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Ferrari California im Supertest: Cabrio-Coupé wächst über sich hinaus

Der Ferrari California überzeugt im Test als das Universaltalent der Scuderia. Dadurch tritt das Cabrio-Coupé mit dem Supertest-Resultat aus den Schatten der neuen Ferrari-Heroen namens 458 Italia und 599 GTO. Denn das V8-Modell ist von einer Ferrariuntypischen Sachlichkeit geprägt und dennoch mit herausragenden Qualitäten gesegnet.

Der innere Vorbeimarsch, ein an sich schon äußert bemerkenswerter Vorgang der Glückselig-Machung, lässt sich in seiner nachhaltigen Wirkung durchaus noch steigern: Und zwar dann, wenn er nicht wegen eines besonderen Umstandes eintritt, sondern dennoch. Dass man mit einem Ferrari 599 GTO (hier kommen Sie zum Fahrbericht Ferrari 599 GTO) die Konkurrenz leicht in die Schranken weisen kann, daran besteht a priori kein Zweifel: Er ist eindeutig als sportlicher Überflieger konstruiert und als solcher auch akzeptiert, womit der Überraschungseffekt für alle Beteiligten eher gering ist. Dass aber auch der ausgewiesene Generalist innerhalb der breiter gewordenen Ferrari-Range, der Ferrari California, im Test dazu taugt, mehr als nur sportliche Achtungserfolge einzufahren - obwohl er das breit gefächerte Programm bodenständiger Alltäglichkeit zu absolvieren hat -, geht als Überraschung, sprich: als oben erwähntes "Dennoch" durch.

Ferrari California ist Cabrio und Coupé

Angesichts seiner in sportlichen Dingen stets kompromisslos auftretenden Ahnenreihe dürfte der Ferrari California in seiner speziellen Konfiguration einen Sonderfall in der Geschichte der Roten darstellen. Oder anders ausgedrückt: Sein Angebotsspektrum ist deutlich weiter gefasst als im Ferrari-Umfeld bisher üblich. So stellt der Test-Kandidat die nicht zu verachtenden Vorteile eines geschlossenen Systems ebenso zur Disposition wie die liebenswerten Segnungen, die nur ein Cabriolet in seiner offenherzigsten Form bereitzustellen vermag. In beiden Aggregatzuständen - offen wie geschlossen - offenbart der Ferrari California im Test durchweg vorbildliche Eigenschaften: luftig und entspannend auf der einen, behütend und beschützend auf der anderen Seite.

Die analog des von Mercedes im SL schon seit Längerem gepflegte Technik des per Knopfdruck zusammenfaltbaren Hardtops hat eben schlicht den unabweisbaren Vorteil, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Allerdings haben die in puncto Alltagsnutzen segensreichen Errungenschaften durchaus ihre negativen Seiten. Die innerhalb von 14 Sekunden zwischen Cockpit und Kofferraum elegant versenkbare Aluminium-Dachhaut des Ferrari California lastet schwer auf dem Gewichtskonto. Ein Umstand, der dem im Heckbereich entsprechend stämmig wirkenden Ferrari California im Test auch auf der Waage zum Nachteil gereicht. So verharrt der Zeiger erst bei 1.787 Kilogramm, was die Hoffnung auf gesteigerte Ressourcen in Sachen Dynamik zunächst einmal deutlich reduziert.

Der Ferrari California erfüllt auch anspruchsvolle Erwartungen

Der hochkarätige Antriebsstrang, bestehend aus dem vorn im Motorraum tief eingebetteten, 4,3 Liter großen und mit 460 PS antretenden 90-Grad-V8 und dem getrennt von ihm gemäß dem Transaxle-Prinzip an der Hinterachse untergebrachten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, hält für sich betrachtet allerdings alle Optionen offen. In Einwirkung der im Umfeld dieser Maschine wirksamen Anziehungskraft werden ungeachtet seiner nominellen Eckwerte selbst Bedenkenträger spontan dazu angehalten, ehrfurchtsvoll in die Knie zu gehen. Und die Anmut, die sich in der optischen Aufbereitung der hochkarätigen Ferrari-Technik zeigt, muss für die meisten Mitbewerber noch immer als die wahre Herausforderung gelten. Über die faszinierende, weil unverwechselbare Klangwolke eines Ferrari - selbstredend auch die des Ferrari California - viele Worte zu verlieren, hieße, die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu tragen. Vom fein orchestrierten, erst mit gutturalem Unterton und später mit scharfem Timbre hinterlegten Sound nicht fasziniert zu sein, ist in etwa so abwegig, wie beim Auftritt des Ferrari California im Test bewusst den Blick abwenden zu wollen.

Ungeachtet seines Makels in der Gewichtsbilanz ist motorisch also auch in diesem Coupé/Cabriolet Ferrari-typisch bestens Vorsorge getroffen. Entsprechend seines Leistungsgewichts von 3,9 Kilogramm pro PS sind die Durchzugs- und Beschleunigungswerte des Ferrari California im Test in einem Maß entwickelt, das auch anspruchsvolle Erwartungen erfüllt. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt das als 2+2-Sitzer konzipierte Ferrari-Einstiegsmodell im Supertest standesgemäß in 4,2 Sekunden - um nur gut zehn Sekunden später, nach exakt 14,7 Sekunden, locker- flockig die 200-km/h-Marke zu passieren. Der Ferrari California tut das am liebsten in der parallel zum manuellen Modus angebotenen Automatikfunktion - und zwar ohne großes Federlesen in einer geradezu nach Wiederholung schreienden, geschliffenen Perfektion. Die Umgänglichkeit seines Charakters, hervorgerufen durch technische Verbindlichkeit, hat eine verblüffende Konsequenz: Die Unnahbarkeit, die manchem früheren Ferrari wegen seiner besonderen, teilweise auch gewöhnungsbedürftigen Charakterzüge zu Eigen war, geht dem Ferrari California gänzlich ab. Er ist für alles offen - auch und besonders im geschlossenen Zustand.

Der Schein trügt

Der dem Ferrari California in bestimmten Kreisen deshalb zuweilen unterstellte Vorwurf, gerade deswegen zu wenig Charakter aufzuweisen, muss von dieser Stelle aus energisch widersprochen werden. Gute Umgangsformen und ein breit gefächertes Anbebotsprofil sind diesbezüglich nämlich gewiss kein Killerkriterium. Einmal mehr ist es auch das im Ferrari California serienmäßig implantierte Doppelkupplungsgetriebe, das den Umgang mit der zur Verfügung stehenden Motorleistung so reizend einfach gestaltet. Die hoch wie runter höchst geschmeidigen Gangwechsel und die Lust fördernd eingearbeiteten Zwischengasstöße bringen die Meriten des V8-Saugers so überzeugend zur Geltung, dass es zuweilen als Qual empfunden wird, sie aufgrund der gesetzlichen Restriktionen nicht öfter in vollen Zügen genießen zu können. Selbst im Zustand himmelhoher Kopffreiheit fällt es - anders als in den meisten anderen Cabrios - schwer, sich in Mäßigung zu üben. Das fast als turbulenzfreie Zone durchgehende, offenen California-Cockpit stellt sich selbst bei hohem Tempo als ein vergleichweise ruhiger Ort der Entspannung und Besinnung dar. Durch den hohen, festen Kragen und die flach ansteigende Frontscheibe gelingt es dem Ferrari California im Test hervorragend, die tosenden Winde selbst bei Tempo 200 weitgehend außen vor zu halten. Dem Versuch, die Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h auch im offenen Fahrzustand erreichen zu wollen, steht demnach eigentlich nichts entgegen - allein der im Vergleich zum Coupé-Auftritt schlechtere cW-Wert dürfte das kühne Anliegen hintertreiben.

Das alltagstaugliche Format des Ferrari California findet darüber hinaus in einem beglückenden Federungs- und Abrollkomfort Ausdruck, der es bei der ersten Hochrechnung unwahrscheinlich erscheinen lässt, auf beeindruckende Querbeschleunigungen hoffen zu dürfen. Das, gemessen am Supersport-Genre, vergleichsweise geschmeidige Abrollen der breiten 19-Zöller und die nach scharfem Einlenken in starke Seitenneigung verfallende Aluminium-Karosserie entsprechen in ihrer Ausprägung keineswegs dem Bild von einem Sportwagen, dem an außergewöhnlichen Leistungen im Sportumfeld gelegen ist. Doch der Schein trügt. Anders als andere, vom Setup her meist unerbittliche, weil knochenhart konfigurierte Mitstreiter, geht der Ferrari California im Test die Darstellung des Grenzbereichs zunächst einmal deutlich verbindlicher an. Ebenso wie die unter Last sachte Neigung zum Untersteuern ist auch das bei strammer Gaszufuhr leicht aus der Spur zu bringende Heck nie bösartig unterwegs. Aus diesem Grund wird das Vertrauen ins Fahrverhalten zu keiner Zeit auch nur ansatzweise beschädigt.

Reifen zwingen den Ferrari California in die Knie

Was nun die Fahrbahrkeit im Grenzbereich angeht, so zeigt sich der in der Gewichtsbalance gut austarierte und mit einer sehr direkt arbeitenden, gleichwohl nicht "überziehenden" Lenkung auch deshalb von liebenswertester Seite, weil er sich Lastwechseln gegenüber ziemlich unempfindlich zeigt. Und genau das macht den Ferrari California im Test dann auch so schnell. Die Tatsache, dass der inklusive Fahrer deutlich über 1,8 Tonnen schwere Gran Turismo auf der Nordschleife bis auf eine Sekunde an die Vorgabe des konzeptionell deutlich sportlicher aufgestellten F 430 herankommt, ist ein starker Hinweis darauf, dass es auf dieser anspruchsvollsten aller Strecken mehrheitlich die Fahrbarkeit ist, die das Resultat bestimmt - nicht so sehr das Konzept oder das eine oder andere Kilo mehr oder weniger.

Die achtbare Supertest-Rundenzeit des Ferrari California von 7.56 Minuten korrespondiert mit der in Hockenheim gezeigten Leistung: Mit 1.13,5 Minuten ist der Universalkünstler aus dem Hause Ferrari in exakt dem Zeitfenster unterwegs, das der in Sachen Sportlichkeit als Maßstab anerkannte Porsche Carrera S für sich reklamiert. Das will etwas heißen. Gemessen am erklärten Leistungswillen des kernig sägenden Achtzylinders und der auch im Rennstrecken-Stress niemals aufgebenden, von der ersten bis zur letzten Bremsung fulminant verzögernden Keramik-Bremsanlage ließe sich der schwere, gleichwohl höchst handlich wirkende Gran Turismo womöglich noch zu etwas Besserem hinreißen. Doch letzten Endes sind es die Pirelli P Zero-Pneus, die in Einwirkung der hohen schiebenden Masse dann doch die Waffen strecken müssen. Speziell die mit einer Breite von 245 Millimeter nicht eben üppig bemessenen Reifen auf der Vorderachse weisen durch in Kurven zunehmend wachsende Schräglaufwinkel darauf hin, dass ihnen härtere Querbeschleunigungs-Prüfungen wie auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim nicht unbedingt aufs Profil geschnitten sind.

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Der Ferrari California schmückt die Marke

Da liegt dem Ferrari California die Nordschleife mit ihrem erheblich höheren Durchschnittstempo schon erheblich besser, wie sich sowohl an den erreichten Geschwindigkeiten auf den Geraden als auch an den Kurventempi unschwer ablesen lässt. Die ansteigende Gerade der Döttinger Höhe durchmisst die 460 PS starke Berlinetta im Test mit knapp 270, die Anfahrt zum Streckenstück Schwedenkreuz mit fast 250 km/h. Der Wohlfühleffekt im Ferrari California gründet allerdings auf mehreren Faktoren. Sein Talent, die Besatzung - zur Not auch vier: zwei Große und zwei (ganz) Kleine - für sich einzunehmen, beschränkt sich beileibe nicht allein auf die Qualität seines brillanten Antriebs und das fast als narrensicher zu bezeichnende Fahrwerk. Es hat auch mit den netten Gegebenheiten zu tun, die das gänzlich mit hellem Leder ausgeschlagene Cockpit aufzuweisen hat - zum Beispiel die außergewöhnlich gut entwickelte Ergomie. Das extrem steil stehende Lenkrad mit den netten "Spielsachen" oben drauf, namentlich dem roten Starterknopf und der ebenso originellen wie praktikablen Manettino-Armatur, liegt perfekt in der Hand. Innerhalb des für den Fahrer relevanten Dreiecks - Lenkrad, Sitzposition, Pedalerie - ist es sozusagen der Dreh- und Angelpunkt des an faszinierenden Aspekten reich gesegneten Umfelds.

Allerdings handelt es sich beim Ferrari California im Test auch um eines, das mit stattlichen Zusatzinvestitionen auf ein designtechnisches Spitzenniveau gebracht worden ist. Sowohl die perfekten Halt gebenden Schalensitze als auch die Cockpitverkleidung aus Karbon sind nämlich aufpreispflichtig. Erstgenannte schlagen mit 5.236 Euro zu Buche, das Karboninterieur belastet die Portokasse mit weiteren 7.021 Euro. Für die aus demselben hochwertigen Material gefertigte Motorraumverkleidung werden noch einmal 6.188 Euro fällig. Wer auch auf den Karbon-Diffusor nicht verzichten mag - jenes Teil im unteren Bereich der stattlichen Heckansicht, das gewissermaßen als einziges Aerodynamik-Element einen sachdienlichen Hinweis auf das supersportliche Talent des Boulevard-Kreuzers namens Ferrari California gibt -, muss weitere 7.140 Euro berappen. Dass er sportlich trotzdem überzeugen kann und im Supertest nicht nur deshalb reüssiert, weil ihm sein Einsatzgebiet zusammengestrichen und die Alltagstauglichkeit damit abhanden gekommen ist, ehrt seine Entwickler und schmückt die Marke.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Ausgabe

Heft 06/2010
5 4 3 2 1 0 5 0
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