Porsche Panamera GTS im Fahrbericht

Mit dem Gran Turismo auf dem Hockenheimring

Porsche Panamera GTS, Frontansicht

Mit Platz für Vier und ordentlich Gepäck könnte der Porsche Panamera GTS zum gediegenen Reisen taugen. Die erste Rennstreckenausfahrt auf dem Hockenheimring legt jedoch darüber hinausgehende Einsatzzwecke nahe.

Alle Neune - was beim Kegeln für Jubelstürme im Team und das von lautstarkem Klingeln untermalte wiederholte Blinken der oberhalb der Bahn befindlichen Anzeigeneinheit gut ist, sorgt ab sofort auch bei Porsche für beste Stimmung. Hat doch die weltweit überaus erfolgreiche Panamera-Familie mit dem 430 PS starken, serienmäßig allradgetriebenen GTS nochmals Zuwachs bekommen.

Neun Porsche Panamera-Varianten erhältlich

Der Einstieg in die Welt der Gran Turismos mit dem springenden Pferd im Wappen gelingt ab 76.673 Euro. Zu diesem Preis gibt es den Basisbenziner mit manuellem Sechsganggetriebe, Hinterradantrieb und 300-PS-V6. Der stets an eine Achtgang-Automatik gekoppelte, 250 PS starke Sechszylinder-Diesel kommt mit 80.183 Euro minimal teurer. Das obere Ende der Preis- und Leistungsskala markiert der 550 PS starke Porsche Panamera Turbo S. Für mindestens 167.291 Euro sind Siebengang-PDK und Allrad bereits inbegriffen. Rund 30.000 Euro kann sparen, wer auf 50 Pferdestärken verzichtet. Der normale Turbo mit 500 PS kostet 139.624 Euro.

Ähnlich viel Potenz bei noch ausgeprägterer Athletik verspricht nun das neue, veritable Sportmodell der Panamera-Reihe. Im Grundpreis von 116.716 Euro sind beim GTS nicht nur eine leistungsgesteigerte Version des aus dem Panamera S und 4S bekannten, 400 PS starken 4,8-Liter-V8-Saugmotors, sondern auch der Allradantrieb und das Porsche-Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Fahrstufen sowie das Aerodynamikpaket des Turbo-Modells enthalten. Jenes umfasst ein Bugteil mit großen Lufteinlassöffnungen, welche die beiden beim Porsche Panamera GTS zusätzlich montierten Staudruckluftfilter links und rechts optimal mit Luft versorgen, sowie den adaptiv ausfahrenden, ab 205 km/h für Abtrieb an der Hinterachse sorgenden Vier-Wege-Spoiler am Heck.

Sportlicher Panamera mit Turbo-Optik

Darüber hinaus gibt sich der Newcomer äußerlich durch hochglanz-schwarze Zierelemente an den Seitenscheiben, dem Heckdeckel, den Abdeckungen der Scheinwerferreinigungsanlage, dem Heckdiffusor und den seitlichen Luftauslassblenden zu erkennen. Die Sportabgasanlage des Porsche Panamera GTS trägt mattschwarze Endrohre, die Bi-Xenon-Scheinwerfer ebensolche Innenblenden. Der Testwagen lockt zudem mit der optional angebotenen Lackierung in Karminrot.

Bei der ersten statischen Kontaktaufnahme gefällt vom äußeren Feinschliff abgesehen vor allem das sportlich-edle Interieur des Saugmotor-Panamera: Karbon-Einlagen, gebürstetes Aluminium, ein Dreispeichen-Sportlenkrad mit Schaltpaddeln links und rechts sowie die exzellent konturierten, vielfach verstellbaren und angenehm straff gepolsterten serienmäßigen Leder-Alcantara-Sportsitze machen schon im Stand Lust auf mehr.

Porsche Panamera GTS mit 430 PS und 520 Nm

Jenes gibt es dann auch - spätestens beim Dreh am bei Porsche immer noch links befindlichen Zündschlüssel: Dass der dank einer Erhöhung der Nenndrehzahl um 200/min, einer erweiterten Luftansaugung mit zusätzlichen Luftfiltergehäusen, einem um einen Millimeter vergrößerten Nockenhub sowie angepassten Ventilfedern mit erhöhter Vorspannung auf 430 PS erstarkte Achtzylinder-Sauger hier Ambitionen hat, die der Panamera S und 4S bisher missen ließen, tut der Porsche Panamera GTS durch lautes Aufbellen kund. Gut, dass die Sportabgasanlage mit vergrößerten Rohrdurchmessern und Klappensteuerung in diesem Umfeld ebenso serienmäßig an Bord ist wie das Sport Chrono Paket. Letztgenanntes offeriert neben dem normalen, eher kommoden Fahrprogramm auch die Modi Sport und Sport Plus. In diesen beiden Programmen reagiert der Motor spürbar sensibler auf Bewegungen des Gasfußes, die Lastwechsel erfolgen spontaner und dynamischer.
 
Ach ja - den wohlig brabbelnden V8-Sound nebst sogenanntem „Backfire“, einem kernig-kurzen Hüstler seitens der Auspuffanlage beim Herunterschalten, gibt´s beim Druck auf die in der hochgezogenen Mittelkonsole befindliche Sporttaste als kostenfreie, aber überaus wirkungsvolle Zulage obendrauf. Schöner hat Porsche Panamera-Fahren noch nie geklungen, auch beim vernehmlich bollernden Turbo nicht. Für diesen könnte das Erscheinen des Porsche Panamera GTS auf der Porscheeigenen Sportwagen-Bühne ohnehin zur Zäsur werden.
 
Sicher - 70 Pferdestärken mehr sind nicht zu verachten. Und wem es auf fünf Zehntelsekunden weniger bis Landstraßentempo und 15 km/h mehr Topspeed ankommt, der wird über den das Konto um rund 23.000 Euro entlastenden Verzicht auf zwei Turbolader auch nicht wirklich nachdenken. Für all jene, die der ungebremsten Längsdynamik weniger Aufmerksamkeit widmen als dem agilen Tanz auf kurvigem Geläuf, stellt der Porsche Panamera GTS jedoch eine wahrhaft glänzende und zudem vergleichsweise preiswerte Alternative dar.

Woher wir das wissen? Von einem ersten Undercover-Ausflug nach Hockenheim. Das bewährte, 2,6 Kilometer lange Terrain des dortigen Kleinen Kurses sollte abseits des normalen Testprozederes vorab schon einmal Auskunft darüber geben, ob das besonders sportlich abgestimmte, die Karosserie um zehn Millimeter absenkende Fahrwerk mit Luftfederung, Porsche Active Suspension Management (PASM), Niveauregulierung, Höhenverstellung, Verstellung der Federrate und elektrischer Verstellung des Stoßdämpfersystems den Porsche Panamer GTS tatsächlich zum sportlichsten aller Panamera macht.

Hockenheim-Rundenzeit von 1.13,5 Minuten

Bei frostigen zwei Grad minus durfte der viertürige 1.963-Kilo-Sportler zeigen, was eine durch fünf Millimeter starke Distanzscheiben zwischen Rad und Radträger verbreiterte Spur an der Hinterachse im Verbund mit der strafferen Dämpfung und dem abgesenkten Schwerpunkt zu bewirken vermag. Das Ergebnis war erstaunlich. Mit einer Hockenheim-Rundenzeit von 1.13,5 Minuten pfeilt der Allradler beeindruckende zwei Zehntelsekunden schneller über den badischen Asphalt als der im Herbst 2009 bei für die Tester deutlich angenehmeren, wenngleich nicht wirklich leistungsfördernden 21 Grad Celsius gemessene Porsche Panamera Turbo. Wenn das keine Ansage ist.
 
Seinem vom Hersteller in der Pressemappe selbst verliehenen Titel „Sportwagen mit vier Türen“ ist der Porsche Panamera GTS damit jedenfalls zur Gänze gerecht geworden. Der wuchtige Viersitzer erhebt demnach völlig zu Recht vernehmlich und Gänsehaut erregend die sonore Achtzylinder-Stimme. Sobald die derzeit flächendeckend für Unmut sorgende polare Kaltluft ein für alle Mal dem Frühling weicht, werden wir der sportlichen Sache noch etwas nachdrücklicher auf den Grund gehen. Die Hockenheimer Messgerade, die Nordschleife des Nürburgrings und das Malmsheimer Flugfeld warten schon.

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Anja  Wassertheurer

Autor:

SPORT AUTO, Heft 3 / 2012

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