportsitzen des 630 PS starken Bentley Continental Supersports Platz nimmt, mag kaum glauben, dass er es hier mit dem kleinsten Modell des inzwischen zum Volkswagen-Konzern gehörenden Traditionsherstellers zu tun hat. Große, steil aufragende Kohlefaserflächen am Armaturenbrett, ein kräftiger Mitteltunnel nebst mit Leder bezogener Armlehne, chromumrandete Rundinstrumente und das perfekt zur Hand liegende Volant - so sieht in England also Understatement aus.

Auch äußerlich pflegt der kräftig gezeichnete Brite mit den markant gewölbten hinteren Kotflügeln und den gegen Aufpreis 20 Zoll großen Rädern einen stattlichen Auftritt. Dabei ist der Bentley Continental Supersports mit 4,80 Meter Länge exakt zehn Zentimeter kürzer als der des von der Silhouette her an das BMW Z3 Coupé erinnernden Ferrari FF. In den übrigen Dimensionen (Breite und Höhe) nehmen sich die beiden Kontrahenten nichts.

Die extremere Formensprache des Italieners - lange Schnauze, dynamisch nach hinten gezogene LED-Scheinwerfer, Hatchback-Heck mit großer Klappe - outet den Ferrari FF jedoch zweifelsfrei als Vertreter der designerischen Avantgarde. Polarisieren tut der 660 PS starke Viersitzer allemal. Die einen haben mit dem riesigen Kühlermaul im Zahnspangenlook, die anderen mit der voluminösen Heckpartie ihre Probleme. Wir sagen: Gerade das zeichnet die jüngste Ferrari-Kreation aus.

Eleganter Auftritt, kräftiger Motorensound

Das - und der überaus fein gemachte und in jeder Hinsicht zukunftsweisende Innenraum. Vom ohne zusätzliche Lenkstockhebel auskommenden All-in-One-Lenkrad (Blinker und Scheibenwischer werden am Volant direkt bedient) mit integriertem Start-Knopf über die sich filigran aufschwingende, gleichsam schwebende Mittelkonsolen-Einheit bis hin zum überaus variablen Kofferraum mit Durchladevorrichtung ist alles geboten, was das Autofahrer-Herz höher schlagen lässt.

Und wenn der rote Startknopf erst einmal gedrückt ist und der 6,2-Liter-V12-Saugmotor zum Leben erwacht, kennt die Verzückung ohnehin keine Grenzen mehr. Was für eine Stimme! Schon im Stand und unter Last erst recht. Jeher höher die Drehzahl, desto mehr gemahnt der Ferrari FF an die reinrassigen Sportskanonen des Herstellers. Dagegen ist der auf zwei Turbolader und sechs Liter Hubraum vertrauende Bentley Continental Supersports ein veritabler Leisetreter.

FF für Hobby-Racer, Continental für elegantes Gleiten

Auch fahrdynamisch unterscheidet den Briten und den Italiener so einiges. Wo der Ferrari FF mit südländischem Temperament um die Ecken tanzt, zieht der Bentley Continental Supersports stoisch gelassen seiner Bahn. Im direkten Vergleich ist der Massenunterschied von gut 2,3 zu knapp 1,9 Tonnen unschwer zu verspüren. Wer königlich gleiten und nur bei Bedarf auch einmal rasen will, der ist bei Bentley an der richtigen Adresse. Wer Kind, Kegel und Golfbags zum Trotz weder Luxus noch ungezügelte italienische Lebensfreude vermissen will, dem sei der Ferrari FF ans Herz gelegt.

Der Newcomer ist etwas weniger stattlich und akustisch nicht ganz so dezent wie das englische Flaggschiff des VW-Konzerns, weiß sich dank seines hoch modernen Allradantriebs aber gleichfalls unter allen Umständen zu benehmen - mag das gebleckte Kühlermaul auch anderes suggerieren.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

16. März 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 08/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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