Mercedes C 63 AMG Coupé BS 32 Bilder Zoom

Mercedes C63 AMG Coupé Black Series: Schwarzer Serienheld im Supertest

Mit dem vierten Modell der „Black Series“-Baureihe hat Mercedes AMG einen grellen Sympathieträger auf die Räder gestellt, dessen extrovertierter Auftritt sogar in konservativen Sportfahrerkreisen für erhöhte Aufmerksamkeit sorgt. Man sieht dem scharfen Mercedes C63 AMG Coupé an, dass es ein erfolgreicher Supertest-Kandidat ist.

Nach der Schadenfreude, die dem gängigen Bonmot gemäß als die schönste aller Freuden gilt, ist es fraglos die Freude am eigenen Erfolg, die sich immer dann als besonders beglückend und nachhaltig motivierend einstellt, wenn niemand damit gerechnet hat. Für die Macher hinter dem Black Series-Projekt auf Basis des Mercedes C63 AMG Coupé wird die Freude am Supertest-Ergebnis wohl so ganz überraschend nicht mehr sein, dafür sind sie lang genug mit der Entwicklung betraut gewesen.

Anders bei zukünftigen Besitzern dieser zunächst einmal optisch bemerkenswerten Ausnahmeerscheinung: Sie dürften künftig des Öfteren Gelegenheit bekommen, sich aufgrund unerwarteter Erfolgsmomente ein Loch in den Bauch freuen zu können, weil weder sie selbst noch die Menschen um sie herum je damit rechnen konnten, unter dem Zeichen des Sterns auf einen derart erfolgsorientierten, ja geradezu kämpferisch aufgelegten Überraschungssieger zu treffen.

Mercedes jagt BMW, Porsche und Ferrari

Mit einem Coupé ausgerechnet auf Basis der Mercedes C-Klasse gelegentlich auf Porsche-, BMW- oder Ferrari-Jagd zu gehen - wer würde darin nicht einen höchst unterhaltsamen und überraschenden Programmpunkt entdecken? Sofern sich an passender Stelle die Gelegenheit dazu ergibt. Man muss allerdings niemanden mit dem Mercedes C63 AMG Coupé Black Series am Galgenkopf oder in der Hockenheimer Sachskurve versägen, um die Besonderheit dieses mit Anleihen aus dem Motorsport gespickten Sportwagens herauszustellen.

Mercedes Coupé mit Sportwagen-Insignien

Das Fehlen der Sitze im Fond, die Splitter und Flics am Bug und der große, feststehende Heckflügel schinden auch ohne die dramatische Klanguntermalung seitens des großvolumigen V8 respektvollen Eindruck. Die noble Herkunft Mercedes hilft - nebenbei bemerkt - ungemein, dem gelegentlich aufkeimenden kritischen Seitenblick auf dieses extrovertierte Stück Automobil jegliche Schärfe zu nehmen - obwohl jeder sehen kann: Zum Brötchenholen und Kinder in die Schule bringen ist diese jüngste Ausgabe der 2006 initiierten "Black Series"-Strategie auf Basis des Mercedes C63 AMG Coupés wohl doch etwas überqualifiziert. 

Menschen mit einem ungebrochenen Faible für Echtheit und Authentizität geht beim Anblick dieser bis ins Detail gewissenhaft aufbereiteten Sportwagen-Technik sofort das Herz auf. Und jeder, der ein Gefühl für die Notwendigkeiten bei einem um Leistung, Anerkennung und gute Rundenzeiten kämpfenden Sportwagen hat, wird die Hingabe honorieren, mit der AMG das Mercedes C63 AMG Coupé Black Series-Projekt in Angriff genommen hat. In Affalterbach sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen das seligmachende Moment allein von der Motorleistung ausging.

V8 mit 517 PS im Mercedes C63 AMG Coupé Black Series

Trotzdem gilt unser gesteigertes Interesse des Mercedes C63 AMG Coupé Black Series im Supertest zunächst dem 6,2 Liter großen V8-Motor, der - obwohl in den Grundzügen als Typ M156 schon seit 2005 bekannt und seither rund 71.000 Mal gebaut - in diesem Umfeld eine besondere Evolutionsstufe darstellt. Die Leichtbau-Kurbelwelle, die acht Schmiedekolben sowie die dazugehörigen, gleichfalls geschmiedeten Crack-Pleuel sind originäre Bauteile aus dem Big Block der großen Flügeltür-Variante SLS AMG. Die parallel zur neuen V8-Biturbo-Motorengeneration weiterentwickelte Saugmotor-Variante ist wegen ihrer drehzahlfesten Auslegung charakterlich nach wie vor prädestiniert, dem sportlichen Umfeld ihren Stempel aufzudrücken. 

Da es angesichts des üppigen Arbeitsvolumens von 6.208 Kubikzentimeter per se keinen Mangel an Durchzugskraft geben kann und das Drehmoment von 620 Newtonmeter daher lässig zustande kommt, blieb seitens der Entwickler nichts weiter zu tun, als die Massenträgheit im Innern weiter zu reduzieren - mit dem Ziel, ein noch besseres Ansprechverhalten und eine nochmals gesteigerte Drehfreude herauszukitzeln. Die ergänzenden Begleitmaßnahmen beim Mercedes C63 AMG Coupé Black Series umfassen unter anderem ein neues Motorsteuergerät und eine um 50 Prozent verbessserte Ölkühlung, die - so wird selbstbewusst versprochen - die Standfestigkeit auch im harten Rennstreckeneinsatz gewährleisten soll. Allein diese Ankündigung seitens AMG will schon etwas heißen... 

Das Klangbild des nach wie vor mit kontinuierlicher Nockenwellenverstellung auf der Ein- und Auslassseite arbeitenden V8-Vierventilers offenbart - wie konnte es anders sein - die schärfsten Konturen, seit es V8-Motoren mit 90-Grad-Zylinderwinkel aus Deutschland gibt. Dieses Triebwerk hängt im Mercedes C63 AMG Coupé Black Series wie gedopt am Gas, brüllt, röchelt, bollert und ist dabei - welche Wohltat - doch weniger laut als zunächst befürchtet. Wenn einem der Schädel brummt, dann nicht wegen der besonderen Akustik, sondern wegen des Maßes an Konzentration, das angesichts des öffentlichen Regelwerks aufgewendet muss. Schließlich steht - außer dem Wohlwollen der anderen Verkehrsteilnehmer - einiges auf dem Spiel.

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Was unter dem Gaspedal des Supertest-Kandidaten schlummert, ist nämlich ab Leerlaufdrehzahl nichts anderes als die pure Versuchung. Die Kombination aus anzüglichem Leistungsangebot und perfekter Weiterverarbeitung von PS und Newtonmeter durch die Speedshift MCT 7-Gang-Automatik ist im Mercedes C63 AMG Coupé Black Series derart überzeugend geraten, dass einem im Einflussbereich dieser „schwarzen“ Magie leicht schwindelig werden kann. Wie in manch anderen Fällen von perfektem Motor/Getriebe-Arrangement auch, sind es zuvorderst nicht die objektiven Zahlen, die den Black Series-Ableger als Supersportwagen legitimieren, sondern es ist vielmehr die geschliffene Darbietung des fulminanten Vorwärtsdrangs.

Supertest-Kandidat in 13,9 Sekunden auf 200 km/h

So erlauben die Fahrprogramme S, S+ und M sowie die Zwischengas- und eine „Race Start“-Funktion eine maßgeschneiderte Anpassung auf den jeweiligen Einsatzzweck, sei es im Stadtverkehr oder auf der Rennstrecke. Sowohl im automatisierten Fahrmodus als auch bei manuellem Abruf der sieben Gangstufen über die am Lenkrad angebrachten Schaltpaddel erweist sich das ohne Drehmomentwandler, dafür mit sogenannter Mehrfachkupplungstechnik und einer im Ölbad laufenden Anfahrkupplung arbeitende MCT-Getriebe als ideales Werkzeug. Die schnellsten Schaltvorgänge dauern unter Volllast im Mercedes C63 AMG Coupé Black Series jetzt nur noch 100 Millisekunden. Die automatisierten Gangwechsel gehen daher ohne nennenswerte Zugkraftunterbrechungen vonstatten und offenbaren sich vornehmlich in höchst anregenden Stimmmodulationen seitens des V8-Motors. 

Zugegeben: Messtechnisch tritt der Fortschritt in den Fahrleistungen gegenüber der um 30 PS schwächeren Basis-Mercedes C63 AMG Coupé kaum oder gar nicht zutage. Das ehrt eher die Basis, die zum Zweck der Leistungssteigerung auch mit dem Performance Package aufgerüstet war, als es die Black Series-Variante beleidigen würde. Oder sagen wir es so: Die angesichts des versammelten PS-Aufgebots doch eher marginale Leistungsdifferenz geht mischkalkulatorisch im V8-Gesamtkomplex unter.

Black Series-Modell wiegt über 1,7 Tonnen

Außerdem setzt die mit noch üppigerer Sportbereifung - exklusiv entwickelte Dunlop Sport Maxx Race in der Größe 255/35 ZR 19 vorn und 285/30 ZR 19 hinten - sowie mit Abtrieb fördernden (zugleich aber den cW-Wert benachteiligende) Aerodynamik-Elementen scharf gemachte Mercedes C63 AMG Coupé Black Series schwerpunktmäßig weniger auf den längsdynamischen Overkill als vielmehr auf ein Plus an Querdynamik. Im Extremfall können es gut und gerne bis zu 1,4 g sein, die der mit vollem Tank 1.748 Kilogramm wiegende Top-Sportler beim Supertest in den Asphalt drückt und damit stichhaltige Hinweise auf die vorzüglichen Anlagen des neuen Gewindefahrwerks sowie auf die reine Sportlerseele der neuen Sport Maxx Race liefert.
 
Aber halt! Über 1,7 Tonnen fahrfertige Masse, und das trotz ausgeräumten Fondabteils und einem optionalen Karbon-Paket mit Frontsplitter, Außenspiegelgehäuse, Seitenschwellerverkleidung, Diffusoreinsatz und Abrisskante in Echt-Karbon? Wie geht denn sowas? Mit minus 22 Kilogramm gegenüber dem 1.770 Kilogramm schweren Mercedes C63 AMG Coupé sind die Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung beim Black Series-Modell unterm Strich zwar nicht viel mehr als ein Zeichen guten Willens. Die Summe aus etwas weniger Gewicht und einer Prise mehr Leistung, kombiniert mit aerodynamisch wirkungsvollem Beiwerk, fahrwerkseitiger Kompetenz und bremsen- sowie reifentechnischer Klasse bedingen dennoch ein fahrdynamisches Gesamtkunstwerk, das im Supertest keine Wünsche offenlässt.

Rundenzeiten der C-Klasse auf Sportwagen-Niveau

Oder gäbe es angesichts der Nordschleifen-Rundenzeit des Mercedes C63 AMG Coupé Black Series von 7.46 Minuten etwa Anlass, die sportliche Qualifikation anzuzweifeln? Oder ist die Rundenzeit des Supertest-Kandidaten auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim - 1.10,6 Minuten - nicht Grund genug, ein hohes Lied auf das in kurzer Zeit dramatisch entwickelte Talent des von AMG professionell in die Mangel genommenen Mercedes-Coupés anzustimmen?
 
Mit seiner trotz der gewachsenen Spurweiten - vorn um 40, hinten um 79 Millimeter - immer noch überschaubaren Größe ist es diesem ganz speziellen Mercedes C Klasse-Coupé geradezu ein natürliches Bedürfnis, den bekannten Heros der Sportler-Szene ein Schnippchen zu schlagen. Das mit geänderten Stabis ausgestattete, höhenverstellbare Sportfahrwerk wird seiner hehren Aufgabe insofern mehr als gerecht, weil es nicht nur für ein ungemein agiles und zugleich stabiles Fahrverhalten verantwortlich zeichnet, sondern bei konstanter Feder- und Dämpferkennlinie dennoch so viel Abrollkomfort zulässt, dass der Alltag nicht als notwendige Verbindungsetappe zwischen den Polen Nordschleife und Hockenheimring oder Sachsen- und Lausitzring angesehen werden muss.
 
Das im Hinblick auf höhere Agilität und verbesserte Lenkpräzision im Mercedes C63 AMG Coupé Black Series neu abgestimmte Kennfeld für die Servounterstützung der Lenkung ist - ebenso wie die neuerliche, penible Adaption des ABS auf die veränderten Reifenparameter -, ein Zeichen größtmöglicher Bereitschaft, auch die vermeintlich kleinen Stellhebel nicht außer Acht zu lassen. Das ist gewiss nicht selbstverständlich.

Schwarzes Coupé kostet über 115.000 Euro

So wurde die Bremsanlage im Mercedes C63 AMG Coupé Black Series gleichfalls stark überarbeitet: Vorn kommen Sechskolben-Festsättel und größer dimensionierte Scheiben in der motorsporterprobten Verbundtechnik - Format: 390 mal 360 Millimeter - zum Einsatz. An der Hinterachse treffen Vierkolben-Festsättel auf sogenannte Integralscheiben in der Größe 360 mal 260 Millimeter. Dieses Zugeständnis an die (vermuteten) höheren Anforderungen hinsichtlich der auftretenden kinetischen Energie ist - gottlob - im Basispreis des Supertest-Kandidaten enthalten.
 
Nicht so das sogenannte „Track Package“, das die Dunlop-Sportreifen sowie eine aktive Hinterachsgetriebekühlung umfasst, die vor dem Diffusoreinsatz in der Heckschürze platziert ist und den Temperaturhaushalt des in Schub und Zug gleichermaßen sperrenden Differenzials im Rennstreckeneinsatz auf einem gesunden Level halten soll. Auch das Aerodynamik-Paket, bestehend aus den Karbon-Flics an der Frontschürze, dem aus dem gleichen Material gefertigten Frontsplitter und einem feststehenden Heckflügel mit verstellbarem Flügelblatt, sind aufpreispflichtige Accessoires beim Mercedes C63 AMG Coupé Black Series.

Sportwagenflair im Innenraum inklusive

Ohne diese wären die durchschlagenden Erfolge in den fahrdynamischen Kriterien beim Supertest so sicher nicht zustande gekommen. Die ebenso schmucke wie funktionelle Rennsport-Atmosphäre im Innenraum ist allerdings in jedem Fall gesetzt, inklusive der vorzüglich geschnittenen und für die optimale Fahrzeugkontrolle unerlässlichen Schalensitze, die wegen ihrer starren Lehne nur dann zu Gunsten der normalen Sportsitze entfallen müssen, wenn die optionale Einzelsitzanlage im Fond auf dem Wunschzettel verzeichnet ist.
 
Rote Sicherheitsgurte und ebensolche Kontrastnähte am Lenkrad, an den Sitzen, den Türmittelfeldern, den Armauflagen, der Mittelkonsole und am Schaltwählhebel sind ebenso typisch für die Black Series wie das neue AMG Performance Media-System, das - wie im Rennsport üblich - zahlreiche Telemetrieaufzeichnungen sowie verschiedene Motordaten mit Quer- und Längsbeschleunigungen und selbstverständlich auch die Rundenzeiten auf Abruf bereit hält. Dass auch das - wie nahezu alles andere bei Mercedes AMG - seinen Preis hat, versteht sich dabei fast von selbst.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

4. März 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 01/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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