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BMW 650i Cabriolet, Maserati GranCabrio, beide Fahrzeuge, Frontansicht 30 Bilder Zoom

Cabrio-Vergleichstest: BMW 650i vs Maserati GranCabrio: Bayern vs. Italien - schöner, schneller, schwerer

Das neue BMW 650i Cabriolet will mit 2+2 Sitzplätzen, elektrischem Softtop, Hinterradantrieb und einem 407 PS starken V8-Biturbo unter der Haube der etablierten Konkurrenz den Rang ablaufen. So auch dem Testgegner Maserati GranCabrio mit 440 PS starkem V8-Saugmotor.

Konsequenter Leichtbau wird in der Automobilindustrie gern und viel zitiert. Immer mehr Hersteller investieren große Summen in diesem Zweck dienende Kompetenzzentren - so zum Beispiel Audi und Lamborghini. Allein: Auf dem Weg zur Serienfertigung scheint irgendwo und irgendwie ein Großteil der guten Vorsätze verloren zu gehen.

BMW mit Fußgängerschutz im System

Wie sonst ließe sich erklären, dass das brandneue und alles andere als billig gemachte BMW 650i Cabrio mit 2.092 Kilogramm kaum leichter baut als das seit 2010 am Markt befindliche Maserati GranCabrio. Letztgenanntes belastet die Fahrzeugwaage beim Vergleichstest in Hockenheim mit 2.106 Kilogramm. Dabei tragen beide Autos Softtops. "70 Kilogramm der stattlichen Masse des BMW 650i Cabriolet entfallen auf die neuen rechtlichen Bestimmungen zum Fußgänger- und Radfahrerschutz" war seitens des für das Sechser-Cabrio verantwortlich zeichnenden Designers zu vernehmen.

Das Mehrgewicht lastet zur Gänze auf der Vorderachse des dennoch sehr ausbalancierten BMW 650i mit Heckantrieb, weil in der lang gestreckten Motorhaube ein aufwendiger Hebemechanismus steckt, der verhindern soll, dass Fußgänger im Falle eines Frontal-Aufpralls geradewegs durch die Frontscheibe schießen. Auf das sehr bequeme, selbstredend elektrisch verstellbare Sitzgestühl dürfte ein weiterer erklecklicher Gewichtsanteil entfallen.

Modernes Auto mit zu viel Gewicht

Und der kräftige Achtzylinder mit den beiden in das V der Zylinderbänke integrierten Abgasturboladern hat auch Gewicht. Gleiches gilt für die in den Abmessungen ausgesprochen stattlich geratene Karosserie des weiß-blauen Luxus-Liners: Mit 4,89 Meter Länge spielt der BMW 650i Cabriolet in der Liga des kleinen Bruders mit der Fünf im Namen, mit 1,89 Meter Breite orientiert er sich am Siebener.

So weit so gut. Und doch: 2,1 Tonnen Gewicht für ein brandneues Auto? Das scheint selbst dann viel, wenn dieses fraglos der Luxusfraktion zuzurechnen ist, und der direkte Wettbewerber italienischer Abstammung, das mit 1,92 Meter noch etwas breiter geratene und gerade einmal einen Zentimeter kürzere Maserati GranCabrio, noch 14 Kilogramm schwerer wiegt.

Überragende Rundenzeiten auf dem Hockenheimring

So stark kann kein Motor sein, so gut keine Fahrwerksabstimmung, dass eine solche Masse bei der flotten Kurvenhatz zur Gänze in Vergessenheit geriete. Eine Behauptung, die auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim teilweise Bestätigung findet. Nicht, was die Rundenzeiten angeht. Die sind mit 1.15,6 Minuten für den BMW 650i Cabriolet und 1.17,4 Minuten für den Maserati GranCabrio überragend bis aller Ehren wert.

Zum Vergleich: Die identisch motorisierte BMW 550i Limousine ließ sich bei derselben Übung mit 1.19,6 Minuten deutlich mehr Zeit. Das beweist neben der Güte der Setups auch die Effektivität der beim Fünfer-Test nicht an Bord befindlichen elektromechanischen Integral-Aktivlenkung.

Keine Trägheit bei den schweren Cabriolets

Jene verfügt in ihrer aktuellsten Spezifikation über eine mitlenkende Hinterachse und gefällt auf der ganzen Linie: Im Alltag wie auf der Rennstrecke mutet das stämmige BMW 650i Cabriolet dank des situationsgerecht agierenden, mit verschiedenen Übersetzungen aufwartenden Steuerungssystems deutlich leichtfüßiger an, als auf den ersten Blick zu vermuten steht. Auch das Maserati GranCabrio mit dem markanten Dreizack im übergroßen Kühlermaul vermag die Trägheit der Masse vergleichsweise gut zu überspielen.

Auch hier kommt der überraschend leichtgängigen Lenkung ein großer Anteil daran zu. Wenngleich die Rückmeldung am Volant des Maserati GranCabrio weniger präzise ausfällt als beim BMW 650i. Am Dreispeichen-Lenkrad des Sechsers wird der Pilot einen Tick besser über die Aktivitäten des insgesamt kompakter wirkenden Unterbaus informiert als beim Maserati GranCabrio, wo auf unebenen Pisten die Bewegung jedes einzelnen der mächtigen 20-Zoll-Räder klar zu identifizieren ist.

Die Bremsen halten bei Maserati und BMW

Ebenso erwähnenswert sind die bei beiden Autos trotz des hohen Gewichts standfesten Bremsanlagen. Auch wenn die gemeinhin Überlastung signalisierenden Rauchzeichen aus Richtung der vorderen Radhäuser beim Maserati GranCabrio zunächst anderes vermuten lassen und die groben Regelalgorithmen des ABS beim Bremsen auf der letzten Rille die Vorderachse zu unangenehmen Pendelbewegungen verführt: Die Bremse hält.

Wunderwerte zaubern die stattlichen Probanden beim Vergleichstest zwar nicht auf den Asphalt, mit konstanten Verzögerungen zwischen 10,3 und 10,6 m/s2 beim Maserati GranCabrio respektive 10,4 und 10,6 m/s2 beim BMW 650i Cabriolet können sich die offenen Zwei+Zwei-Sitzer jedoch durchaus sehen lassen.

BMW zwei Zehntel langsamer auf 100 als angegeben

Gleiches gilt für die Beschleunigung mit positivem Vorzeichen. Den Punkt, den der Maserati GranCabrio bei der Bremsprüfung aufgrund seiner warm etwas weniger bissigen Stopper verliert, macht er beim Sprint auf Tempo 100 wieder gut. Das automatisierte, insgesamt zu lang übersetzte Sechsganggetriebe des Maserati GranCabrio (daher die schlechte Performance bei der das Durchzugsvermögen beschreibenden Elastizitätsmessung) erlaubt den hinteren Antriebsrädern exakt jenes Maß an Schlupf, das dem flotten Antritt dienlich ist.

In der Folge springt das GranCabrio in Hockenheim wie von der Tarantel gestochen davon und unterbietet die Werksangabe am Messtag um drei Zehntelsekunden. Schlussendlich gewinnt der Maserati GranCabrio das Beschleunigungsduell gegen den BMW 650i Cabriolet, der seine Werksangabe wiederum um exakt zwei Zehntelsekunden überschreitet, mit 5,0 zu 5,2 Sekunden.

Preisliche Unterschiede gibt es nur theoretisch

In der Preis-/Leistungswertung bekommt der Maserati GranCabrio, bei dem ein Großteil der Extras bereits mit dem Grundpreis abgedeckt ist, dann allerdings tüchtig was auf die Hucke. Unter 132.770 Euro ist das Gran-Cabrio nämlich nicht zu haben. Gegenüber dem ab 94.300 Euro teuren BMW 650i Cabriolet, bei dem dafür aber jede Kleinigkeit Aufpreis kostet, muss der Maserati in dieser Disziplin die Segel streichen.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

22. Juni 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 04/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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