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Mini JCW Cabrio gegen Roadster: Open-Air-Minis im Vergleichstest

Artenvielfalt ist eine feine Sache. Naturschützer kämpfen ständig darum. Der Mut der Mini-Macher, die ihren Kunden mit dem Cabrio und dem Roadster gleich zwei offene Versionen des 211 PS starken John Cooper Works offerieren, ist dennoch bemerkenswert. Der Vergleichstest zeigt, worin sich die beiden Open-Air-Minis unterscheiden.

Klein ist in: Wer es sich leisten kann, auf Platz zu verzichten, hält beim Autokauf nicht selten eine Klasse tiefer als bisher Ausschau. Was weniger mit gelebter Bescheidenheit als monetären Zwängen und dem stetig schrumpfenden Parkraum in deutschen Großstädten zu tun haben dürfte.

Mini JCW als Cabrio und Roadster

Kenner der Szene werden nun die Augenbrauen hochziehen. Mini und monetäre Zwänge? Das scheint auf den ersten Blick nur schwer zusammenzugehen. Schließlich sind 32.750 (JCW Cabrio) und 31.900 Euro Grundpreis (JCW Roadster) für einen Kleinwagen beileibe kein Pappenstiel - elektrisches Variodach und 211 Pferde unter der vorderen, von einer großen Nüster gekennzeichneten Haube hin oder her. Youngster - und eben jenen scheint der smarte Fronttriebler mit den unschuldig dreinblickenden Kulleraugen vordergründig auf den Leib geschneidert - müssen sich einen solchen Invest erst einmal leisten können.

Andererseits gehen rund 150 Euro pro PS in der Sportwagenszene fast schon als Schnäppchen durch. Nicht ohne Grund belohnt die sport auto-Wertung diese Zurückhaltung mit neun von zehn Punkten in der Kategorie Preis-Leistungs-Verhältnis. Und da der mit 3,76 Meter Länge in der Tat recht kompakt geratene Deutsch-Brite vorbildlich klassen- und alterslos ist, stellt der Umstand, dass es mit dem Grundpreis in Anbetracht der Vielzahl verschönender und selbstredend aufpreispflichtiger Extras in der Regel nicht getan ist, eigentlich auch kein Problem dar. Im vollen Ornat nebst mit Leder bezogener Sitze, Sound-System und Navi notieren beide Testwagen mit über 40.000 Euro.
 
Kein Wunder also, dass Mini-Fahrer und -Fahrerinnen sich bei näherem Hinsehen oft als weniger jung entpuppen, als die pfiffigfreche Optik ihres automobilen Lebensabschnitts-Partners vermuten lässt. Aber eben das macht ja auch den Charme dieses Auto-Zwerges aus und erklärt, warum die BMW Group bestrebt ist, für jeden Topf den passenden Deckel bereit zu halten. Zwei- und Viersitzer, festes oder variables Dach, den Möchtegern-Kombi Clubman, einen stämmigen Viertürer namens Countryman, Front- oder Allradantrieb, Diesel- und Benzinmotoren. Mini setzt den früheren Toyota-Werbespruch „nichts ist unmöglich“ somit noch trefflicher um als seine Erfinder.

Deshalb also das doppelte Frischluft-Lottchen

Wer Leistung will, aber hin und wieder mit der Beförderung von mehr als einer zusätzlichen Person - namentlich mitreisenden Kindern - rechnen muss, kann zum viersitzigen Mini JCW Cabrio greifen. Golfer oder bekennende Singles sind mit dem zweisitzigen Roadster möglicherweise besser bedient. Zwar muss das gegen Aufpreis elektrisch bedienbare Verdeck hier in jedem Fall manuell entriegelt werden, bevor der Wind eine Spur ungestümer in den Haaren wühlen darf als bei dem mit einer höheren, weil steiler stehenden Frontscheibe versehenen Cabriolet mit vollelektrischem Variodach. Dafür fällt das Raumangebot im rückwärtigen Gepäckabteil vergleichsweise üppig aus.
 
Der gleich einem Briefschlitz durch eine nach unten öffnende Klappe zu beladene Cabrio-Kofferraum verdient seinen Namen hingegen nicht wirklich. Bereits größere Einkäufe können Mini-Cabrio-Eigner vor Probleme stellen und zur Zweckentfremdung der beiden rückwärtigen Sitze führen. Schon weil diese sich bei geöffnetem Verdeck deutlich geschmeidiger beladen lassen: hochheben, fallen lassen, gut. Das im rückwärtigen Gepäckabteil zuweilen erforderliche Einfädeln entfällt somit.
 
Im Gegenzug bewahren im Cabriolet selbst aufwendigere Frisuren Haltung. Bei hoch gefahrenen Seitenscheiben und montiertem Windschott geht das Cockpit des Viersitzers als vergleichsweise geschütztes Refugium durch. Wer nur ein wenig und nicht rundum Himmel sehen will, kann das Softtop zudem als großflächiges Schiebedach missbrauchen, bekommt dann aber bei höheren Tempi gehörig was auf die Ohren.
 
Apropos Ohren: Jene werden auch im Mini JCW Roadster und selbst bei geschlossenem Verdeck strapaziert. Allerdings erst, wenn der Fahrer vom Temperament des mit 1,39 Meter Bauhöhe etwas dichter über den Asphalt huschenden Zweisitzer inspiriert, den kleinen Wirbelwind auf der Autobahn zum Äußersten treibt. 230 Sachen sind vordergründig kein Problem (das Radio lässt sich ja aufdrehen) und machen in Anbetracht der zumeist deutlich größeren Gegner auf der linken Spur sogar riesig Freude. Nach längeren Reise-Etappen ist der Spaß indes mit abendlichen Hängeöhrchen zu bezahlen. Schön, wenn endlich wieder Stille herrscht.

Offene Works-Minis geben sich sportlich

Dabei geht an Bord der beiden starken JCW-Minis gemeinhin gerade die Abwesenheit von stillem Understatement als besondere Tugend durch. Die beiden mit Race-Sreifen und dunklen, 17 Zoll großen Rädern versehenen Zwerge tun ihren sportlichen Anspruch nämlich nicht nur optisch kund. Sie äußern sich auch akustisch recht unverhohlen. Wie kernig-sonor so ein 1,6-Liter-Turbomotor doch klingen kann. Insbesondere bei gedrückter Sport-Taste verlockt das gar nicht zarte Stimmchen des gleichermaßen antritts- wie durchzugsstarken Vierzylinders zum Spiel mit dem Gaspedal.

Dass jenes im Extremfall mit durchaus ansehnlichen Beschleunigungswerten im Test belohnt wird, zeigt der Sprint auf der Messgeraden. Beide Minis sind binnen 7,1 Sekunden vom Stand weg auf 100. 180 km/h liegen im Roadster zwei Zehntelsekunden früher an als im Cabrio, was dem minimal geringeren Windwiderstand des Zweisitzers zuzuschreiben sein dürfte. Dieser begründet auch die vom Werk mit zwei km/h mehr bezifferte Höchstgeschwindigkeit von 237 km/h. Dem Cabrio werden bis zu 235 km/h zugetraut.

Deutlicher Unterschied auf der Rennstrecke

Deutlicher fällt der Vorsprung des mit 1.255 zu 1.277 Kilogramm exakt 22 Kilogramm leichteren Zweisitzers in den Handling-Disziplinen aus. Den 180 Meter langen Slalomparcours durcheilt der Newcomer mit 68,7 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit einen knappen Stundenkilometer schneller als das bereits länger erhältliche Mini Cabrio. Auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim nimmt der offene Zweidem offenen Viersitzer gar sechs Zehntelsekunden ab. Ein Vorsprung, der mit dem marginalen Gewichtsvorteil allein nicht zu begründen ist, wohl aber mit dem insgesamt agileren Fahrverhalten des Roadsters.

Wo das Cabrio den sicheren Biedermann gibt, der stets die Flucht über die angetriebenen Vorderräder sucht, agiert der Zweisitzer ein gutes Stück lebendiger. Bei kurz aufeinander folgenden Richtungswechseln schwingt das mit einem automatisch ausfahrbaren Spoiler versehene Roadster-Heck selbst unter Last leicht mit. Das Einlenkverhalten ist direkter.

Auf dem Kleinen Kurs lässt sich das Fahrverhalten der beiden Einstiegssportler wie folgt umschreiben. Während der Mini JCW Roadster erst beim Herausbeschleunigen unter Last zu Schieben beginnt, nimmt das starke Cabriolet das Untersteuern bereits mit in die Kurve hinein. Von Mut kann also nicht die Rede sein: Die Mini-Macher haben schlicht gewusst, warum es zwei offene JCW-Modelle braucht.

Autor

Datum

18. Dezember 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 09/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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