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BMW 123d Cabriolet, BMW125i Cabriolet, Frontansicht 25 Bilder Zoom

Test BMW 123d gegen BMW125i Cabriolet: Offen-sichtlich Diesel versus Benziner

Seit der Dieselmotor das Image des nagelnden Schmuddelkindes abgelegt hat und in allen Wagenklassen mitspielen darf, ist der Vergleich Benziner versus Diesel legitim und gern genommen. Aber wie sieht die Sache bei Cabrios aus? Wir haben im Vergleichstest dem BMW 125i und dem BMW 123d auf den Zahn gefühlt.

Wenn in der Automobilbranche etwas über Jahrzehnte hin Gültigkeit besaß, dann dies: Ungetrübter Open-Air-Genuss und Dieselmotoren gehen nicht zusammen. Mit der flächendeckenden Einführung des Partikelfilters, sorgfältigem Sounddesign und den ins Uferlose steigenden Spritpreisen hat die eherne Front jedoch bereits vor Jahren Risse bekommen. Unter den Cabriolets wie in nahezu allen anderen Fahrzeugklassen sind leistungsstarke Dieselautos längst eine überdenkenswerte Alternative zu den ähnlich eingepreisten Fahrzeugen mit Benzinmotor geworden.

So auch bei BMW und dem einzigen verbliebenen Softtop-Cabriolet der mit der Ziffer eins versehenen Einstiegsbaureihe. 37.850 Euro kostet der mit 218 Pferdestärken und 270 Newtonmeter aufwartende BMW 125i ohne festes Dach. Das mit 204 PS und stolzen 400 Newtonmeter maximalem Drehmoment notierende BMW 123d Cabriolet steht mit einem knappen Tausender mehr in der Preisliste (38.700 Euro). Da scheint Nachdenken angebracht.

BMW 1er Cabrios im Test kosten über 50.000 Euro

Dass die beiden BMW 1er-Testwagen alles an Bord hatten, was das Autofahrerleben leichter und schöner macht und daher unterm Strich mit weit über 50.000 Euro zu Buche schlagen, sei dabei nur am Rande erwähnt. Dass sie zugunsten einer bestmöglichen Vergleichbarkeit nahezu identisch konfiguriert an den Start gehen, ist hingegen durchaus wesentlich, wenn es um eine direkte Gegenüberstellung im Test geht.

BMW 125i Cabriolet und BMW 123d sind Schwergewichte

Also - 18-Zöller nebst Bridgestone Potenza RE050A-Mischbereifung im Format 215/40 R 18 auf 7,5- und 245/35 R18 auf 8,5-Zoll-Felgen vorn und hinten sowie ein manuelle Sechsganggetriebe hier wie da. Dazu das bereits genannte, in beiden Autos komplette Ausstattungspaket mit Leder, Navi und Entertainment vom Feinsten. Alles zusammengezählt errechnet sich daraus beim BMW 125i Cabriolet ein Kampfgewicht von 1.581 Kilogramm, der BMW 123d belastet die Platte der Fahrzeugwaage aufgrund des trotz des Verzichts auf zwei Brennräume schwerer wiegenden Selbstzünders unter der Haube gar mit 1.630 Kilogramm. Nicht eben wenig für ein mit 4,36 Meter Länge vergleichsweise kompaktes Cabrio.

Sei’s drum – im Alltag hinterlässt die stattliche Masse im Vergleichstest erst mal keinen negativen Eindruck. Subjektiv macht der rund 50 Kilo schwerere Diesel gar den agileren Eindruck, weil er mit einer für aufgeladene Selbstzünder typischen Charaktereigenschaft aufwartet: Kraft in allen Lebenslagen. Ab 2000/min stemmt der BMW 123d bis zu 400 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Da muss der sowohl in puncto Hubraum (drei zu zwei Liter) als auch bezüglich der Anzahl der Brennräume (sechs zu vier) im Vorteil befindliche Benziner konzeptbedingt die Segel streichen. 270 Newtonmeter bei 2500 Touren – mehr ist beim BMW 125i Cabrio nicht drin. Das relativiert die moderate Mehrleistung von exakt 14 PS gegenüber dem Dieselmodell.

Unterm Strich lässt sich der Unterschied wie folgt zusammenfassen: Der Benziner braucht Drehzahl, der Diesel nicht. Das belegen auch die im Rahmen der Elastizitätsmessung ermittelten Werte. Wer im hohen Gang gemütlich bummeln will, ist mit dem BMW 123d klar besser bedient. Beim Durchbeschleunigen von 80 auf 140 km/h in der sechsten Fahrstufe schenkt der Turbo-Diesel dem Sechszylinder-Sauger über fünf Sekunden ein. Ein Umstand, der allemal dazu angetan ist, die insbesondere nach dem Kaltstart nicht wirklich verschliffene Akustik vergessen zu machen.

Spurtstärke wiegt schwerer

Erst wenn der BMW 125i frei aufspielen darf und die Nadel des Drehzahlmessers sich im oberen Drittel bewegt, kann das Cabrio mit dem Reihensechser seine Stärke ausspielen. Zwischen 100 und 180 km/h wächst der bis dato lediglich zwei Zehntelsekunden betragende Vorsprung des Benziners gegenüber dem Diesel im Beschleunigungstest sukzessive auf schlussendlich 3,2 Sekunden an. Auch die vom Werk angegebene Höchstgeschwindigkeit notiert beim BMW 125i Cabrio mit 238 zu 230 km/h minimal höher. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht des mit 7,3 zu 8,0 Kilogramm pro PS deutlich günstigeren Leistungsgewichts des blaumetallicfarbenen Hecktrieblers geht der vom BMW 125i auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim herausgefahrene Vorsprung von 0,3 Sekunden also voll in Ordnung. Allein – wirklich spüren tut man ihn nicht. Im Gegenteil: Sollte der Fahrer subjektiv entscheiden, mit welchem Auto er schneller unterwegs war, würde die Wahl wohl auf den BMW 123d fallen.Weil der stimmlich gut konditionierte Sechszylinder-Sauger mit hohen Drehzahlen bei Laune gehalten werden will, gerät die Zeitenhatz im BMW 125i insgesamt einen Tick angestrengter als im allzeit sprungbereiten BMW 123d.

Neutral bis leicht untersteuernd geben sich beide Testwagen, die Seitenneigung ist hier wie dort recht ausgeprägt. Schlussendlich fällt die Zielflagge für den BMW 125i nach 1.22,2, für den BMW 123d nach 1.22,5 Minuten. Dass das Diesel-Cabrio sich in der Slalomwertung ein Pünktchen mehr sichern kann, liegt in der Tatsache begründet, dass der hellblaue Zweitürer im Grenzbereich noch einen Tick neutraler agiert als der dunkelblau gewandete Bajuware, der – warum auch immer (von der identischen Bereifung hatten wir es ja bereits, und in der Gewichtsbalance sind auch keine Unterschiede zu verzeichnen) – minimal mehr über die Vorderräder schiebt.

Klarer Vorteil des BMW 123d auf der Bremse

Deutlicher und besser zu erklären fallen die Unterschiede zwischen den Brüdern in der Bremsprüfung aus. Während die Bremse des BMW 125i zum Fading neigt und nach der zehnten Vollbremsung aus Landstraßentempo nurmehr mit 9,4 m/s² beißt, tut sich beim BMW 123d so gut wie nichts. Über die Maßen zupackend gibt sich zwar auch der Diesel nicht, mit mittleren Verzögerungswerten von 10,1 m/s² im warmen Aggregatzustand fällt die Vorstellung des Selbstzünders jedoch insgesamt souveräner aus. Der Grund hierfür ist beim Blick in die technischen Daten schnell ausgemacht. Im Gegensatz zum BMW 125i, der vorn wie hinten auf eher moderat dimensionierte, weil rundum 300 Millimeter messende Stahlscheiben vertraut, trägt der einen Zentner schwerere BMW 123d vorn 330-Millimeter-Discs. Ein klarer Vorteil, der im Falle eines Falles bei warmer Bremse für einen um eine Smart-Länge kürzeren Bremsweg aus 100 km/h gut ist. Dass das Diesel-Cabrio sich damit so ganz nebenbei noch drei Punkte Vorsprung in der sport auto-Testwertung verdient, unterstreicht die Bedeutung solider Verzögerungsleistungen – auf wie abseits öffentlicher Straßen – und untermauert den Führungsanspruch des nur nominell schwächeren Cabriolets.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

13. August 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 03/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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