Lamborghini Aventador LP 700-4 im Fahrbericht: Kampfstier sucht würdigen Torero

Lamborghini Aventador LP 700-4, Frontansicht, Rennstrecke

Der Lamborghini Aventador mit Allradantrieb und 700 PS starkem V12-Motor reiht sich nahtlos in eine illustre Ahnenriege ein. Flach, breit, stark und unverwechselbar in der Formensprache: Der italienische Sportwagenbauer Lamborghini weiß, was er seinen Kunden schuldig ist.

Miura, Countach, Diablo, Murciélago - die Namen der bei Lamborghini über die Jahrzehnte gebauten Sportwagen mit V12-Motor sind so legendär wie der Mut der namensgebenden Kampfstiere. Kraft und Stärke im Übermaß - hier mit vier Beinen und mächtigem Gehörn, dort auf vier Rädern und mit der längst Kult gewordenen charakteristischen Keilform. Eine Ahnenriege, die verpflichtet.

30 Pferde mehr als der Murciélago

Deswegen nun im Lamborghini Aventador also 700 PS aus wie gehabt 6,5 auf zwölf Zylinder verteilten Litern Hubraum. Zwar fühlt sich der inzwischen zum Volkswagen-Konzern gehörende Hersteller aus St. Agata Bolognese primär und glaubhaft dem Leichtbau verpflichtet, aber schwächer als der seinerseits bereits mit der Kraft von 670 Pferden antretende Lamborghini Murciélago Superveloce sollte der Newcomer selbstredend nicht sein. "Ein bisserl was geht alleweil" - auch in Italien.

Den Lamborghini Aventador getauften Mittelmotorsportler mit dem optional unter Glas angerichteten, neu kreierten Zwölfzylinder-Menü vor der Hinterachse auf die gestiegene Motorleistung und den mit bis zu 690 Newtonmeter noch etwas stattlicher gewordenen Drehmoment-Berg reduzieren zu wollen, wäre dennoch vermessen.

Sichere Fahrgastzelle aus einem Stück

Wartet die gerade einmal 1,14 Meter hohe Sportwagen-Flunder doch auch jenseits des Motorenkompartments mit einem gänzlich neuen Technologiepaket auf. In Anlehnung an die denkbar leichten und dennoch überaus verwindungssteifen und sicheren Formel 1-Boliden haben die italienischen Ingenieure dem Topmodell der Marke nämlich ein aus Kohlefaser-Verbundstoff gefertigtes Voll-Monocoque mit auf den eiligen Weg gegeben.

Die Passagierzelle des Lamborghini Aventador nebst Wanne und Dach besteht aus einem einzigen Bauteil, gewährt den Insassen ein Höchstmaß an passiver Sicherheit und bringt zugleich gerade einmal 147,5 Kilogramm auf die Waage.

Super-Leichtbau für 350 km/h Höchstgeschwindigkeit

Zuzüglich des vorderen und hinteren Anbaurahmens aus Aluminium notiert die Rohkarosse mit beispielhaft schlanken 229,5 Kilogramm. Der im Lamborghini Aventador hinter den tief in der Karbonstruktur montierten Schalensitzen befindliche, gewohnt ausdrucksstarke Zwölfzylinder-Treibsatz baut mit 235 Kilogramm kaum minder leicht.

Das kann sich sehen lassen und soll alles in allem 90 Kilogramm Gewichtseinsparung gegenüber dem Vorgängermodell bedingen. Zwar beziffern die Italiener wie gehabt lediglich das Trockengewicht des neuen Sterns am Sportwagenhimmel. Angesichts der für den Lamborghini Aventador genannten 1.575 Kilogramm gehen 1.670 Kilo Lebendgewicht inklusive aller Füllstoffe jedoch als legitime Schätzung durch.

Neueste Technik in der Automatik

Nicht schlecht für einen innen ausgesprochen fein gemachten und im Vergleich zu den sportlichen Konzernmodellen erfreulich eigenständig geratenen 4,78-Meter-Sportler Lamborghini Aventador LP 700-4 mit automatisiertem Siebenganggetriebe und Allradantrieb.

Letztgenannter wartet im Lamborghini Aventador LP 700-4 mit einer elektronisch gesteuerten Haldexkupplung der neuesten Generation auf und gibt abhängig vom gewählten Fahrprogramm und den aktuellen Gegebenheiten zwischen 20 und 60 Prozent des Antriebsmoments an die 19 Zoll großen Vorderräder ab.

Drei verschiedene Programme sorgen für Fahrspaß

Auf der hochgezogenen, die Insassen gleichsam einrahmenden Mittelkonsole lassen sich auf Knopfdruck die Modi Strada, Sport und Corsa anwählen. Lediglich in dem zuletzt genannten, für Rennstreckeneinsätze gedachten Fahrprogramm lässt sich der elektronische Rettungsanker namens ESP komplett deaktivieren.

Gleichzeitig gehen in dieser Einstellung stets mindestens 30 Prozent des Antriebsmoments an die Vorderachse. Das garantiert ein Höchstmaß an Neutralität. Dass das automatisierte Schaltgetriebe im Corsa-Modus die Gänge hält, gefällt - die Brutalität der im sportlichsten der drei Fahrprogramme denkbar kompromisslos vorgetragenen Schaltvorgänge eher nicht.

Aventador geht beim Schalten ruppig vor

Gegen die Vehemenz, mit welcher der Lamborghini Aventador die Fahrstufen reinhämmert, muten die Umgangsformen des ehedem als ungehobelt gerügten SMG im BMW M3 CSL fast schon zivil an. Zwar harmoniert das taffe Schaltgebaren trefflich mit der markerschütternden V12-Fanfare, die dem riesigen Auspuffschlund entweicht und allemal dazu angetan ist, jedes Nackenhärchen einzeln stramm stehen zu lassen.

Weil sich die Schaltgeschwindigkeit nicht gesondert anwählen lässt, bleibt der Eindruck insgesamt jedoch zwiespältig: Wer ohne elektronische Fesseln und automatisches Hochschalten seiner Bahn ziehen will, muss - ob er mag oder nicht - mit den harschen Gangwechseln leben. Frei nach dem Motto: Friss oder stirb. Den Rest des knackfrischen Lambo-Menüs nimmt der ambitionierte GT-Pilot indes mit Genuss und höchst freiwillig zu sich.

Tempo 100 in weniger als 3 Sekunden

Besser als in den exzellent konturierten Schalensitzen hinter der weit herausziehbaren Lenksäule kann man nicht sitzen, und mehr Temperament als bei dem laut Werk binnen 2,9 Sekunden von null auf 100 spritzenden und bis zu 350 km/h schnellen Lamborghini Aventador ist in der etablierten Sportwagenszene auch nirgends geboten.

Angesichts der Papierform und der höchst beeindruckenden subjektiven Fahreindrücke in Vallelunga können wir den Ritt auf der Nordschleife schon jetzt kaum erwarten.

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