Ferrari 458 Spider im Fahrbericht: Eine musikalische V8-Offenbarung

Ferrari 458 Italia Spider, Seite

Mit einem aus Aluminium gefertigten, auf Knopfdruck versenkbaren Hardtop ausgestattet, entpuppt sich der neue Ferrari 458 Spider nicht nur hinsichtlich der Karosseriesteifheit als feste Größe. Auch die Töne, die er macht, sind zum Niederknien.

Es mutet fast so an, als wolle Ferrari in Zei­ten zunehmend straßentauglicher Elektro-Renner,als profiliertester Verteidiger traditioneller Sportwagen-Werte noch einmal mit Macht aufspielen. Und dies nicht nur in modellpolitischer Hinsicht, sondern vor allem auch in Sachen Akustik.

Eine musikalische Offenbarung im V8-Takt

Es ist kein entspannendes, liebliches Nach­mittags-Ständchen, welches der neue Ferrari 458 Spider auf Basis 458 Italia im offenen Zustand zum Besten gibt. Auch kein stampfendes Rockkon­zert. Es ist eine modern inszenierte, musikalische Offenbarung im allen alternativen An­triebskonzepten zum Trotz immer noch höchst angesagten V8-Takt. Die Akustik dieses tem­porär offenen Ferrari ist von so unverwechsel­barer, heiserer Färbung, dass die Komposition später womöglich als diejenige Einzug ins mu­seale Register finden wird, die als die ergrei­fendste aller je gebauten Verbrennungsma­schinen Berühmtheit erlangt hat.

"Wir haben uns tatsächlich viel Mühe gegeben, um dem Spider eine klanglich angemessene Aura mit­zugeben", so Ferrari-Chefentwickler Roberto Fideli. Die Darstellung der nach ewiger Wie­derholung schreienden, in den Ohren weniger emotional veranlagter Zeitgenossen geradezu anzüglich klingenden Ansauggeräusche war beim Ferrari 458 Spider insofern ein aufwändiges Unter­fangen, als die Öffnungen des komplizierten Ansaugsystems nun ans hintere Ende des Mo­torraums verlegt werden mussten.

Dort, wo der baugleiche Achtzylinder des Coupés 458 Italia seine Ansaugluft bezieht, nämlich durch die Schächte direkt hinter den Seitenscheiben, ist nun, durch die markanten Finnen mit den darunter stehenden Überroll­bügeln formschön verpackt, Platz für das von Webasto zugelieferte Faltdach geschaffen worden. 

Ferrari 458 Spider bietet traumhafte Bedingungen für die offene Fahrt

Wie sich die zweiteilige Aluminium-Kons­truktion zwischen Cockpit-Wand und Motor­raum zusammenfaltet, ist ein ansehnliches Beispiel konstruktiver Kreativität. Nur 14 Se­kunden dauert der auf Knopfdruck ausgelöste Öffnungsvorgang, der im Ergebnis traumhafte Bedingungen für die offene Fahrt bei halb hochgefahrener Heckscheibe schafft. Das Cockpit des mit einem zusätzlichem Stauraum hinter den Sitzen aufwartenden Ferrari 458 Spider darf so zur weitgehend Turbulenz-freien Zone erklärt werden. 

Während bei geschlossener Dachhaut nicht die geringsten Anzeichen einer Karosserie-schwäche spürbar werden, machen sich im offenen Aggregatzustand zumindest auf schlechter Wegstrecke feine Vibrationen be­merkbar. Die gegenüber des herkömmlichen Stoffverdecks technisch aufwändigere, dafür aber hinsichtlich des Fahrkomforts und der Wetterfestigkeit deutlich elegantere Dachkonstruktion aus Aluminiumpaneelen bleibt auch gewichtsmäßig nicht unbemerkt. Ferrari selbst spricht von rund 50 Kilo Mehrgewicht, womit der Ferrari 458 Spider in der Summe knapp 1.600 Kilo auf die Waage bringen dürfte. Das Gewicht des 458 Italia wurde im Supertest mit vollgetankt 1.540 Kilogramm notiert. 

Mehr Emotionalität als im Coupé

Um das Temperament braucht man sich dennoch keine Sorgen zu machen. Der 4,5 Liter große V8 des Ferrari 458 Spider leistet nach wie vor 570 PS bei sensationellen 9.000/min. Das Leis­tungsgewicht liegt mit nominell 2,8 Kilo­gramm pro PS nur geringfügig über dem des Coupés (2,7 kg/PS), was der Hoffnung Nahrung gibt, zumindest in puncto Längs­dynamik keine Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Die Beschleunigung auf Tempo 100 wird denn auch mit 3,4 Sekunden, die Vmax mit mindestens 320 km/h angegeben.

Querdynamisch dürfte der Ferrari 458 Spider, auch wenn er es auf öffentlichen Straßen niemals verraten würde, indes leicht das Nachsehen haben - ein Umstand, der angesichts des serienmäßigen Zugewinns an emotionaler Strahlkraft sicher leicht zu verschmerzen ist. Italia-Kenner werden sich fragen, wie das möglich sein soll: Noch mehr Emotio­nalität als im Coupé? - Schier ein Ding der Unmöglichkeit.

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Horst  von Saurma

Autor:

SPORT AUTO, Heft 11 / 2011

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