Porsche 911 Speedster : Speedster-Generationentreffen mit Walter Röhrl

Porsche Speedster, Walter Röhrl

Porsche hat den Speedster reanimiert. Der aktuelle Porsche 911 Speedster mit Vollausstattung und 408 PS trifft in den französischen Seealpen auf seinen spartanischen Vorfahren von 1989 - ohne Kat und mit 231 PS. Mit dabei: ein kompetenter Porsche Speedster-Besitzer namens Walter Röhrl.

Walter Röhrl lächelt so zufrieden, wie jemand, der soeben sein vermisstes Lieblingsspielzeug auf dem Dachboden wieder entdeckt hat. "Auf dieser Straße bin ich zum letzten Mal 1984 nach meinem Monte-Sieg gefahren. Das waren die einzigen fünf Minuten, in denen man zwischen der Abschlussprüfung und dem Trubel der Siegerehrung in Monaco den Erfolg genießen konnte", erinnert sich der zweifache Rallye-Weltmeister an seinen letzten von vier Triumphen bei der Rallye Monte Carlo.

Ticken, Spratzeln, Knistern - neben dem Rallye-Champion und dem Testredakteur nutzt ein besonderes Bruderpaar die Atempause am Fuße der Seealpen zum Verschnaufen. Zur Rechten ein indischroter Vertreter, links einer in purblaues Gewand gehüllt: Der Porsche 911 Speedster von heute trifft auf seinen Vorfahren, Jahrgang 1989, zur Serpentinenjagd in den Seealpen.

Aus Speed und Roadster wurde Speedster

Als erster Elfer trug das G-Modell mit den breiten Kotflügelbacken die Wortschöpfung aus "Speed" und "Roadster". Den Namen Speedster begründete jedoch ein anderer in der Porsche-Ahnengalerie. Vor dem 911 betörte im September 1954 der Porsche 356 1500 Speedster, eine 760 Kilo schwere Leichtbauversion, die Herzen der amerikanischen Sportwagenkunden. Nach den nur schleppend anlaufenden US-Verkäufen Anfang der Fünfziger empfahl der damalige Importeur Max Hoffman, einen günstigeren Wagen zu produzieren. Mit einem Preis von 2.995 Dollar war der spartanisch ausgestattete und leichte Speedster mit luftgekühltem 1,5-Liter-Vierzylinder und 55 PS vor allem bei den amerikanischen Clubsport-Rennfahrern schnell beliebt.

Als Hommage an den legendären Vorfahren limitiert Porsche die Stückzahl des aktuellen Typs auf 356 Exemplare. Doch ansonsten hat der neue Speedster mit dem 356 so viel gemeinsam wie ein iPhone mit einem Telefon mit Wählscheibe. Die Silhouette mit den breiten Kotflügeln und dem Doppelhöcker auf dem Verdeckkasten erinnert mehr an die auf der IAA 1987 präsentierte und zwei Jahre später in Serie gegangene Speedster-Studie. Damals lieferbar mit und ohne Katalysator - Kinder, das waren Zeiten. „Mein privater 89er Speedster ist schwarz und hat eine rote Lederausstattung. Den Wagen habe ich vor zwei Jahren in Kalifornien gekauft“, erzählt Kurvenlegende Röhrl mit den blitzenden Augen eines Schulbuben, während wir die Zündschlüssel tauschen.

231 PS leistet der Speedster von 1989

Mit heiserem Anlasserrasseln drängt der historische 3,2-Liter-Sechszylinder mit 231 PS zur Weiterfahrt. „Dieser Motor, das ist Porsche pur. Ab 4.000 geht er so richtig los“, hatte der ehemalige Rallye-Champion zuvor versprochen. Stimmt! Luftgekühlt umschmeichelt er den Piloten mit seinem Boxer-Sägen und fächelt dabei einen Dunst Oktaniges über das verstaute Notverdeck ins offene Cockpit. Mmmh lecker, so schmeckt Purismus. Die aus dem damaligen Turbomodell stammende Bremsanlage mit rundum Vierkolben-Alu-Festsätteln und innenbelüfteten, gelochten Scheiben packt im perfekt gepflegten Museumsmodell mit nur 15.000 Kilometer Laufleistung beherzt zu. Das G50/00-Fünfgang-Getriebe arbeitet auch für heutige Maßstäbe noch präzise und nicht kratzig.

Ohne Servounterstützung und mit kernigen Lenkkräften wedelt der nur 1.290 Kilogramm schwere Oldie-Speedster mit 40-prozentigem Sperrdifferenzial fidel vor seinem jüngsten Bruder der Baureihe 997 her. Kurze Rast und erneuter Zündschlüsselwechsel. Willkommen 2010. Neben der gegenüber dem Carrera S Cabriolet um 44 mm breiteren Heckpartie erinnern optisch allenfalls die um 60 mm kürzere Frontscheibe, die 40 mm tiefere Dachlinie sowie die Räder im klassischen Fuchs-Design an den Porsche Speedster aus dem Jahr des Mauerfalls. Keine Fensterkurbeln, kein Notverdeck mit Plastikheckscheibe.

Sämtliche Extras im neuen Speedster

Heute verkaufe sich der Speedster nur mit Vollausstattung, meinen die Vertriebsstrategen. Im Cockpit finden daher nur Spürnasen die wenigen Zentimeter Kunststoff um das Navi-Display, an denen sich kein schwarzes Leder mit blauen Akzenten anschmiegt. Sitzheizung, Bose-Soundsystem mit zwölf Lautsprechern und Fußraumbeleuchtung - für Wohlbefinden sorgte das Entwicklungsteam im höchsten Maße. „Volles Programm im Speedster-Stil“ vermeldet zwar die Pressemappe, an die spartanischen Speedster-Werte von einst erinnert aber nichts mehr, bis auf das per Hand zu öffnende Verdeck. Die Techniker vermelden wegen der aufwändigeren und schwereren Verdeckmimik als beim normalen Cabriolet stolz, der Zweisitzer bewege sich dank leichteren Alu-Türen (jeweils minus 12,5 kg), Alu-Verdeckkastendeckel und des Wegfalls der Notsitze mit 1.540 kg „exakt auf dem Gewichtsniveau des offenen Carrera S“. Besitzer eines Porsche Speedster-Leichtgewichts von 1989 können darüber nur müde lächeln.

Der leistungsgesteigerte 3,8-Liter-Sauger mit 408 PS im aktuellen Porsche Speedster rüttelt die Youngtimer-Freunde da schon deutlich mehr aus ihrer puristischen Welt. Mit noch besserem Antritt rennt der Frischluft-Elfer mit breiterer Spur (sechs mm vorn und 34 mm hinten) und stärkerem Stabi an der Hinterachse los. Traktionsprobleme sind mit 305er-Schlappen und mechanischer Quersperre an der Hinterachse (Sperrgrad: 22 Prozent im Zug und 27 Prozent im Schub) im winkeligen Asphalt-Labyrinth der Seealpen ein Fremdwort.

Porsche Speedster mit PDK

Die hier serienmäßige, gut dosierbare Keramikbremsanlage spricht kräftig an und reduziert die Ehrfurcht vor den Schluchten 20 Zentimeter neben dem Kotflügel auf ein leichtes Kribbeln. Drei, zwei, eins - schon ist der Paarlauf vorbei und der feuerrote 89er Porsche Speedster aus dem Blickfeld verschwunden. Bei geöffnetem Verdeck mischt sich der Klangteppich der neuen Sportabgasanlage und orkanähnliche Verwirbelungen im Cockpit zum Porsche Speedster-würdigen Schauspiel. Wenn man jetzt noch die Gänge per Schalthebel durchreißen könnte, wäre der Fahreindruck auch ohne puristischen Leichtbau halbwegs gelungen. Als erster Speedster der Geschichte rollt der 997 aber mit PDK-Getriebe vom Band. Das passt zur rustikalen Speedster-Story so gut wie ein E-Motor zu einem Rennrad.

Wertsteigerung im Preis inklusiv

Doch spätestens eines vereint die Generationen wieder. „Vor zehn Jahren hat das G-Modell rund 80.000 Mark gekostet, heute sind es 80.000 Euro“, erläutert Walter Röhrl nach dem Porsche Speedster-Ausflug die Begehrtheit des alten Typs. Die Wertsteigerung dürfte bei dem schon vor Marktstart im Dezember ausverkauften limitierten Porsche Speedster später kaum anders sein. Vielleicht ein Grund, warum ein Kunde aus Kuwait gleich fünf brandneue Speedster bestellt hat.

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